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Wesel: Statt Urlaub Hilfe in Afrika

VON ISABELL HÜLSER - zuletzt aktualisiert: 06.07.2010

Wesel (RPO). Hans-Martin Mittag, Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Evangelischen Krankenhaus in Wesel,

war im "medizinischen Hilfseinsatz" in Kamerun. Gestern erzählte er von seinen Erlebnissen.
Im Krankenhaus der Stadt Meskine – hier der Innenhof – müssen Familien der Patienten für alle nötigen Materialien selbst sorgen und bezahlen, bevor der Angehörige behandelt wird. Nur in Härtefällen gibt's eine Ausnahme.  Foto: RPO
Im Krankenhaus der Stadt Meskine – hier der Innenhof – müssen Familien der Patienten für alle nötigen Materialien selbst sorgen und bezahlen, bevor der Angehörige behandelt wird. Nur in Härtefällen gibt's eine Ausnahme. Foto: RPO

Große Patientensäle mit 22 Betten, pro belegtes Bett rund fünf Angehörige, die den Patienten mit Essen versorgen oder ihm beim Waschen helfen. Wenn abends das Licht ausgeht, schläft die mitgereiste Familie auf dem Boden um das jeweilige Patientenbett. Das alles sind Bilder und Eindrücke aus Kamerun, die Hans-Martin Mittag (47), Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Evangelischen Krankenhaus in Wesel, sein Leben lang nicht mehr vergessen wird.

Standards nicht zu vergleichen

Im Januar war er in das mittelafrikanische Land gereist um dort seinen Freund Carsten Kretzschmar, der früher als Assistenzarzt am Evangelischen Krankenhaus gearbeitet hat, zu unterstützen. Zwei Wochen seines Jahresurlaubs hat Mittag dafür geopfert, auch die Kosten für den Flug und alles andere hat er selbst getragen. "Es war für mich ein richtiges Abenteuer", sagte er rückblickend. "Ich hatte Glück, dass ich für die zwei Wochen bei Familie Kretzschmar leben konnte. Sonst wäre es schon sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Die hygienischen Standards und Lebensbedingungen sind mit den europäischen nicht zu vergleichen", sagt der Mediziner. Denn selbst in der großen Stadt Meskine wohnen die meisten Menschen in Lehmhütten. "Fließendes Wasser ist Luxus", sagte der 47-Jährige. Und das bei Wintertemperaturen von 32 Grad.

Info

Dank für Spenden

Durch ein überwältigendes Spendeaufkommen von 8000 Euro konnte ein Elektromotor für die Klinik in Meskine angeschafft werden, der gerade bei Operation die Arbeit für die Chirurgen wesentlich erleichtert und verbessert.

Auch das Missionskrankenhaus, in dem er für zwei Wochen zusammen mit seinem Kollegen die Bevölkerung, die oft viele Kilometer weit reist, um sich hier behandeln zu lassen, versorgt, ist mit den hiesigen Standards nicht zu vergleichen. Körperpflege und Ernährung müssen von den Angehörigen übernommen werden. Vor jeder Behandlung wird ein Kostenvoranschlag erstellt, der Patient muss alle nötigen Materialen selbst besorgen und bezahlen, bevor er behandelt wird. Nur für besondere Härtefälle gibt es Ausnahmen. "Hinzu kommt, dass die Behandlungen in vielen Fällen dadurch erschwert werden, dass die Verletzungen oft monatelang verschleppt werden, bis sich Infektionen bilden. Die Leidensfähigkeit ist dort ganz enorm", erklärt der Mediziner. Ein weiterer Grund: die beiden Gesundheitssysteme. "Viele treten der Schulmedizin mit Skepsis entgegen und gehen erst zum traditionellen Heiler. Umso dankbarer sind sie für unsere Hilfe, wenn sie sich einmal dazu durchgerungen haben", sagt Mittag. Zu manch einem Patienten hat man auch über die Behandlung hinaus noch Kontakt. Wie im Falle eines Fotografen, dessen über Monate verschleppten Oberschenkelbruch die beiden Deutschen – ohne Röntgendurchleuchtung – mit einem Marknagel behoben haben – eine absolute Premiere. "Man weiß jetzt viele Dinge mehr zu schätzen", sagt der Mediziner, der 2011 wieder zwei Urlaubswochen in Kamerun verbringen will. Carsten Kretzschmar, der gerade die deutsche Heimat besucht, wird bis 2012 mit seiner Familie in Kamerun bleiben.

Foto
Hans-Martin Mittag will auch im nächsten Jahr in Kamerun helfen. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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