Wesel: Streit um Risiko-Geschäfte
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 31.05.2008Wesel (RPO). Spix-Vorstand erklärt internen Machtkampf für beendet und stellt kommissarische Geschäftsführer vor. Harsche Kritik an „Putschversuch“ um die gekündigten Ex-Geschäftsführer Thomas Pirsig und Herbert Lenninger.
/ xanten Spix demonstriert Kontinuität und will sein beschädigtes Image wieder aufpolieren. Vorsitzender Dr. Jo Becker und Stellvertreter Peter Wiechers, mit „Putsch“ vom 7. Mai abgewählt und durch erneute Wahlen vom Mittwoch wieder im Amt (RP berichtete), stellten gestern die kommissarische Geschäftsführung vor. Michaela Jöhren-Bauer (40) aus Wesel und Ralf Hahn (41) aus Alpen werden für eine Übergangszeit die Aufgaben der Sozialpsychiatrischen Initiative Xanten managen.
Jöhren-Bauer ist Leiterin des Sozialpsychiatrischen Zentrums und 14 Jahre dabei, seit sechs Jahren ist Werkstattleiter Hahn bei Spix – u. a. in Wesel an der Bocholter Straße. Beide erklärten, sie täten es nicht für sich, sondern für die rund 100 Mitarbeiter. Die hätten sich im Loyalitätskonflikt befunden. Laut Becker wird die Geschäftsführerstelle nun ausgeschrieben.
Von Cap-Markt bis Fischteich
„Der Machtkampf ist beendet“, erklärte der Vorsitzende. Der Streit mit den unterdessen gekündigten Geschäftsführern Thomas Pirsig und Herbert Lenninger sei nicht neu. Bereits seit Mai 2006 sei man unterschiedlicher Meinung gewesen. Wie Pirsig / Lenninger bereits in einem RP-Gespräch bestätigt hatten, wollten sie Aufgaben des Vereins beziehungsweise neue Projekte in gemeinnützige GmbHs auslagern. Laut Dr. Becker seien diese Geschäfte dem Vorstand zu riskant gewesen. Als Beispiele nannte er die unlängst für Wesels Apollo-Passage diskutierte Idee eines Cap-Marktes mit behindertem Personal, ein medizinisches Versorgungszentrum und einen Fischteich. Laut Becker sollten Personalkosten durch Löhne unter dem Spix-üblichen Niveau gering gehalten und Insolvenzrisiken durch die GmbH-Form abgemildert werden.
Dies habe der Vorstand abgelehnt. Man haben keine Mitarbeiter erster und zweiter Klasse haben wollen, sagte Becker. Für die Führung eines Cap-Marktes hätte man einen Einzelhandelsprofi einkaufen müssen. Vize Peter Wiechers wies Vorwürfe zurück, bei der Versammlung am Mittwoch sei es undemokratisch zugegangen. Becker verwies auf Rechtsfehler bei der ersten, der „Putsch“-Versammlung. Auf der hätten von den Ex-Chefs neu geworbene Mitglieder mitgestimmt, die auch finanzielle Interessen verfolgten. Becker nennt einen Arzt und eine Psychologin (beides Honorarkräfte), die persönliche Supervisorin der Geschäftsführung, einen Unternehmensberater und den Architekten des Vereins. Anfechtungen der neuen Wahl sieht der Vorstand gelassen entgegen.
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