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Wesel: Verwahrloste Kinder sind teuer

VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 04.09.2007

Wesel (RPO). Weil das Weseler Jugendamt immer mehr Fälle von verwahrlosten Kindern registriert und für immer mehr Heimkinder zahlen muss, droht ein Finanzloch von 600 000 Euro. SPD und CDU fordern nun Prüfung der Kosten.

Info

Mutter-Kind-Heim

Ein Problem für die Stadt: Immer mehr Frauen suchen sich nach Ende ihres Aufenthaltes im Mutter-Kind-Heim St. Josef in Wesel eine Bleibe. Die Kinder werden in Heimen untergebracht, die Kosten übernimmt die Kommune, die eine Dezentralisierung wünscht.

Derzeit zahlt die Stadt für 53 Heimkinder. Gerechnet hat sie mit 37.

Das Weseler Jugendamt steckt in der Klemme. Bis zum Jahresende wird der Fachbereich hochgerechnet knapp 600 000 Euro mehr für Erziehungshilfen und die Unterbringung von Heimkindern zahlen müssen als im Haushalt veranschlagt. Der Jugendhilfeausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung am 12. September (16.30 Uhr, Ratssaal) mit dem Thema intensiv befassen. Grund sind Zuzüge problematischer Familien. Und die so zeigt die Erfahrung, fühlen sich in der Kreisstadt wohl und bleiben, Wesel darf’s zahlen.

Trotz der Finanznöte schläft Fachbereichsleiterin Ila Brix-Leusmann gut. „Ich würde mir viel mehr Sorgen machen, wenn ich Angst haben müsste, dass der Staatsanwalt im Haus ist, weil wir unseren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind, allen Hinweisen auf Verwahrlosung von Kindern nachzugehen.“ Seit der Fall des kleinen Kevin in Bremen die Nation erschüttert hat, ist auch in Wesel die Bereitschaft von Erziehern, Lehrern Ärzten und Nachbarn deutlich gestiegen, im Verdachtsfall das Jugendamt zu kontaktieren.Das geht ins Geld, da die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes immer mehr Familien aufspüren, in denen Kinder in verwahrlosten Verhältnissen leben und professionelle Hilfe benötigen.

Pro Kind 40 000 Euro pro Jahr

In die finanzielle Schieflage ist das Jugendamt auch geraten, weil zwei Familien nach Wesel gezogen sind, deren Kinder irgendwo in der Republik in Heimen untergebracht sind. Die Stadt, in der die Mütter gemeldet sind, muss für die Kinder zahlen. Gut 40 000 Euro pro Person und Jahr. „Selbst wenn das Kind in Buxtehude wohnt, muss Wesel zahlen, wenn die Mutter hier lebt. Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet“, erklärt Brix-Leusmann. Wesel, in dessen Innenstadt die Mieten im Vergleich zum Ruhrgebiet moderat sind und das über eine enges Netz von Beratungsstellen verfügt, scheint eine hohe Anziehungskraft auf diese Klientel zu haben.

Brix-Leusmann spart zur Gegenfinanzierung an freiwilligen Leistungen des Fachbereichs. So fällt eine Fortbildung für Grundschullehrer über „Sexuelle Gewalt“ weg. Und bei den Gymnasien sei kein Geld für Mensen da (siehe Text links unten), betont Brix-Leusmann. „Uns sind die Hände gebunden.“

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest indes ist skeptisch. Er forderteine Überprüfung der Kostensteigerung. Für die SPD habe die Aufstockung der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren und die Finanzierung der KiBiz-Folgen Vorrang. Auch CDU-Chef Spelmanns will die schmerzhaften Zahlen des Jugendamtes kritisch unter die Lupe nehmen. (Kommentar)

Quelle: RP

 
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