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Wesel: Pogromnacht: Schüler hörten den letzten Zeitzeugen

VON LAURA KERKENPASS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2008

Wesel (RPO). Vor 70 Jahren brannten bei der Reichspogromnacht die Synagogen, auch in Wesel. Zu diesem Thema trafen sich die Oberstufen des Andreas- Vesalius Gymnasiums und der Gesamtschule gestern im Bühnenhaus. Jaap Achterberg präsentierte – wie schon am Gedenktag 9. November – die Geschichte aus dem Warschauer Ghetto „Jakob, der Lügner“ von Jurek Becker. Im Anschluss hatten die Schüler die Chance, mit Achterberg und einem Zeitzeugen, dem Weseler Juden Ernest Kolman, zu sprechen.

Im Gespräch mit Schülern: (v.l.) Ernest Kolman, Jude aus Wesel, Schauspieler Jaab Achterberg, der aus Jurek Beckers „Jakob, der Lügner“ las, und Theaterleiter Paul Borgardts.  Foto: RPO
Im Gespräch mit Schülern: (v.l.) Ernest Kolman, Jude aus Wesel, Schauspieler Jaab Achterberg, der aus Jurek Beckers „Jakob, der Lügner“ las, und Theaterleiter Paul Borgardts. Foto: RPO

Als Ernst Kohlman wurde er in Wesel geboren. Der 82-Jährige erzählt, wie er die Reichpogromnacht miterlebt hat: „Auf einmal gab es große Versammlungen. Viele Menschen wurden ermordet, nur weil sie Juden waren. Unsere Synagoge wurde in Brand gesteckt, und an allen Ecken wurde randaliert.“ Bei den Erzählungen des humorvollen Rentners kamen nicht nur dem Erzähler selbst Emotionen hoch. Auch die Schüler hörten angespannt zu, wie es damals für den Jugendlichen Ernst Kolman war. „Am Abend der Reichspogromnacht hat mich unsere nicht- jüdische Nachbarin zu sich genommen. Ich musste in einem kleinen Holzschrank schlafen. Da war es sicherer als bei meinen Eltern“, erzählt der Zeitzeuge.

Flucht mit 16 Jahren

Eine Schülerin fragte ihn, ob er denn mit seinen Eltern zusammen geflohen sei. Nach einer kleinen Pause, konnte er der Schülerin Antworten: „Nein leider nicht. Ich habe meine Eltern damals am 18. Januar 1939 in Köln zum letzten Mal in meinem Leben gesehen.“

Es durften damals nur Kinder bis zum Alter von 16 Jahren nach England auswandern. Über das Schicksal seiner Eltern konnte und wollte Ernst Kolman nicht reden, der Schmerz sitzt zu tief. Doch versuchte er den Schülern die Geschehnisse und die Angst von damals durch eine Analogie auf die heute Zeit deutlich zu machen. „Stellt euch doch mal vor, wenn plötzlich, von heute auf morgen, alle Menschen die in Büderich wohnen vom sozialen Leben ausgeschlossen werden würden und das wäre auch noch rechtlich festgelegt. Das würde bedeuten, dass die Jugendlichen aus Büderich ihre Schulen nicht mehr besuchen dürften, eure Väter müssten ihre Jobs aufgeben. Ihr dürftet nach 20 Uhr nicht mehr auf die Straße und ihr müsstet ein Zeichen an euch tragen, das deutlich macht, das ihr aus Büderich seid und nicht aus Wesel.“

Zum Schluss bat Kolman die Schüler: „Habt bitte die Courage und wehrt euch gegen Ungerechtigkeiten. Damals haben viel zu viele Menschen zugesehen und nichts unternommen. Nur gemeinsam ist man stark und kann sich wehren.“

Quelle: RP

 
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