Wesel: Schätze aus der Krypta des Jazz-Schlagers
zuletzt aktualisiert: 25.02.2008Wesel (RPO). In der WDR-Sendung „Zimmer frei“ entlockt er Prominenten intimste Geheimnisse. Auch eigene kann Götz Alsmann schwer für sich behalten. „Ich rede nicht nur gerne, ich höre mich auch gerne reden“, bekennt der Meister am Jazzklavier. „Mein Geheimnis“ heißt Alsmanns mittlerweile siebtes Album, das der selbsternannte „Professor Dumbledore des deutschen Jazz-Schlagers“ jetzt live im Bühnenhaus vorstellte. Alsmann schien sichtlich erleichtert, seinen Auftritt diesmal ohne Katastrophen über die Bühne bringen zu können, hatte er doch schon ein Gastspiel krankheitsbedingt absagen müssen. Zum Ersatztermin musste er sich durchs Schneechaos kämpfen.
Für einen Auftritt in der „Kulturmetropole Wesel“ hätte er noch ganz andere Dinge auf sich genommen, daran ließ Alsmann keinen Zweifel aufkommen, doch diesmal lief alles glatt. Mit seiner Band, bestehend aus Altfrid Maria Sicking (Vibraphon, Trompete), Michael Müller (Bassgitarre), Rudi Marhold (Schlagzeug) und Markus Passlick (Percussion), heizte er mit Jazz der 50er und 60er Jahre sowie eigenen Kompositionen ein. Mit „Hey, hey großes Mädchen“, das Heinz Gietz einst Greetje Kauffeld auf den Leib schrieb, und „Ein Gläschen Wein und du“ von Werner Müller, damals Chef des RIAS-Tanzorchesters, ging es schwungvoll in den Abend.
Das Bossa Nova-lastige „Indiskret“ aus Alsmanns Feder handelte vom Drang, jedes Geheimnis sofort auszuplaudern. Schonungslos enthüllte Alsmann Verborgenes aus seinem eigenen Leben. „Was muss ein Mann durchlitten haben, um so zu werden wie Sie?“ Dies werde er oft von seinem Publikum gefragt, erklärte Alsmann und blieb keine Antworten schuldig.
Mit seiner Schwester Gretel sei er einst von den mittellosen Eltern an einen Wanderzirkus verkauft worden. Erst mit 16 habe er die Wahrheit über seine Herkunft erfahren sollen, doch nach einem Schlag auf den Kopf sei er erst im Tourbus nach Wesel wieder aufgewacht. Gut, dass es ihm vor seiner Ankunft noch gelang, in die „Krypta des Jazz-Schlagers“ einzudringen, um einen Schatz wertvoller Noten zu heben. Dem Publikum wäre sonst mancher Leckerbissen entgangen. Bei aller musikalischen Ernsthaftigkeit konnten Alsmann und seine Band das Blödeln nicht lassen. Die Vertonung des letzten Willens einer alten Klofrau und das Flötensolo „Amazing Grace“ fielen in diese Kategorie. Das Publikum war von der Mischung begeistert.
Alsmann gratulierte den Gästen zu „diesem schönen Theater“ und versprach ein Wiedersehen.
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