Wesel: Rabatz gegen KiBiz
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 17.09.2007Wesel (RPO). Erzieher, Eltern und Kinder aus Wesel und Schermbeck beteiligten sich am Samstag in Düsseldorf an der großen Kundgebung gegen das Kinderbildungsgesetz (KiBiz). Die RP begleitete die Gruppe.
Schon am Weseler Bahnhof zeigen die mehr als zwei Dutzend Demonstranten am Samstag Flagge. „Keine Kürzung bei den Kurzen“ und „KiBiz ist ein Hohn – Landesregierung zurück in die Opposition“, steht auf ihren Transparenten. Erzieherinnen, Eltern und Kinder aus Wesel und Schermbeck fahren an diesem Mittag mit dem Zug nach Düsseldorf, um an der landesweiten Demonstration gegen das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) teilzunehmen. Seit Wochen tobt der Protest, allein in Schermbeck gingen am Freitag 300 Menschen auf die Straße (RP berichtete).
„Wir gehen nach Düsseldorf, weil das Gesetz nicht so durchgesetzt werden darf, wie es geplant ist“, sagt Roswitha Schut, Leiterin des evangelischen Kindergartens Beguinenstraße in Wesel. Sie ist 1991 schon einmal zum Protest in die Landeshauptstadt gefahren, als es um das Gesetz über die Tageseinrichtungen für Kinder ging.
600 von 123 000
123 000 Unterschriften gegen KiBiz wurden dem Vize-Landtagspräsidenten Edgar Moron in Düsseldorf übergeben – davon allein 600 aus Schermbeck.
Diese Zahl nannte Ursula Heinemann von der Kita St. Ludgerus.
Trillerpfeife vom Freund
Eltern und Erzieher aus Schermbecker Einrichtungen zeigen sich ebenfalls demonstrations-erprobt. Am freien Samstag zögern sie nicht, nach Düsseldorf zu fahren: „Alle waren sofort bereit“, bestätigt Birgit Meyer-Jacob, Leiterin des evangelischen integrativen Kindergartens „Hand in Hand“. „Wir fahren mit aus Angst um unseren Arbeitsplatz und um gegen den Qualitätsverlust zu demonstrieren.“ Ella Ernst, die in „Hand in Hand“ ihr Anerkennungsjahr macht, will sich in Düsseldorf Gehör verschaffen. „Die Trillerpfeife habe ich mir von meinem Freund ausgeliehen“, sagt sie.
Im Zug fallen die Demonstranten schnell auf. Ihre rote Kleidung signalisiert: „Stopp“. Als andere Fahrgäste fragen, wogegen sich der Protest richtet, ertönt vielstimmig und laut die Antwort: „ Gegen KiBiz!“
Am Düsseldorfer Rheinufer, den Landtag vor Augen, reihen sich die Niederrheiner in das entschiedene Miteinander gegen das Kinderbildungsgesetz ein. 15 000 sollen es sein, wird später gemeldet.
Eine bunte Menge hat sich versammelt, jeden Alters und jeder Couleur: Eltern-Initiativen, kirchliche Träger, Gewerkschaften, Kohlekumpel und Hippies. Alle sind im Protest vereint, um Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Familienminister Armin Laschet an ihr Versprechen zu erinnern, NRW zum kinderfreundlichsten Land Deutschlands zu machen. Während die Kinder auf der Hüpfburg toben oder im Buggy schlafen, werden die Erwachsenen nicht müde, ihre Stimme zu erheben.
Mit Beifall und Zurufen quittieren sie die Reden der Vertreter von Gewerkschaften und kirchlichen Berufsverbänden. Der stellvertretende Landtagspräsident Edgar Moron (SPD) ist gekommen, während von der CDU-/FDP-Landesregierung niemand zu sehen ist. „Ich habe hier schon viele Demonstrationen erlebt, aber eine der schönsten und fröhlichsten, das war Ihre“, sagt er. Es bleibt friedlich, Polizisten sind vor allem damit beschäftigt, Müttern mit Kinderwagen durch die Menge zu helfen.
„Let it be“, Laschet!
Geschafft, aber zufrieden macht sich die Gruppe aus Wesel und Schermbeck auf den Heimweg. Manche summen den Beatles-Klassiker „Let it be“. Den haben sie in Düsseldorf mit einem auf den Familienminister gemünzten Text angestimmt: „Laschet’s sein!“
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