Wesel: Sternengucker im Waldhotel
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 17.04.2009Wesel (RPO). Roland Geratz ist Hotelprüfer. Im Auftrag der Dehoga nahm er am Donnerstag die Suiten im Tannenhäuschen unter die Lupe. Sein Urteil: Die viereinhalb Sterne sind gerechtfertigt. Nur Kleiderhaken fehlen.
Dem geschulten Auge von Roland Geratz entgeht nichts. Zielsicher öffnet er die Türen des hölzernen Kleiderschranks in der Ida-Noddack-Suite im Waldhotel Tannenhäuschen. "Kleiderbügel gibt es genug. Das ist sehr gut", lautet sein Urteil. Seit drei Jahren ist der Nettetaler im Auftrag des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) am Niederrhein unterwegs.
Einmal im Jahr schwärmen er und seine Prüferkollegen des Existenzgründervereins "Alt hilft Jung" aus, um ehrenamtlich bei der Sternevergabe mitzuhelfen.
Hauptsache sauber
"Meine Aufgabe ist es, zu prüfen, ob sich das Hotel richtig eingeschätzt hat oder nicht", sagt Roland Geratz. Erst nach seinem Urteil gibt es die heißbegehrten Sterne von der Dehoga. Als Vorsitzender einer Firma für Schwimmbadtechnik hat Roland Geratz während seiner Berufszeit zahlreiche Hotels im In- und Ausland gesehen. "Man muss sich dort wohlfühlen können – wie zu Hause. Ein Hotel muss behaglich und vor allem sauber sein."
Das System
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband bietet seit 1996 ein bundesweit einheitliches Klassifizierungssystem an.
Jeder Betrieb kann selbst entscheiden, ob er sich am Verfahren beteiligen möchte. Die Klassifizierung erfolgt auf freiwilliger Basis.
Mitmachen können alle Beherbergungsbetriebe mit mehr als acht Betten, auch Gasthöfe und Pensionen.
Klassifizierte Hotels erhalten ein Messingschild, das die Anzahl der verliehenen Sterne zeigt.
So schaut der so genannte Wirtschaftssenior im Tannenhäuschen genau hin. Stets an seiner Seite: Hoteldirektor Oliver Scholten und Besitzerin Christiane Hetzel. "Angst vor der Prüfung haben wir nicht", sagt die Eigentümerin. "Seit Jahren machen wir uns über jedes Detail in den Zimmern Gedanken und fragen unsere Gäste regelmäßig nach ihren Wünschen." Der Lohn: vier Sterne Superior. Der Zusatz "Superior" (ein halber Stern) wird nur an Hotels verliehen, die die erforderliche Punktzahl der Sterne-Klassifizierung deutlich überschreiten.
"Das Tannenhäuschen erreicht 603 von 380 benötigten Punkten", erklärt Prüfer Geratz anerkennend. "Die Sterne sind gerechtfertigt." Mit einem Fragebogen und einer dicken Mappe mit Zusatzinformationen ausgestattet begutachtet der Nettetaler die Ausstattung der Zimmer, deren Hygienezustand, Restaurant, Foyer und den Wellnessbereich.
Insgesamt 279 Kriterien müssen überprüft werden. "Ist das eine Federkernmatratze?", fragt Geratz Hoteldirektor Scholten und hebt die Decke des Doppelbettes in der Ida-Noddack-Suite hoch. Der Prüfer will es nun genau wissen. "Wie lang ist das Bett? Wie oft werden die Matratzen gereinigt?" Dann fällt Geratz Blick erneut auf den Kleiderschrank: "Wo hänge ich meinen Anorak auf? Kleiderhaken sehe ich nicht." Laut Klassifizierungskriterien ein Muss. Doch: "Eine Sache darf fehlen", sagt der Prüfer. "Daran wird's wohl nicht scheitern."
Den Standard halten will Besitzerin Hetzel durch den bereits erfolgten Hotelneubau und Renovierungen. "Bis 2010 werden 50 Zimmer saniert." Mit der Auslastung ist sie trotz Wirtschaftskrise zufrieden. "Die spüren wir bislang nicht. Die Gäste sind uns treu geblieben."
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