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Wesel: Rhein: besungen und umkämpft

VON RUDOLF HAFFNER - zuletzt aktualisiert: 16.03.2010

Wesel (RPO). "Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze": Prof. Jörg Engelbrecht hielt bei der Historischen Vereinigung einen Vortrag über die Bedeutung des Rheins für Wirtschaft und Politik sowie als romantisch-touristisches Phänomen.

Info

Nordseezufluss

Der Rhein ist mit 1235 Kilometern der längste Nordseezufluss und eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt.

Zum Einzugsgebiet gehören weite Teile der Schweiz, Deutschlands und der Niederlande, dazu Gebiete im Osten Frankreichs und Westen Österreichs. Am Rhein leben rund 50 Millionen Menschen.

Wieder hatte die Historische Vereinigung zum Vortrag geladen und wieder sind viele Besucher ins Bühnenhaus gekommen. Diesmal ging es aber nicht um ein Thema der Weseler Geschichte, sondern um ein sehr umfassendes, ein europäisches Thema: "Der Rhein. Geschichte eines Stromes und seiner Wahrnehmung". Prof. Jörg Engelbrecht, Historiker der Universität Duisburg-Essen, vermochte es, in einer knappen Stunde seine Zuhörer über die wichtigsten Aspekte des Themas zu informieren.

Damit ein solches Kunststück gelingt, braucht es Sachkenntnis, die Gabe des Weglassens und eine klare Gliederung. Letztere stellte Jörg Engelbrecht an den Anfang seines Vortrags. Drei Aspekte sollten herausgestellt werden: 1. Der Rhein in seiner Bedeutung als Verkehrsweg. 2. Der Rhein in seiner politischen Funktion. 3. Der Rhein als touristisch-romantisches Phänomen.

Europas zentrale Achse

Der Rhein bildet die zentrale europäische Achse zwischen Mittelmeer und Nordsee und diente deshalb schon seit frühester Zeit als Schifffahrts- und Handelsroute. Seine verkehrsgeographische und wirtschaftliche Sonderstellung zog die Menschen an mit der Folge, dass an den Ufern viele Städte gegründet wurden. Schon früh traten sie in Konkurrenz zueinander um wirtschaftliche Privilegien, die Rheinschifffahrt betreffend. Es ging um Zollabgaben, es ging um sogenannte Stapelrechte, von denen besonders eine Stadt wie Köln profitierte und sich rasanter als etwa Bonn und Düsseldorf entwickelte.

Doch nicht nur die Städte am Rhein, auch die Anrainerstaaten kämpften um wirtschaftliche Vorteile auf Kosten einer ungehinderten Schifffahrt. Besonders das Königreich der Niederlande beharrte auf Zollabgaben seiner Rheinmündungshäfen zum Schaden besonders der deutschen Wirtschaft. Im Kampf gegen diese Handelshemmnisse erfolgte deshalb der Bau des "Eisernen Rheins", der Eisenbahnverbindung zwischen dem Rhein-Ruhrgebiet und Antwerpen und der Köln-Mindener Eisenbahn.

Wegen der wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung ist der Rhein immer auch politisch umkämpft gewesen. Der Kampf wurde vor allem zwischen Frankreich und Deutschland ausgetragen. Frankreich beanspruchte den Rhein als "natürliche Grenze", und so war über Jahrhunderte das Ziel seiner Politik, die deutschen Gebiete links des Rheins in sein Herrschaftsgebiet einzuverleiben. 1801 schien dies mit dem Frieden von Lunéville erreicht zu sein. Der Traum währte nur bis 1815. Der Wiener Kongress beorderte Preußen an den Rhein, es entstand die Preußische Rheinprovinz. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erhob Frankreich erneut Anspruch auf die Rheinlande, Amerikaner und Briten wiesen die Maximalforderung zurück.

Der Kampf um den Rhein wurde auch mit Worten ausgefochten. Berühmt ist der Spruch von Ernst Moritz Arndt, der Rhein sei "Teutschlands Strom, nicht Teutschlands Gränze". Die "Rheinkrise" von 1840, durch Frankreich ausgelöst, führte in Deutschland zu nationalen Empörung, die unter anderem in der "Rheinliedbewegung" ihrer Ausdruck fand. Am populärsten wurde das Lied "Der deutsche Rhein", das so beginnt: "Sie sollen ihn nicht haben, / den freien deutschen Rhein". Generationen von Schülern haben dieses Lied gelernt, heute ist es, Beispiel nationalistischer Propaganda, vergessen.

Dichtung, Malerei, Musik haben den Rhein verherrlicht, machten ihn zum wichtigsten Nationalsymbol. Doch nicht die am Rhein wohnten, taten sich hier hervor. Für sie bedeutete der Rhein vor allem eine Erwerbsquelle, immer auch potentielle Gefahr. Für Romantik hatte die Rheinländer deshalb wenig Sinn und keine Zeit. Ähnliches gilt auch für den Rheintourismus, der sich im 19. Jahrhundert mit der Dampfschifffahrt rasant entwickelte. Die ersten Rheintouristen waren die Briten, die den Fluss, seine Landschaft und seine Burgen mit den Augen ihres Dichters Lord Byron erlebten und sich begeisterten.

Heute ist der Rhein noch immer wirtschaftlich und touristisch von größter Bedeutung, umkämpft ist er nicht mehr. Die großen Anrainer sind sind Freunde geworden. Ein großes Glück für alle in Europa.

Quelle: RP

 
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