Wesel: Um Englisch gibt's Streit
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 02.02.2009Wesel (RPO). Ab heute erhalten Erstklässler in NRW Englisch-Unterricht. Die Neuregelung ist umstritten. Während einige das neue Pflichtfach herbeisehnen, sieht der Philologenverband Probleme beim Übergang zur weiterführenden Schule.
Während der Englisch-Unterricht ab Klasse 1 landesweit erst ab heute beginnt, hat die Weseler Innenstadt-Grundschule am Brüner Tor bereits letzte Woche einen Frühstart hingelegt. "What's your name? I'm Benny. Hello, Hello, Hello to you", singen die Kinder der 1a und 1b zur Musik vom CD-Player. Lehrerin Sandra Bussiek (32) ist begeistert. "Ich bin überrascht, dass die Kinder nach der zweiten Stunde bereits den Refrain auswendig können. Und allen macht's wirklich Spaß." Auch Schulleiterin Sibylle Handel freut sich, dass ihre Erstklässler mit Feuereifer dabei sind. "Wissenschaftlich ist bewiesen, dass es Kindern in diesem Alter leichter fällt, eine Sprache zu lernen. Ein Vorteil ist auch, dass alles sehr spielerisch und ohne Notendruck abläuft", sagt sie.
Der Unterricht
Für den ersten Kontakt mit Englisch ist eine spielerische Herangehensweise vorgesehen: Lieder und Reime sollen zum Mitmachen animieren.
Zwei Stunden werden wöchentlich unterrichtet.
Benotet wird Englisch wie alle anderen Fächer. Es geht jedoch nur um die mündlichen Kompetenzen. Tests und Klassenarbeiten sind nicht vorgesehen.
"Falscher didaktischer Ansatz"
Doch längst nicht alle Schulleiter, das ergab eine Umfrage der RP, sehen die Einführung des neuen Pflichtfachs so uneingeschränkt positiv. Eva-Maria Jung beispielsweise, Leiterin der Buttendick-Grundschule in Obrighoven, gibt zu bedenken, "dass die Erstklässler doch noch sehr klein sind. Durch die beiden Englisch-Stunden erhöht sich der Stundenplan." Dass die Kinder allerdings Freude an der Fremdsprache haben, daran hat sie keine Zweifel. "Wir hatten in unserer Eingangsstufe, in der Kinder der Klassen eins und zwei gemeinsam unterrichtet werden, bislang eine Englisch-AG, die sehr gut besucht war."
Kritisch bewertet Andreas Merkendorf, Vertreter des Philologenverbandes NRW, die Änderung. "Wenn es möglich wäre, ab der ersten Klasse Englisch zu unterrichten, ohne dass Anderes auf der Strecke bleibt, dann wäre das gut", betont er. "Aber es geht in den Grundschulen doch in erster Linie um die Grundlagen, darum, Rechnen, Schreiben und Lesen zu lernen." Er vermutet, dass der "falsche didaktische Ansatz", eben der sehr spielerische Umgang, zu einem schwierigeren Übergang in weiterführende Schulen führen könnte. Denn dort sei konzentrierter Fremdsprachenunterricht vorgesehen.
Während Dr. Klaus Weinrich (Mühlenwegschule Feldmark) und Kollege Michael Borrmann (Konrad-Duden-Grundschule, Lauerhaas) der Neureglung abwartend gegenüberstehen (Borrmann: "Das kann aber für einige Schüler durchaus gut sein") begrüßt Karl-Wilhelm Schweden die Neuregelung ausdrücklich. Der Leiter der Verbundschule Büderich/Ginderich verweist auf das Beispiel Baden-Württemberg, wo es Englisch ab Klasse eins "schon ewig gibt und gute Ergebnisse vorliegen". Außerdem werde Englisch in einer globalisierten Welt immer wichtiger. Schweden: "Es muss sein. Wir leben unter veränderten Bedingungen. Und ich sage: Wer die Sprache beherrscht, dem gehört die Zukunft. Mit dem Erlernen einer Fremdsprache kann man gar nicht früh genug beginnen."
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