Niederrhein: Supergüterzug getestet
VON SEBASTIAN LATZEL UND BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 06.12.2008Niederrhein (RPO). Wie die Betuwe noch besser ausgelastet werden soll, zeigte ein erster Test der Bahn. Ein 1000-Meter-Güterzug rauschte von Oberhausen Richtung Rotterdam. Verantwortliche sind sehr zufrieden. Bahnsprecher: „Das dauert“.
Es war eine Premiere mit Giga-Linern auf der Schiene. Die Bahn hat am Wochenende erstmals einen 1000 Meter langen Güterzug getestet. Eingesetzt wurde der gigantische Zug ausgerechnet auf der Betuwe-Route zwischen Oberhausen und Rotterdam.
Die Ergebnisse des Tests scheinen für die Verantwortlichen durchaus vielversprechend zu sein. „Längere Güterzüge stärken nicht nur die Produktivität auf der Schiene, sie schaffen auch Platz für zusätzliche Züge. Dieser Wettbewerbsvorteil wird helfen, den prognostizierten Anstieg bei den Transportleistungen zu bewältigen und mehr Verkehr auf die umweltfreundliche Schiene zu bringen“, wird Christian Kuhn von der Railon Deutschland AG im Logistik-Portal verkehrsrundschau.de zitiert.
GZ 1000
Das Riesenzug-Projekt trägt den Namen „GZ 1000“ und wird vomBundeswirtschaftsministerium gefördert.
Interesse des Bundes ist dabei, die Kapazitäten auf den Bahnstrecken durch Giga-Liner deutlich zu erhöhen, gerade auch um Engpässe beim Anbinden der Seehäfen zu verhindern.
Widersprüchliche Aussagen
Andererseits haben die Planer für den Ausbau der Strecke in dieser Woche im Regionalrat erläutert, dass sie den Auftrag hätten, die Strecke für die bislang üblichen 600-Meter-Gespanne auszurichten, berichtete SPD-Regionalrätin Gunhild Sartingen (Hamminkeln). „Und danach würden sie auch handeln hat Chef-Planer Ventzke auf meine Nachfrage hin unmissverständlich erklärt“, so die Genossin. Um den Super-Güterzug auf die Strecke zu bringen, müsste umfangreich umgebaut werden.
Bahnsprecher Gerd Felser wiederum sagt, dass schon heute Kolonnen von 750 Metern Länge rollen, stellt aber fest: „Es hat sich hier um einen einmaligen Test gehandelt. Bis regelmäßig 1000-Meter-Güterzüge über die Betuwe fahren, werden noch Jahre vergehen.“ Er geht auch davon aus, dass bis dahin der Ausbau und der Umbau der Bahnübergänge über die Bühne ist.
Denn klar ist auch: Kommen die 1000-Meter-Züge, wird es noch länger dauern, bis sich die Schranken wieder öffnen. Kritiker meinen bereits voller Sarkasmus, dann könnte die Bahn die Schranken komplett abbauen, weil man die Gleise ohnehin nicht mehr überqueren könne.
Die Riesenzüge werden nicht nur auf deutscher Seite positiv gesehen. Auch Sjoerd Sjoerdsma vom niederländischen Betuwe-Betreiber Keyrail meinte nach dem Testlauf. „Das war für uns sehr aufschlussreich. Denn wir müssen Lösungen für die Zeit im Auge haben, wenn der Rotterdamer Hafen 2020 fertig ist.“ Mit den großen Zügen könne die Strecke noch effizienter genutzt werden, so Sjoerdsma.
Auch Dr. Bruno Ketteler, Sprecher der Betuwe AG, beobachtet die Entwicklung ganz genau. „Auch wenn die Riesenzüge jetzt noch nicht eingesetzt werden, zeigt der Test eindeutig, wohin die Reise geht: möglichst viel Kapazität auf die Strecke zu bringen.“
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