Wesel: Sparkasse wächst in der Krise
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 08.01.2009Wesel (RPO). „Hort der Stabilität“: Die Verbands-Sparkasse Wesel ist 2008 gut durch die Turbulenzen in der Finanzbranche gekommen und konnte ihr Geschäftsvolumen steigern. Bilanz zeigt deutliches Plus bei Krediten und Giro-Konten.
So stellt sich Ulrich Bussing (62) das vor: Ab Mai wird er als Rentner im Schaukelstuhl sitzen und den Enkeln von seinem letzten Geschäftsjahr als Vorstands-Vorsitzender der Verbands-Sparkasse Wesel erzählen. 2008 sei wegen der weltweiten Finanzkrise ein „Jahrhundertereignis“ gewesen, sagte Bussing gestern bei seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz nach 26 Jahren. Sein Fazit: „Wir sind gut rausgekommen und haben uns als Hort der Stabilität bewährt.“ Die Turbulenzen rund ums Geld hätten zu einer „Renaissance der Sparkasse“ geführt, betonte Bussing.
Das lasse sich an Zahlen ablesen. So sei das Geschäftsvolumen um 4,3 Prozent auf 1,565 Milliarden Euro gestiegen. Vorstand und Bussing-Nachfolger Friedrich-Wilhelm Häfemeier (45) ergänzte, die Kunden-Einlagen seien auf 930 Millionen Euro gestiegen, das entspreche einem „deutlichen Plus“ von 5,4 Prozent. Zwar sei das Betriebsergebnis wegen stark abnehmender Zinsmargen 2008 leicht gesunken, so Bussing, dennoch bleibe die Sparkasse Marktführer am Ort und auf einem Top-Platz in der Region.
Schlechte Aussichten
Düster sind laut Sparkasse die Prognosen der Branche für 2009: Gerechnet wird bundesweit mit einem Einbruch der Produktion und mehr Arbeitslosen. Auch die Zahl der Insolvenzen (geschäftlich/privat) dürfte steigen.
Ertrag leicht gesunken
Dank starker Eigenkapital-Quote sei das Haus gut durch 2008 gekommen und auch für 2009 gerüstet. „Die Zeiten bleiben schwierig“, sagte Bussing. Aber die Verbands-Sparkasse gehe das Jahr positiv an. Seine Losung: „Bangemachen gilt nicht. Wir krempeln die Ärmel auf.“
Häfemeier sagte, die vielzitierte „Kreditklemme“ habe es bei der Weseler Sparkasse nicht gegeben. Im Gegenteil sei dieser Geschäftszweig um zehn Prozent ausgeweitet worden. Auf über 200 Millionen Euro bezifferte Häfemeier das Volumen im Neugeschäft. Den Zuwachs bei den Einlagen erklärte er damit, dass es dem Kunden in diesen Zeiten nicht auf das letzte Zehntel beim Zins ankomme, sondern auf eine stabile Geldanlage. Die Zahl der Girokonten sei um 2000 auf 49 000 gestiegen. „Ein Boom“, so der künftige Sparkassen-Chef. Als Garanten für den Erfolg wertete er auch verlängerte Öffnungszeiten. So habe die Sparkasse als erstes Institut vor Ort die langen Dienstage und Donnerstage (bis 18 Uhr) eingeführt und sei samstags von 9 bis 12 Uhr für die Kunden da. Hinzu komme ein dichtes Filialnetz mit 21 Niederlassungen in Wesel, Hamminkeln und Schermbeck.
Als gut fürs Image wertet der Vorstand auch die Ausschüttungen an Vereine und Einrichtungen im Geschäftsgebiet, die sich 2008 auf über 610 000 Euro summiert hätten. Das seien trotz Finanzkrise 90 000 Euro mehr als 2007 gewesen.
Mittelstand ist Schwerpunkt
Mit Blick auf 2009 betonte das Vorstands-Duo, die Unterstützung des Mittelstandes, der 80 Prozent der Wirtschaft trage, bleibe ein Schwerpunkt. Immobilien und private Altersvorsorge seien weitere zentrale Geschäftsfelder. „Wir gehen unseren Weg der Stabilität und Zuverlässigkeit weiter“, versicherte Häfemeier. Ab Mai wird Ulrich Bussing die Entwicklung vom Schaukelstuhl aus verfolgen.
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