Niederrhein: Schwarzes Schaf für Super-Ossi
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 26.04.2010Niederrhein (RPO). Der in Stuttgart lebende Kabarettist Niels Heinrich gewann am Samstagabend den Kabarett-Wettbewerb "Das Schwarze Schaf" im Theater am Marientor. Alle Finalisten kamen aus den neuen Bundesländern.
Als Nils Heinrich beim Finale des sechsten Kabarett-Wettbewerbs "Das Schwarze Schaf" im gut gefüllten Theater am Marientor (TaM) auftrat, war allen schon klar: Hier spielt der künftige Sieger. Eine passende Pointe jagte die andere, treffsicher und glänzend formuliert. Zum Beispiel kommentierte er sein rotes Che-Guevara-T-Shirt mit den Worten: "Da ist Bob Marley drauf, der hat ja die Bionade erfunden." Und da alle sechs Teilnehmer der Finalrunde aus den neuen Bundesländern kamen, nannte er die ganze Veranstaltung "Deutschland sucht den Super-Ossi".
Prominent und kompetent
Seit 1999
Die Finalisten hatten sich in den Vorrunden in Wesel, Krefeld, Emmerich und Moers gegen zehn weitere Mitstreiter aus dem deutschsprachigen Raum durchgesetzt. Knapp 70 Kabarettisten hatten sich beworben. Hanns-Dieter Hüsch hatte den Wettbewerb 1999 ins Leben gerufen.
Die ebenso prominent wie kompetent besetzte Jury um Harald Schmidt war sich untereinander und mit dem Publikum – das erstmals beim "Schwarzen Schaf" eine Stimme hatte – einig, dass Nils Heinrich den von dem Duisburger Künstler Gerhard Losemann gestalteten und mit 6000 Euro dotierten ersten Preis erhalten sollte. Der Gewinner machte zunächst in Berlin Bekanntschaft mit der Lesebühnen-Szene, sammelte an offenen Mikrofonen erste Lorbeeren und gründete bald eine eigene Lesebühne, die "Brauseboys" im Wedding.
2005 erreichte Nils Heinrich den zweiten Platz beim "Hamburger Comedy Pokal", 2007 gewann er den "Swiss Comedy Award", 2009 war er für den Prix Pantheon nominiert. Momentan tourt er mit seinem Solo "Die Abgründe des Nils" durchs Land. Er lebt in Stuttgart.
Wie Harald Schmidt ("Ich könnte ja beruflich viel weiter sein, wenn ich nur nicht dieses verdammte Altruismus-Gen in mir hätte") berichtete, hatte die Jury sogar diskutiert, ob die beiden weiteren Preise überhaupt vergeben werden sollten. Joachim Zawischa bekam dann doch den zweiten Preis (4000 Euro), unter anderem für seinen Vorschlag, Politiker nach Sternzeichen zu wählen ("die Polen haben das ja mal mit Zwillingen versucht"). Und Michael Sens erhielt den dritten Preis (2000 Euro) ausdrücklich sogar nur, "weil er so gut Klavier spielen kann".
Komischer Rap
Da hielt man sich lieber an die übermütige Zugabe von Nils Heinrich: Das war ein irrsinnig komischer Rap, in dem er lautstark Respekt für Laktose-Intoleranz einforderte. Hanns-Dieter Hüsch, zusammen mit Martina Linn von der "Säule" der Erfinder dieses Wettbewerbs, hätte sich gefreut. Ein würdiges "Schwarzes Schaf".
"Ich habe noch nie vor einem so großen Publikum gespielt. Umso mehr freue ich mich über den ersten Platz. Die Schafsskulptur wird bei mir zu Hause einen Ehrenplatz erhalten", meinte Heinrich hinterher.
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