Wesel: "Steuerbescheid mit Wartezeit"
zuletzt aktualisiert: 07.07.2010Wesel (RPO). Interview Hermann Gödden (Finanzamt) zu Engpässen
Immer mehr Firmen suchen immer früher nach qualifiziertem Nachwuchs. Im Rennen um die knapper werdenden guten Köpfe macht das Finanzamt Wesel keine Ausnahme. RP-Redakteur Fritz Schubert sprach mit Hermann Gödden (60), seit 2004 Vorsteher der Behörde, über Werbung, Personalengpässe und aktuelle Bearbeitungszeiten bei den Steuererklärungen.
Wie kam Ihr Tag der offenen Tür für Schüler der Klasse 12 in der vergangenen Woche an ?
Gödden Gut. Es kamen 17 Interessenten von verschiedenen Weseler Schulen. Das Echo war so, dass wir mit acht Bewerbungen rechnen dürfen. Auf dem nächsten Ausbildungsmarkt werden wir auch wieder mit einem Stand vertreten sein. So bekommen wir im Durchschnitt mehr als 30 Bewerber, wovon wir in der Regel drei bis fünf bei uns in Wesel nehmen können.
Wie ist denn die personelle Ausstattung ihrer Behörde ?
Gödden Im Augenblick nicht ganz angenehm. Wegen Schwangerschaften, Krankheiten und Abgängen sind vier bis fünf Leute zu ersetzen. Teils durch Vertretungen, was Zusatzarbeit für andere Kräfte bedeutet.
Wirkt sich das schon auf die Bearbeitungszeiten der Steuerklärungen für 2009 aus ?
Gödden Ja. Es kann bis zu zwei Wochen länger dauern als gewöhnlich, im Einzelfall auch drei bis vier Wochen. Wir haben zurzeit eine Bearbeitungsdauer von 44 Tagen ab Eingang der Erklärung. Dabei muss man berücksichtigen, dass die reine Bearbeitung 30 Tage dauert und der Weg vom Rechner bis zum Versand 14 Tage.
Liegt es allein am personellen Engpass ? Mit Elster, der elektronischen steuererklärung, und mit der neuen Abgelstungssteuer sollte doch vieles einfacher werden.
Gödden Über Elster werden rund 24 Prozent der Steuererklärungen jetzt online abgewickelt. Damit sind wir nicht unzufrieden, aber es ist nicht die Masse, die wir uns davon erhofft haben. Bei der Abgeltungssteuer haben sich andere Schwierigkeiten ergeben, die nun für uns Mehrarbeit bedeuten und mit zwei bis drei Tagen längerer Bearbeitungszeit zu Buche schlagen.
Welche Schwierigkeiten sind das ?
Gödden Bei der Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf Einkommen aus Kapitalanlagen kommen noch der Soldaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer hinzu. Aber nicht alle Steuerpflichtigen haben ihren Banken die Religionszugehörigkeit gemeldet. Vielleicht auch, weil sie meinen, dass dies die Banken nichts angeht. Oder sie haben Anschreiben der Bank in der Sache einfach nicht beachtet. Da ist 2009 ein großer Teil untergegangen, den wir jetzt im Amt bei der Veranlagung nachholen müssen. Der erhoffte Vereinfachungseffekt ist also noch nicht da.
Wie viele Steuerpflichtige werden in ihrer Behörde geführt ?
Gödden Rund 37 000.
Was raten Sie Menschen, die jetzt auf den Steuerbescheid warten ?
Gödden Etwas Geduld muss sein. Etwa zweieinhalb Monate sollten die Leute warten, bevor sie beim Finanzamt nachfragen. Jede unnötige Unterbrechung, etwa durch Anrufe, verlängert nur die Bearbeitungszeit.
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