Wesel: Viel Ärger mit Straßenbäumen
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Wesel (RP). Sägt die Säge, folgt Protest. Doch es gibt auch Baum-weg-Forderungen – bei den Linden entlang der Hamminkelner Landstraße (Feldmark). Totholz aus den Kronen beschädigt Terrassendächer. Sie dürfen nicht gefällt werden.
Die Pappelfäll-Aktion des städtischen Betriebs ASG an der Weseler Rheinpromenade hat kürzlich für reichlich Aufregung in der Stadt gesorgt. Viele bedauern das Ende der in die Jahre gekommenen Schattenspender, die fast ein halbes Jahrhundert die Silhouette der Stadt geprägt haben. Zu ihnen gehört auch Cornelia Quirmbach aus der Feldmark. Was sie nicht verstehen kann: "Dort am Rhein werden die Bäume gefällt. Und die städtischen Linden an der Hamminkelner Landstraße bleiben stehen. Dabei haben alle bei uns in der Nachbarschaft nur Ärger mit den Bäumen."
,Können Fenster nicht mehr öffnen'
Vor einigen Tagen, erzählt Cornelia Quirmbach, habe sie beispielsweise den Vorgarten ihres Hauses in Schuss gebracht. "Und jetzt liegt wieder alles voller kleiner und größerer Äste, die ich mühsam einsammeln muss", sagt sie. Ein Ärgernis für alle Anlieger, von denen einige schon über 80 sind und die mit dem Säubern der Gärten gar nicht mehr nachkommen.
Gericht unter der Linde
Die Linde ist kulturgeschichtlich ein besonderer Baum.
Den Germanen galt er als heilig. Nach Kriegen gab es später den Brauch, sogenannte Friedenslinden zu pflanzen.
Viele Orte in Mitteleuropa hatten früher eine Dorflinde, unter der Neuigkeiten ausgetauscht wurden oder Tanzfeste stattfanden.
Weil unter der Dorflinde meist das Gericht abgehalten wurde, ist er auch als Gerichtsbaum bekannt.
Noch viel schlimmer sei es im Sommer. Dann nämlich würden Scheiben, Dächer und Autos von einem harzig-klebrigen Film überzogen. "Da kann man seine Fenster gar nicht mehr öffnen und auch nicht mehr draußen sitzen. Wir zahlen hier Grundsteuer und können unsere Grundstücke nicht richtig nutzen", ärgert sie sich. Außerdem hält sie es für eine Zumutung, dass die Stadt nicht für Schäden aufkommt, die durch herunterfallende Äste entstehen.
Sowohl das Vordach an der Haustür als auch die Überdachung ihrer Terrasse weisen mehrere kleine Löcher auf, die notdürftig gestopft sind. Und dann erzählt berichtet die Feldmarkerin davon, dass es auf dem Fahrradweg durch die mächtigen Bäume schon zu gefährlichen Verkehrssituationen gekommen sei. Fazit: Ihr und der Wunsch "meiner Nachbarn" ist es, die "Problem-Linden" durch Neupflanzungen zu ersetzen oder stark zu kürzen.
Beschwerden wie diese kennt Heinz-Georg Oberender, Baumexperte beim städtischen Betrieb ASG, nur zu gut. "Uns erreichen fast täglich solche Anrufe", sagt er im RP-Gespräch. Hoffnung, dass sich an der Situation an der Hamminkelner Landstraße in nächster Zeit grundsätzlich etwas ändern könnte, will Oberender den genervten Anwohnern nicht machen.
Denn: "Die Leute, die jetzt auf gefällte Pappeln an der Promenade verweisen, vergleichen Äpfel mit Birnen. Kosmetische Gründe sind kein Argument, einen Baum zu fällen." Anders die Situation am Rhein. Die Pappeln dort seien durch Sturmschäden der letzten Jahre und durch Schädlingsbefall "nicht mehr verkehrssicher" und müssten innerhalb der nächsten fünf Jahre komplett ausgetauscht werden.
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