Hamminkeln: Sonntags im Schloss
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 16.08.2010Hamminkeln (RPO). Den Geist der Jahrhunderte schnupperten gestern Nachmittag die Besucher im Schloss Ringenberg: Bei der Führung durch die altehrwürdigen Gemäuer ging's im Galopp durch die Historie des herrschaftlichen Anwesens. Auf sich warten ließ dabei allerdings das Schlossgespenst – vielleicht war es durch die frühe Stunde abgeschreckt. "Ich selber habe noch nicht die Bekanntschaft der weißen Frau von Schloss Ringenberg gemacht. Doch die alte Gräfin berichtete mir von ihren Begegnungen mit dem Geist", erzählt Christof Schmidt-Rotthauwe, Vorsitzender des Ringenberger Heimatvereins, schmunzelnd. "Und mancher Ringenberger schwört ja, das Gespenst bereits zu Gesicht bekommen zu haben. Vor allem in der Nacht nach dem Schützenfest häufen sich solche Erscheinungen."
Die Herren von Ringenberg
Dafür gab's im Rittersaal, dem mit 120 Quadratmetern größten und wohl auch imposantesten Raum im ganzen Gebäude, einen Rückblick auf die Ursprünge des Schlosses: Um 1223 erbaut, wurde es 1229 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Damals verlegten die Sueder von Dingden ihren Herrschaftssitz nach Ringenberg. Im Sumpfgebiet, mitten im Grenzland der drei Herrschaftsgebiete von Kleve, Köln und Münster, entstand zunächst ein Wehrturm, der immer weiter ausgebaut wurde. Die Dingdener wechselten mit ihrem Wohnort auch ihren Namen – und nannten sich "Herren von Ringenberg". Zur Entwässerung des sumpfigen Umlandes siedelten sie um 1330 vier niederländische Familien an und statteten diese mit zahlreichen Privilegien aus, über die sonst nur reichsfreie Städte verfügten.
Große Nachfrage
"Wir hatten mit zwanzig Besuchern gerechnet. Und dann haben sich sechzig angemeldet", erklärte Christof Schmidt-Rotthauwe; aufgrund der großen Nachfrage wurde die Gruppe in zwei Durchläufe geteilt. Aus Wesel und Bocholt, aber auch aus Hamminkeln und Ringenberg kamen die Besucher zur Schlossführung.
Die alte Anlage wurde 1623, während des 30-jährigen Krieges, komplett zerstört. 1661 übernahm die Familie von Spaen das preußische Lehen – und baute das Anwesen in seiner heutigen Form als Barockschloss wieder auf. Von diesem Herrschaftswechsel zeugt auch die Deckenvertäfelung in einem Nebenraum: Das Wappen derer von Spaen prangt hier neben einem Federvieh, das den preußischen Adler darstellen soll. "Die meisten erinnert es eher an einen Flattermann", erklärt Schmidt-Rotthauwe.
Bis 1975 war Schloss Ringenberg Amtssitz; erst mit der kommunalen Neuordnung musste es diesen Status an die Stadt Hamminkeln abgeben. Alleine das Standesamt beherbergen die historischen Gemäuerzurzeit noch. "Manche finden es so schön, dass sie hier zwei Mal heiraten", so der Vorsitzende des Heimatvereins.
Heute bietet das historische Gebäude unter anderem der Derik-Baegert-Gesellschaft ein Zuhause. Durch einen Blick in das Gastatelier im Obergeschoss konnten sich gestern die Besucher eine Vorstellung vom Leben der Künstler hier machen. Die karge Einrichtung ist auf das Wesentliche beschränkt; nur die an die Wand gepinnten Skizzen, die der letzte Gast zurückgelassen hat, verweisen auf die modernen Kunstwerke im Schloss.
Keine Leiche im Keller
Das Kellergewölbe wartete derweil keineswegs mit Leichen mittelalterlicher Gegner der Herren von Ringenberg auf die Gäste: Hier gab's mit den Überresten einer Küche und der originalen Ringenberger Sonnenuhr historische Zeitzeugen live zu bestaunen. Schließlich hat das Schloss schon eine bewegte Geschichte hinter sich.
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