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Wesel: Soziales Jahr statt Zivildienst

VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 20.02.2010

Wesel (RPO). Die geplante Verkürzung des Zivildienstes von neun auf sechs Monate hat Folgen für Wohlfahrtsverbände, Integrationsklassen und Förderschulen. Die Diakonie wirbt daher jetzt verstärkt fürs Freiwillige Soziale Jahr.

Zivi Fabian Gorris (Mitte) hilft in der integrativen Klasse der Evangelischen Böhlschule beim Lernen.  Foto: RPO
Zivi Fabian Gorris (Mitte) hilft in der integrativen Klasse der Evangelischen Böhlschule beim Lernen. Foto: RPO

"Schularbeit ist Beziehungsarbeit", weiß Heike Kohlhase, stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, und hat dabei die zwölf Zivildienstleistenden im Blick, die derzeit im Auftrag des Verbandes und der Stadt in den Integrationsklassen an Weseler Schulen arbeiten. "Ohne die Betreuung durch Zivis ist der gemeinsame Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher nicht möglich", bestätigt Uwe Kubbutat, der die Zivis im Namen der Diakonie betreut.

Eingesetzt werden die zwölf Ersatzdienstler in vier Grundschulen (Mühlenweg, Holzweg, Buttendick, evangelische Böhlschule), der Martini-Hauptschule, der Gesamtschule und in der Ellen-Key-Schule (Individuelle Schwerstbehinderten-Betreuung). Doch schon im kommenden Schuljahr wird es problematisch. Grund ist die für den 1. Januar 2011 von der Bundesregierung geplante Verkürzung der Zivi-Zeit von neun auf sechs Monate.

Info

Drei Stellen frei

Das Jugendamt der Stadt Wesel setzt zudem zwei Zivis im Jugendzentrum Karo (Haustechnischer Dienst, Kursbegleitung, Aufsicht) und einen beim "Mobilen Spielplatz" (Vertragsabschlüsse, Wartung der Spielgeräte, Transport) ein. Noch gibt es keine Bewerber: Tel. 0281 2032613 (Regina Brincks) oder 2032530 (Uwe Heinrich).

Keine Planungssicherheit

"Die Zivis, die wir für Ende August einstellen, haben schon die Möglichkeit ihre Dienstzeit zu reduzieren, weil sie über den Stichtag 1. Januar 2011 hinaus beschäftigt werden", erklärt Kubbutat. "Das bedeutet für uns: Wir können nicht kalkulieren, wissen nicht, wie wir die Betreuung in den Integrationsklassen gewährleisten sollen."

Hinzukommt, dass sechs Monate Zivi-Zeit nicht kompatibel mit einem Schuljahr sind. "Bei neun Monaten gibt's schon Probleme. Sollten es sechs werden, sind die Zivis rein rechnerisch nur vier Monate im Dienst", weiß Kubbutat. Abgezogen werden nämlich Urlaub und verpflichtende Lehrgänge. Die Lösung aus Sicht von Diakonie und Stadt: das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Es dauert in der Regel zwölf Monate. "Dies können junge Frauen und Männer zwischen 16 und 27 Jahren machen", so Kohlhase. "Sie werden, ebenso wie die Zivis, wichtige Erfahrungen im Beruf machen, erarbeiten sich soziale Kompetenzen und erhalten Orientierungshilfen für das weitere Leben." Dies sei vor allem für junge Menschen, die künftig das Turbo-Abi ablegen und auf einen Studienplatz warten müssen, eine Alternative.

Doch es gibt auch Tücken: die FSJ-Vergütung ist geringer als die des Zivildientes, die Mindestdauer beträgt sechs Monate (ein Monat Kündigungsfrist), und es gibt noch keine Bewerber für Herbst. "Alle zwölf Zivistellen werden wir nicht mit FSJ-Leuten besetzten können. Das ist utopisch", sagt Kubbutat. "Aber es würde uns ein wenig Planungssicherheit geben."

Kreis plant Treffen der Schulleiter

Der Kreis Wesel als Träger von vier Sonderschulen (18 Zivildienstleistende) sucht derzeit ebenfalls nach einer Lösung, sollte die Zivi-Zeit verkürzt werden. "Mitte März gibt es ein Treffen mit allen vier Schulleitern. Dort werden wir nach Möglichkeiten suchen", berichtet Wilfried Burggraf vom Fachbereich Schulen beim Kreis Wesel.

Kontakt Uwe Kubbutat unter Telefon 0281 15662 (außer mittwochs)

Quelle: RP

 
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