Wesel: Sprungbrett Ein-Euro-Job
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 29.03.2008Wesel (RPO). Wer von der Hartz-Arge zur befristeten Arbeit an die Stadt Wesel verwiesen wird, muss nicht unbedingt auf einem verlorenen Posten landen. In drei Jahren schafften fast 200 Ein-Euro-Jobber einen Aufstieg in Beruf und Schule.
Frühes Aufstehen ist nicht jedermanns Sache. Die Arbeitswelt verlangt nicht nur diese Tugend. Es wird auch erwartet, pünktlich an Ort und Stelle zu sein. Damit tun sich manche schwer, die nie oder lange nicht mehr gearbeitet haben. Einigen ist gewiss nicht zu helfen. Vielen aber eben doch. „Wir haben schon Wecker gekauft und Leihfahrräder ausgegeben“, beschreibt Detlef Heinz städtische Unterstützung bei Ausreden, dass man dieses oder jenes einfach nicht könne.
39 Hausbesuche
Der Teamleiter aus dem Weseler Sozialamt zieht ein positives Fazit für die so genannten öffentlichen Arbeitsgelegenheiten. Der Volksmund spricht von Ein-Euro-Jobs. Sie bedeuten für Empfänger der Hartz-Leistungen nicht unbedingt, dass sie auf verlorenem Posten stehen. Allein im vergangenen Jahr, so steht’s im Bericht für den Sozialausschuss, schafften 69 Teilnehmer des Programms den Sprung in einen Beruf, in Lehre oder Studium.
Sozialausschuss
Der Bericht über die „öffentlichen Arbeitsgelegenheiten“ (Ein-Euro-Jobs) liegt am Donnerstag, 3. April, dem Sozialausschuss vor.
Er befasst sich ab 16 Uhr zudem mit dem Thema Sozialpädagogische Familienhilfe und hört eine Bericht über das Mehrgenerationenhaus des Sozialdienstes Katholischer Frauen.
Seit dem Start der meist auf sechs Monate befristeten Ein-Euro-Jobs ist das in drei Jahren insgesamt 196 Menschen in Wesel gelungen. Eine Zahl, auf die Heinz und seine Kollegen stolz sind. Dazu zählen drei Anleiter, drei Administratoren. Und eine Sozialarbeiterin: Vera Klessa. Sie ist es, die im Ernstfall die Unterstützung auch per Hausbesuch wahr macht. 39 mal klingelte sie 2007 bei Ein-Euro-Jobbern an der Tür, führte unter anderem auch 335 Einzelgespräche. Detlef Heinz schreibt der besonderen Betreuung durch sein Team „maßgeblichen Anteil am Erfolg“ zu.
Und er verweist auf eine Sonderstellung Wesels. So kam die Stadt im Streichkonzert gut weg. Eben weil sie etliche Kümmerer für die Ein-Euro-Jobber aufbietet, für Qualifizierung sorgt, Fahrzeuge, Werkstatt und vieles mehr unterhält, hat ihr die Hartz-Arge 2008 wieder 189 Stellen (2007: 203) bewilligt. Noch kann Wesel laut Heinz auch die Kürzung der Pauschale verkraften. Statt 300 gibt’s nun 200 Euro pro Teilnehmer im Monat als „Betriebskosten“ für die Stadt dazu. Was in Zukunft passiert, ist so unsicher, wie das Schicksal der Argen bundesweit.
„Entschieden wird jedes Jahr neu zwischen Weihnachten und Silvester. Wir hoffen, dass die Ein-Euro-Jobs erhalten bleiben“, sagt Heinz. Bedarf bleibt. 740 Leute hatten 2007 bei der Stadt vorgesprochen. 566 kamen ins Programm und somit ins Netz vielfältiger Träger. Neben der Stadt selbst, zählen ASG und Kliniken, aber auch Seniorenheime und Kindergärten zu den Partnern. Da sind durchaus anspruchsvolle Jobs dabei, die Perspektiven bieten. Auch einfache Tätigkeiten wie diePflege öffentlicher Anlagen können Spaß machen. Heinz: „Es gibt Leute, die sind stolz auf ihre Arbeit in ihrem Bezirk.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




