Wesel: Traktormord: neuneinhalb Jahre Haft
VON HELMUT JAKOB - zuletzt aktualisiert: 07.05.2009Wesel (RPO). Mit einer Verurteilung zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe ging gestern der Prozess gegen einen 21-jährigen Jungunternehmer aus Wallerfangen zu Ende. Die Große Jugendkammer Saarbrücken verurteilte ihn wegen versuchten Betruges, schweren Raubes mit Todesfolge und Mordes. Er hatte einen Lkw-Fahrer (58) aus Wesel, der ihm im Auftrag eines Landmaschinenhändlers aus Hamminkeln einen Traktor auslieferte, in einem Waldstück getötet.
Als der Schlepper abgeladen wurde, kam es zu einer Auseinandersetzung, weil der Angeklagte mit einem primitiv gefälschten Scheck der "Volksbank Musterstadt" bezahlen wollte. Der Fahrer aus Wesel, ein unbescholtener, friedliebender Familienvater, musste sterben.
Nach den Feststellungen des Gerichtsmediziners Dr. Andreas Schuff erlag er durch äußere Verblutung seinen schweren Verletzungen. Gezählt wurden mindestens drei Axthiebe mit der stumpfen Seite, 27 Messerstiche und verschiedene Schnittwunden, die auf Abwehrhandlungen hindeuten.
Der Angeklagte hatte bei der Polizei gestanden, schwieg aber im Prozess. Sein Verteidiger nennt ihn einen hilfsbereiten, naiven jungen Mann, der ebenso wenig aggressiv gelte wie sein Opfer. Die Verhandlung habe nicht ergeben, wer bei der Übergabe zuerst zugeschlagen habe, auch nicht, dass die Tat geplant war. Für den Oberstaatsanwalt war der Angeklagte nach erdrückenden Beweisen eindeutig des Mordes überführt.
Der 58-jährige Familienvater musste sterben, weil der Angeklagte von Kindheit an einen Luxustraktor haben wollte. Ein Kauf in Belgien scheiterte, weil der dortige Händler nur Bezahlung per Überweisung akzeptierte, Bares allenfalls in Räumen einer Bank. In Hamminkeln fand er schließlich einen Händler, der einen bankbestätigten Scheck akzeptierte.
Probeausdrucke eines solchen Papiers fanden sich später beim Angeklagten: Er hatte nach Vordrucken ge-googelt. Letztlich bedauerte der Oberstaatsanwalt, dass das Jugendstrafrecht keine höhere Strafe als zehn Jahre zulasse. Aber die Tat lasse auch infantile Züge erkennen.
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