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Schermbeck: Protestwelle der Landwirte erreicht nun auch Schermbeck

zuletzt aktualisiert: 31.05.2008

Schermbeck (RPO). Der Liefer-Boykott für Milch hat Donnerstagabend auch die Schermbecker Landwirte erreicht. Im proppenvollen Dammer Gasthof Wortelkamp ließen sich die Bauern zwischen Rüste und Weselerwald, aus Ortsteilen Besten und Uefte von streikenden Kollegen auf Solidarität einstimmen.

Eine Frage der Ehre: Johannes Klein-Hitpaß liefert seine Milch weiter an die Molkerei. Für ihn ist Vertragstreue ein hohes Gut. Er zollt den streikenden Kollegen seinen Respekt, den er auch für sich einfordert.   Foto: RPO
Eine Frage der Ehre: Johannes Klein-Hitpaß liefert seine Milch weiter an die Molkerei. Für ihn ist Vertragstreue ein hohes Gut. Er zollt den streikenden Kollegen seinen Respekt, den er auch für sich einfordert. Foto: RPO

Nach der Einführung durch BDM-Kreisvorstand Johannes Paaßen (Alpen) machten die Landwirte ihren Unmut über die sinkenden Milchpreise luft. Dann brachte Dieter Sondermann als Vorsitzender der Liefergemeinschaft Schermbeck-Drevenack die Diskussion auf den Punkt: durch den Boykott eine langfristige Stabilisierung des Milchpreises auf deutlich höherem Niveau erreichen. „Wenn alle mitmachen, dann dauert es nicht so lange.“

Aus den Redebeiträgen ging hervor, dass die Bereitschaft zum Boykott groß ist. Der Loikumer Berthold Stenkamp empfahl: „Nicht diskutieren! Einfach Schläuche losmachen.“ Der Rhader Landwirt Ludger Hessling zeigte sich von „der unglaublichen Solidarität“ beeindruckt. „Der Streik läuft. Es wäre fatal, wenn wir ihn jetzt nicht unterstützten“, ermunterte Sondermann zum gemeinschaftlichen Handeln.

Info

Politischer Beistand

CDU-Landtagsabgeordneter Wolfgang Hüsken war im Streiklokal Groß-Bölting in Loikum.

Der agrarpolitische Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion, Volker Neuhaus, hofft, dass der Lieferstopp kein Strohfeuer ist. Er setzt auf Mengensteuerung, an der die Bauern beteiligt sind.

„Das bleibt der Entscheidung eines jeden Landwirts überlassen“, konterte Kreislandwirt Wilhelm Neu offene Kritik an seiner Zurückhaltung. Die Versammlung hatte zuvor einem Landwirt starken Applaus gezollt, als feststellte: „Ich vermisse in den Medien das Foto, das den Kreislandwirt beim Losmachen des Milchtanks zeigt.“

„Jetzt oder nie!“

Nach etwa eineinhalb Stunden wurde eine Liste durch die Reihen gegeben, in denen sich streikwillige Landwirte eintragen konnten. „Jetzt oder nie!“ war die überwiegende Meinung, als man auseinander ging. Es wird auch in den nächsten Tagen sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet, unter anderen in den Verbrauchermärkten, wo man mit Aufkaufaktionen von Milchprodukten die Verbraucher wachrütteln möchte.

Vier Schermbecker Landwirte waren am Ende des Informationsabends zu einer Stellungnahme bereit. Silke Sümpelmann (Bricht): „Wir haben zum ersten Male gesehen, wie weit die anderen schon sind. Das muss jetzt auf uns überschwappen. Wir müssen alle an einem Strang ziehen.“ Bernd Klevermann (Overbeck): „Der BDM ist der einzige Verband, der die Interessen der produzierenden Milchviehhalter vertritt.“

Heiner Scholtholt (Rüste), Liefergemeinschaft Schermbeck-Holsterhausen, die an Dr. Oetker (Moers) liefert: „Für uns kam alles zu kurzfristig. Ein Großteil tut sich noch schwer. Manchen laufen die Kosten davon. Wenn, dann sollten alle mitmachen.“ Rainer Haddick (Rüste): „Wir werden jetzt viel mit den Mitgliedern der Liefergemeinschaft sprechen.“

Quelle: RP

 
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