Wesel: Platz 435 von 439
zuletzt aktualisiert: 06.10.2007Wesel (RPO). Platz 435 von 439 möglichen: Nach dem Kreis Wesel kommt nicht mehr viel. Nach Meinung des Prognos-Institutes stehen in Sachen Bildung und Ausbildung nur noch der Kreis Kleve, der Oberbergische Kreis, Recklinghausen und Bottrop schlechter da als Wesel. Ein solches Ergebnis im so genannten „Familienatlas“, gerade eben veröffentlicht, ist ein augenfälliges Beispiel dafür, wie leicht Untersuchungen falsch liegen, wie unscharf die Prüfbasis ist und welches Unheil sie anrichten können. Denn das schlechte Ergebnis spricht sich rum und ist ein Tiefschlag bei den wichtigen aktuellen Standortkriterien.
Eins zieht den Kreis Wesel notenmäßig in die Tiefe: Das Missverhältnis von Lehrstellen und jungen Leuten auf der Suche nach Ausbildung. Aber sonst? In Wesel etwa gibt es ein sattes Rundum-Schulangebot, die Stadt hält ihre Schulbauten mit viel Geld in Schuss, der Ausbau für den Ganztag bedeutet eine beachtliche Kraftanstrengung, und gerade erst wurde das Thema Mensa an den Gymnasien mit positivem Ergebnis beendet. Wenn die Prognos-Leute bloß mal nachgefragt hätten statt Daten aus Statistiken zusammen zu klauben . . . Weder bei der Stadt noch beim Kreis Wesel wurde je ein konkretes Auskunftersuchen registriert. Merkwürdige Methoden. Höchste Zeit ist es dennoch, die Schwächen Wesels in den Blick zu nehmen. Dass etwa in Sachen Ausbildung zehn Prozent der Schüler ohne Abschluss bleiben, ist ein Hammer und gesellschaftlicher Sprengstoff zugleich. Warum da nicht mit Macht eingehakt wird, ist nicht nachvollziehbar.
Ansonsten geht es zwar zäh, aber kontinuierlich voran – siehe Betreuung unter Dreijähriger und Ganztagsbetrieb an Schulen. Mangelndes Tempo und Entscheidungsschwäche kann man Verwaltung und Teilen der Politik durchaus ankreiden. Denn gerade im Sozialen sind viele Anbieter auf ihre Pfründe bedacht, und das Rathaus will niemandem weh tun. Verharren in alten Strukturen ist zu sehr die Folge. Das wird sich auf Dauer nicht durchhalten lassen. Denn Studie hin, Studie her: Das Ergebnis ist auch ein Warnschuss, der beweist, das Standortqualität in wachsendem Maß familien- und schulpolitisch definiert wird. Vom Weseler Rathaus wird Tatkraft erwartet. Beigeordneter Jung sagte gestern schon, dass die Familienpolitik stärker in den Fokus kommt.
Dabei wird es natürlich ums Geld gehen. Wenn nicht alles täuscht, wird der Autofahrer sein Scherflein dazu beitragen. Der diskutierte neue Bußgeldkatalog hat direkt zu Hochrechnungen über Mehreinnahmen geführt. Interessant! Auch die Kämmerin dürfte sich über den städtischen Radarwagen freuen. Der bringt ordentliche sechsstellige Erträge. Selbstverständlich nur aus Sicherheitsgründen. Schon ist von einem zweiten Radar die Rede . . .
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