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Wesel: Schöne neue Bau-Welt

VON THOMAS HESSE - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007

Wesel (RPO). Architektur bestimmt das Bild einer Stadt – mit guter oder schlechter Wirkung. Der Gestaltungsbeirat beobachtet, begleitet und prägt Wesels architektonische Entwicklung. Hitliste: Die RP zeigt die besten Bauten der letzten Jahre.

Innenstadt: Erst scheußlicher Kisten-Entwurf, am Ende unaufdringliche Fassade mit Gesicht – der Gestaltungsbeirat verbucht das Berliner-Tor-Center als Erfolg. Foto: RPO
Innenstadt: Erst scheußlicher Kisten-Entwurf, am Ende unaufdringliche Fassade mit Gesicht – der Gestaltungsbeirat verbucht das Berliner-Tor-Center als Erfolg. Foto: RPO

Professor Dietmar Castro ist Architekt und Stadtplaner. Der Aachener leitet seit vier Jahren den Gestaltungsbeirat, der hinter verschlossenen Türen tagt und eingereichte Entwürfe beurteilt. Das intransparente Gremium startete ungeliebt, ist aber heute wichtige Instanz, die mehr als nur ein Wort bei Projekten mitredet. Wie kommt es zu seinen Urteilen, die etwa bei der Markthalle wichtiger Baustein bei Entscheidungen der Stadtentwicklung sind? Die RP ging mit Professor Castro hinaus in Wesels schöne neue Bau-Welt. Es gibt zwar weiterhin geschmackliche Ausreißer. Die Hitliste der guten Beispiele ist aber bemerkenswert, und sie setzt Maßstäbe im Wettbewerb ums bessere Bauen in Wesel:

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Sündenfälle

Architektur-Sündenfälle: Das Esplanade-Center, dessen Entwurf vor den Beirat mit dem Hinweis kam, dass sowieso nichts mehr zu ändern sei.

Beispiel einfallslose Reihenhäuser: Der Beirat weigerte sich, über einen Entwurf für den Quadenweg auch nur zu reden. Hier müsse ein anderer Gebäudetypus her.

Das Altenheim St. Lukas am Springendahl: „Sehr gelungen, eine eindeutige moderne Formensprache, ein ansprechendes Wohnumfeld“, sagt Castro. Alles in allem „schon erstklassig“ – die Farbgestaltung, die manche zu kühl finden, Materialwahl und Detaillösungen.

Das Berliner-Tor-Center: „Ein wichtiger Erfolg des Gestaltungsbeirats“, sagt Castro. Der erste Kasten-Entwurf war „wirklich scheußlich“. Nun habe das Center durch Material und Fassade ein „Gesicht bekommen, ohne sich nach vorne zu drängen“. Der Professor glaubt, dass „schnell Bewegung in die Frage kommt, die zweite Leeretage doch auszubauen“.

Die Reitzensteinkaserne: „Toll, dass dieser Standort so gut entwickelt wurde“, sagt Castro. Der Neubau für betreutes Wohnen passe, beim Ludgerus-Altenheim wirke aber der Übergang von Alt- zu Neubau gestalterisch „fremd“. Hier sei man nicht dem Beirat gefolgt. Auch das renovierte alte Kasernengebäude findet Beifall. „Etwas befremdlich“ seien die vorgesetzten Balkone. Castro: „Aber die Situation ist so, dass sich Wohnungen mit Balkonen oder Freiflächen besser vermarkten lassen.“

Der ASG-Betriebshof: „Gut gelungene Industrie-Architektur, kein Schuhkarton im Gewerbegebiet wie sonst oft“, rühmt Castro und Konstatiert ein „angenehmes Arbeitsumfeld und gleichzeitg funktionale Einheiten“. Für ASG sei das Betriebsgebäude eine „nachhaltige Visitenkarte“. Und weil gute Bauten Nachahmungseffekte in Sachen Bauqualität produzieren, verweist er gleich auf den Neubau von Pietsch Badeinrichtungen nebenan an der Siemens-Straße.

Die Zukunft: Überzeugt ist der Professor von der Markthalle am Bahnhof. Die werde funktionieren, habe aber wie manches Neue erst einmal einen schweren Stand in der Planungsdebatte. Der Gestaltungsbeirat hat ein positives Votum abgegeben, auch wenn die detaillierte Planung aussteht. „Wir werden die Entwurfsphasen prozesshaft begleiten“, formuliert der Akademiker. Soll heißen: Der Beirat will weiter Zeichen setzen und ein wichtiges Wort mitsprechen, auf das die Politik hört. Wesels Architekten achten drauf. Sie alle sind im Wettbewerb um das Gesicht der Stadt.

Quelle: RP

 
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