Wesel: Seit zehn Tagen vermisst: Wo ist Judith?
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 19.02.2009 - 07:32Wesel (RPO). Seit zehn Tagen ist Judith Spiller aus Wesel verschwunden. Von dem Mädchen fehlt bislang jede Spur. Nun appellieren die Eltern an ihre Tochter, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Die Polizei geht von keiner Straftat aus.
Ute und Carsten Spiller sind verzweifelt. "Wir sind einsam", sagt die 43-jährige Mutter und kämpft mit den Tränen. "Seit zehn Tagen leben wir bereits ohne unsere Tochter. Wir wollen, dass Judith nach Hause kommt." Am Montag vor einer Woche verschwand das 14 Jahre alte Mädchen aus dem niederrheinischen Wesel. Zuletzt gesehen wurde sie von Klassenkameraden im Andreas-Vesalius-Gymnasium.
"Judith ist wie jeden Morgen aus dem Haus gegangen", erinnert sich Mutter Ute. Etwas Auffälliges habe sie nicht bemerkt. "Sie hat keine zusätzliche Kleidung mitgenommen. Wir sind ratlos, wissen nicht, was sie angetrieben hat", sagt Vater Carsten Spiller. Einen Streit zwischen Eltern und Tochter habe es nicht gegeben. "Wir haben sogar noch gemeinsam ein Puzzle gelegt", berichtet Mutter Ute. Darauf zu sehen ist die Skyline von Sydney. "Judith hat überlegt ein Austauschjahr in Australien zu machen."
Hinweise an die Polizei
Beschreibung: Die vermisste Judith Spiller ist 14 Jahre alt, 1,65 Meter groß, 55 Kilogramm schwer, hat schulterlange dunkelblonde Haare. Sie trug zuletzt eine Jeanshose, eine dunkle Jacke und Sportschuhe (Chucks).
Hinweise bite an die Zentrale Kriminalitätsbekämpfung in Wesel unter der Rufnummer 0281 1070 oder per E-Mail an poststelle.wesel@polizei.nrw.de.
Hinter Familie Spiller liegen Tage voller Hoffen und Bangen. "Nach dem Unterricht kam Judith nicht nach Hause", sagt Mutter Ute. Sie griff sofort zum Telefon, wählte die Handynummer ihrer Tochter – vergeblich. Über eine Freundin erfuhr die Familie, dass sich das Mädchen bereits am Morgen von Klassenkameraden verabschiedet hatte.
"Sie müsse weg, soll Judith gesagt haben", berichtet Vater Carsten. Es beginnt eine großangelegte Suche. Polizei, Freunde, Firmen und Nachbarn unterstützen die Familie. "Es wurden Fahndungsplakate aufgehangen und Rund-E-Mails verschickt", sagt Ute Spiller. "Wir sind dankbar für die Hilfe. Das gibt uns Kraft und Mut." In Internetforen tauschen sich 12.000 Menschen über die Suche aus. Der Verein "Vermisste Kinder" zeigt Judiths Foto deutschlandweit in Bahnhöfen.
Dann ein erster Erfolg: Die Polizei Wesel findet Judiths Trekkingrad, abgeschlossen nahe der Lippe. 100 Beamte durchkämmen daraufhin Wälder, die an der Autobahn 3 liegen. Spürhunde und ein Polizeihubschrauber kommen zum Einsatz – ohne Erfolg. "60 Hinweise sind bei uns eingegangen", sagt Polizeisprecher Jürgen Müller. "Die meisten wollen Judith in Oberhausen gesehen haben."
Dort hat die Familie Anfang der 90er Jahre gelebt. "Einen Anhaltspunkt, wo sie einen Unterschlupf gefunden haben könnte, haben wir nicht", sagt der Vater. "Wir appellieren an unsere Tochter, dass sie uns ein Lebenszeichen geben soll. Sie braucht keine Angst haben. Wir lösen jedes Problem", verspricht Carsten Spiller. Und Mutter Ute ergänzt: "Wir würde gerne wieder mit ihr zusammen sein – besonders ihr kleiner Bruder Til." Gerade der Elfjährige vermisse Judith sehr.
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