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Wesel: Sühne, Sekte und Stasi

zuletzt aktualisiert: 24.09.2010

Wesel (RPO). Aktueller Niederrhein-Krimi da: "Die Eule". Der fünfte Roman des erfolgreichen Weseler-Xantener Duos Thomas Hesse & Renate Wirth ist erschienen. Sie gehen neue Wege: Er spielt in der Region und in Erfurt.

Info

Kriminalromane

Thomas Hesse, Germanist und Kommunikationswissenschaftler, ist RP-Redaktionsleiter in Wesel, hat 1997/98 die ersten Wesel-Krimis "Der Esel" und "Der Rabe" mitgeschrieben sowie regionale Buchbeiträge veröffentlicht. Bisher hat er neun Kriminalromane bei Emons herausgebracht.

Renate Wirth lebt in Xanten, arbeitet als Gestalttherapeutin und Heilpädagogin im therapeutischen Bereich.

Thomas Hesse; Renate Wirth: Die Eule. Niederrhein Krimi. Taschenbuch. Köln: Emons Verlag 2010. 256 Seiten.

ISBN 978-3-89705-769-2. 9,90 Euro.

Ein Lkw-Fahrer rast in eine Pilgergruppe. Was nach einem tödlichen Unfall aussieht, entwickelt sich zu einem aufsehenerregenden Mordfall. Und was wie die Folgen eines Machtkampfs innerhalb einer Sekte wirkt, hat seinen Ursprung 30 Jahre zuvor in deutsch-deutscher Geschichte und führt Kommissarin Karin Krafft, unterstützt von der klugen "Eule", aus dem tiefen Westen geradewegs ins thüringische Erfurt. Dort verriet einst die Tochter ihren größten Feind an die Stasi – es war ihr eigener Vater. Raffinierte Rache, Verrat am Verräter oder späte Sühne – am Niederrhein zwischen Wesel und Kleve, Kevelaer und Moers, Dinslaken und Hamminkeln findet sich die Lösung eines ebenso bewegenden wie bemerkenswerten Falls.

Verrat am Verräter

"Die Eule" ist der neue Kriminalroman von Thomas Hesse und Renate Wirth, die nach den Erfolgen mit "Die Elster", "Die Wölfin", "Das Dorf" und "Die Füchse" ihr fünftes gemeinsames Buch vorlegen. Dieses Mal dreht sich alles um einen deutsch-deutschen Fall. Das Thema passt in die Zeit, da die Wiedervereinigung mit all ihren Folgen zwei Jahrzehnte alt wird. Spätestens seit dem Erfolgsfilm "Das Leben der Anderen" mit einem brillanten Ulrich Mühe hat auch der Westler ein Bild vom Stasi-Dasein.

"Die Eule" basiert auf einer wahren Geschichte. Auch 20 Jahre nach der Wende reicht der lange Arm der Stasi bis an den Niederrhein. Ein Komplott, das in Duisburg beginnt, in Erfurt spannenden Schub bekommt und sich zum niederrheinischen Finale steigert. Die Verwicklungen setzen sich in bester Thriller-Manier erst am Ende komplett zu einer Geschichte zusammen. Besonders eindringlich ist die Darstellung der Figuren gelungen, ihre jeweilige Farbe, ihre eigene (Sprach-)Melodie, ihr Witz. Gut, dass kluger Humor und Herz dabei sein dürfen.

Authentisch erzählen

Hesse/Wirth sind ihrem Prinzip treu geblieben, die Handlung nach Region schmecken zu lassen. "Das betrifft West wie Ost. Die Figuren leben, handeln und reden in ihrer jeweiligen Heimatregion. So lässt sich der fiktiv weiter gesponnene Kriminalfall authentisch erzählen", sagen die Autoren. Sie haben bewusst die Grenzen des regionalen Genres erweitert, lassen ihre Geschichte vom Westen nahe der niederländischen Grenze bis ins östliche Thüringen reichen. "Inhaltlich wird so der Spielraum größer, die Handlungsbögen lassen sich weit entwickeln. Und wir selbst wollten vorankommen und schreiberisches Neuland betreten. Dieser Roman ist anspruchsvoll, er hat uns gefordert", sagen Hesse und Wirth. Ihr Standbein bleibe der Niederrhein, wo sie bekannt sind, das Spielbein bewege sich in und um Erfurt.

In Thüringen recherchiert

In Thüringen hat Hesse bei vielen Besuchen und dank privater Kontakte recherchiert. Nicht alles hat er weiterverarbeitet. Mit dem allgegenwärtigen erfurterischen "No", das für "Ja" steht, wollte der Autor seinen niederrheinischen Leser nicht verwirren. Das hat er Tommy Jaud in "Hummeldumm" überlassen. Aber: Dieser spannende Roman ist gesamtdeutsch lesbar. Die Autoren zeigen, wie die West-Ost-Idee im Regionalkrimi funktionieren kann.

Quelle: RP

 
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