Hamminkeln: Riskantes Planspiel um Jobs
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 13.09.2008Hamminkeln (RPO). Äußerungen von SPD-Regionalrätin Sartingen über Bonita-Erweiterungspläne lassen neue Sorge aufkeimen, dass der Top-Gewerbesteuerzahler den Standort wieder in Frage stellt. Spekulationen über heimliche Allianzen.
SPD-Regionalrätin Gunhild Sartingen spielt an der Autobahn augenscheinlich mit dem Feuer. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Bezirksregierung über 400 Jobs aufs Spiel setzt.“ Die Reaktion von Bürgermeister Holger Schlierf klingt gelassen, lässt aber keinen Zweifel an der Brisanz der jüngsten Äußerungen der Regionalrätin aus Marienthal, die die Erweiterungspläne Bonitas über die B 473 hinweg in Frage gestellt hatte. Das hat nach RP-Informationen in der Vorstandsetage des Mode-Riesen nervöse Geschäftstätigkeit ausgelöst.
Auf Expansionskurs
Im 36 Mio. Euro teuren Lager an der A 3 werden ab 2010 täglich 200 000 Kleidungsstücke kommissioniert. Die Zentrale will bis Jahresende 1000 Shops in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Dänemark, Polen und Ungarn bedienen.
Sollte Bonita weiter jährlich um 20 Prozent wachsen, soll 2013 ein zweites Lager in Auftrag gehen.
Es geht um den Standort Hamminkeln. Der schien eigentlich sicher. Nun muss die Stadt wieder um ihren mit Abstand potentesten Steuerzahler bangen. Hintergrund der Nervosität ist die kritische Stellungnahme der SPD-Fraktionschefin im Regionalrat zum städtischen Antrag, 16 Hektar Acker zwischen A 3 und der reetgedeckten Ferienhaussiedlung am Weikensee als Gewerbegebiet auszuweisen, um Bonita langfristiges Wachstum am Standort zu ermöglichen.
Im Gegenzug sollen vier Hektar für Gewerbe im Loikumer Rott planerisch wieder Wiese werden. Während Sartingen neue Chancen sieht, dass sich Bonita hier mit dem Eigentümer einigt, herrscht im Rathaus nacktes Entsetzen. Getuschelt wird über eine heimliche Allianz, deren Kontakte bis in die Landeshauptstadt reichen sollen. Hinter vorgehaltener Hand fällt immer wieder der Name von Regierungspräsident Jürgen Büssow, dem persönlich gute Drähte zu Drahtziehern vor Ort nachgesagt werden.
Welche Rolle spielt Büssow?
Im Rat ging SPD-Fraktionschef Manfred Winter öffentlich auf Gegenkurs zur Genossin im Regionalrat. Das könnte man, oberflächlich betrachtet, für Pflege einer alten Feindschaft halten. Dahinter steckt aber wohl weit mehr. Das unterstrich demonstrativer Beifall aus allen Fraktionen. Bürgermeister Schlierf unterstützt Winter ohne Wenn und Aber: „Das war eine sehr wichtige Äußerung.“ Er sei dabei, so Schlierf, drohendes Unheil mit allen Kräften zu verhindern. Er hatte sich persönlich intensiv bemüht, den Acker für Bonita zu sichern, um dem Unternehmen langfristige Perspektiven zu bieten. Als sich Bonita vor knapp einem Jahr den Zugriff auf die 16 Hektar vertraglich sichern konnte, war der Weg frei für den millionenschweren Bau des Hochregal-Lagers auf der Firmenseite der B 473. Die Abwanderungstendenzen in der Unternehmensspitze waren gestoppt. „Wir bleiben“, hieß das klare Bekenntnis.
Zum Durchbruch fehlt der planungsrechtliche Schritt, aus dem Acker Gewerbefläche zu machen. Da hakt’s. Für Schlierf völlig unverständlich: „Wenn Gewerbe gut aufgehoben ist, dann im Autobahnkreuz.“ Die städtische Planung sei „ohne Alternative“, die langfristigen Ansprüche von Bonita vor Ort zu bedienen. Durchkreuze der Regionalrat den Plan, sei der europaweit expandierende Riese mittelfristig nicht zu halten. Das Großlager zementiere den Standort nicht.
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