Wesel: Telekom: Frust und viele Fragen
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008Wesel (RPO). Der Schliessungs-Schock Callcenter-Mitarbeiter als Letzte vom Aus informiert – Enttäuschung und Empörung über wenig konkrete Antworten des Bonner Personalchefs in der Weseler Niederrheinhalle
Wesel unter den Ersten
Als eines der ersten der bundesweit 39 (von 63) Servicecentern soll das Weseler geschlossen werden. Die Rede war gestern von Mitte 2009.
Betroffen sind an der Philipp-Reis-Straße exakt 186 Kräfte.
Der Frauenanteil liegt bei gut 60 Prozent. Etwa 30 Prozent der Belegschaft arbeitet in Teilzeit.
Die Mitarbeiter des Weseler Telekom-Callcenters staunten gestern Morgen nicht schlecht. Shuttle-Busse standen an der Philipp-Reis-Straße bereit, um sie zur Niederrheinhalle zu fahren. Busse und Halle waren seit Tagen vom Konzern geordert. Dass alles von langer Hand vorbereitet war und die Betroffenen selbst als Letzte von der Schließung des Standortes erfuhren, nährte nur den Unmut. Viele machten ihrem Frust vor und nach der gut zweistündigen Mitarbeiterinformation in der hermetisch abgeriegelten Halle Luft. Denn auf ihre Fragen gab es für etwa 150 Leute nur wenig konkrete Antworten.
Auszubildende verunsichert
Beispiel Melanie Bliefering, die sich ihren 20. Geburtstag gestern ganz anders vorgestellt hatte. Die junge Frau aus Duisburg-Rumeln und ihre Mit-Auszubildenden Jennifer Heckes (22, Neukirchen-Vluyn) und Petra Lynen von Berg (21, Issum) waren vollkommen verunsichert. Seit 27 Jahren dabei und als Beamter auf der sicheren Seite ist Frank Küsters (45) aus Issum. Doch gesteht auch er, dass es „viele Fragezeichen“ gibt.
Teilzeitkräfte, die besonders unter dem Standortwechsel nach Düsseldorf leiden, haben versucht, selbst Antworten zu finden. Eine Allenerziehende aus Alpen sagte, sie habe am Donnerstag schon mal die Anfahrt für ihre realen Arbeitszeiten ausprobiert. Fazit: 20 Minuten nach Wesel, eine Stunde und 44 Minuten nach Düsseldorf. Eine Forderung nach mehr Flexibilität klingt für sie wie Hohn, gebe es auf dem Land eine Über-Mittag-Betreuung doch gerade mal bis 13.30 Uhr. Chemieriese Altana in Wesel sei ein familienfreundlicher Arbeitgeber, aber nicht die Deutsche Telekom.
Vor den Toren der Halle berichteten Mitarbeiter wiederholt von einer „heftigen, guten Diskussion“, aber eben auch von wenig Aufklärung. Wie etwa sollen Leute aus dem Spätdienst nach 22 Uhr von Düsseldorf aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln Rees oder Emmerich erreichen ? Betriebsrätin Rosemarie Krauß, mit dem Krefelder 100-Leute-Tross ebenfalls zum Umzug an die Hansaallee 299 in Düsseldorf gezwungen, bricht auch eine Lanze für ältere Kollegen, die 16 Umstrukturierungen allein in den letzten Jahren mitgemacht haben: „Unzumutbar.“ Und Giovanni Suriano von der Verdi-Betriebsgruppe Wesel schildert die Odyssee einer Kollegin: Essen-Bochum, Duisburg-Wesel – jetzt Düsseldorf. Unklar ist auch, ob Telearbeitsplätze erhalten bleiben.
Holger Kranzusch, Personal-Geschäftsführer Deutsche Telekom Kundenservice (DTKS) Bonn, war höchstselbst nach Wesel gekommen, um nach Präsentation der wirtschaftlichen Lage das Spar-Programm einzufordern. Kleine Standorte seien zu teuer. Nun soll ja jedem Weseler ein Platz in Düsseldorf angeboten werden. Fahrtkosten (befristet), Umzugshilfen etc. kamen wohl zur Sprache. Aber auch die Frage, was passiert, wenn man nein sagt, den Rationalisierungsvertrag samt Umsetzung nicht unterschreibt. Genau darauf blieb die Chefetage die Antwort schuldig. In Wesel warten 186 darauf, in ganz Deutschland 8000.
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