Wesel: Tatort Amtsgericht
VON MICHAELA BASTIAN - zuletzt aktualisiert: 13.09.2007Wesel (RPO). Keiner festgenommen und verurteilt, aber „verhaftet“ für spannenden Lesestoff: „Wesel liest“ mit
Gerichts-Direktorin Nabbefeld-Kaiser und Polizei-Chef Ickert. Aktion mit 902 Zuhörern an zwei Tagen erfolgreich.Die Verhandlung in Sachen „Unlust des Lesens“ begann am Dienstagabend pünktlich um 19 Uhr im Saal 201 des Amtsgerichts. Geführt wurde der Prozess von Wolfgang Berg, Leiter der Stadtbücherei Wesel, Herbert Ickert, Polizeioberrat, sowie von Richterin Renate Nabbefeld-Kaiser. Natürlich war auch in diesem Ambiente das diesjährige Thema „Hanse“ der Aktion „Wesel liest“ vertreten.
Historisches zur Hanse
Passend zum Ort lasen Ickert und Nabbefeld-Kaiser aus historischen Kriminalromanen, die zur Zeit der Hanse spielen. Ickert läutete den Abend mit einem Auszug aus dem Roman „Das geraubte Siegel“ von Carsten Frerk ein. Die Hauptperson, Albrecht Moellendorff, Ratsherr von Hamburg, ermittelt im Jahre 1622. Nachts wird Moellendorff durch lautes Poltern an der Tür geweckt. Ein toter Mann sei aufgefunden worden, der unmöglich eines natürlichen Todes gestorben sein könnte. Moellendorff kennt den Toten: Ein geheimer Gesandter des Schwedischen Königs, der nicht nur einen Handelsvertrag, sondern auch das schwedische Staatssiegel bei sich getragen hatte. Diese beiden Dinge sind nun jedoch verschwunden – eine Katastrophe.
Auch Nabbefeld-Kaiser liest aus einem Hansekrimi: „Männersache“ von Waldtraut Lewin und Miriam Margraf. Dort bangt Gesine um ihren Mann Alemann. Er wird beschuldigt am Mordkomplott gegen einen Bischof beteiligt gewesen zu sein. Gesine bleibt nur ein einziger Hoffnungsschimmer: Ein alter Freund und Handelspartner, Philipp Gervinus übernimmt die Rolle des Anwalts. Doch der hat nicht nur die Rettung ihres Mannes im Sinn, sondern ist auch von Gesine sehr angetan . . . Als „spannend und kurzweilig“ sowie „sehr interessant“ empfiehlt Nabbefeld-Kaiser den Zuhörern das Buch weiter.
Sie und Lesekollege Ickert sind mit ihrer Auswahl zufrieden. „Die Bücher haben einen sehr engen Bezug zur Veranstaltung, sie passen prima in einen Gerichtssaal.“ Und auch die Zuhörer sind angetan. In solchen Räumlichkeiten sei die Veranstaltung eine tolle Sache, finden Silvia Bildstein und Ina Tsoukalas. „Die Auswahl passt!“ Ein wenig enttäuscht war Bildstein jedoch von der Lesung am Montag im Preußen-Museum. Es kamen nur drei Zuhörer. Eine Ausnahme, so Berg: „Zum dritten Mal ist die Veranstaltung erfolgreicher denn je. Zusammen mit der heutigen Lesung konnten wir 902 Zuhörer in zwei Tagen verzeichnen.“
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