Hamminkeln: Viel Bewegung im neuen Seilgarten
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 04.04.2008Hamminkeln (RPO). Der Schulhof in Hamminkeln ist in einem Bereich zum Abenteuerpark umgestaltet worden. Eltern und Lehrer haben mitgeholfen, damit die Kinder klettern und balancieren können. Eine 100-jährige Eiche, die noch Spuren des Krieges zeigt, dient als Kletterbaum.
Bewegung ist nicht nur gesund. Sie fördert bei Kindern auch die Entwicklung des Gehirns. Deshalb haben Eltern der Grundschüler in Hamminkeln für ihre Zöglinge ein ganz neues Lernfeld geschaffen, treffender wäre geknüpft. Seit gestern ist der abenteuerliche Seilpfad fertig, auf dem die Kinder nach Herzenslust klettern, balancieren und entlang können. Gefährlich ist das nicht: Denn der naturnahe Parcours übersteigt die maximale Fallhöhe von einem Meter nicht. Und wer trotzdem abstürzt, fällt weich auf gemulchten Boden.
„Der Kletterparcours entspricht der EU-Norm und ist zugelassen für Kinder von drei bis 13 Jahren“, sagt Achim Speitmann von der Natur- und Abenteuerschule aus Bergisch-Gladbach. Die baut bundesweit Kletterpfade auf Schulhöfen. Mit Hilfe von Lehrern, Eltern und zahlreichen Kindern, die begeistert mitgeholfen haben, brachte der Seilgarten-Profi nun das ehrgeizige Projekt zu einem Ende, das sich die Klassenpflegschaft der heutigen 2 c vor knapp zwei Jahren auf die Fahnen geschrieben hatte, um auf dem großen, weitgehend befestigten Schulhof neue, starke Bewegungsanreize zu schaffen.
Großprojekt
Der Kletterwald hätte gut 10 000 Euro gekostet. Eigenleistung, eigene Finanzmittel und Spenden sicherten die Finanzierung.
Gelsenwasser stiftete aus seinem Schulfonds 2500 Euro, Landschaftsbauer von Mulert half und die Eltern arbeiteten nicht nur, sondern feierten auch eine Oldie-Fete, damit Kinderträume wahr werden können.
Der Seilgarten ist auch nach dem Unterricht offen für Kinder. Das Risiko Vandalismus nehmen die Eltern in Kauf und hoffen, dass die Vernunft im Dorf nicht am seidenen Faden hängt.
Die Idee Klettergarten reifte, und viele, viele halfen mit. Das Know-how kauften die Eltern in der Abenteurschule ein. Eigenleistung wurde bei der Seilgartenarbeit groß geschrieben. Baumstämme mussten geschält und einbetoniert werden – als Pfosten für die unterschiedlichen Seilbahnen. Geschält wurden Robinien, weil das Holz hart, langlebig und optisch ansprechend ist.
Kletterbaum mit Granatsplitter
Die Seillandschaft wurde in die Grünzone am Westrand Schulhofes eingefügt, vorhandene Bäume sind nun Teil des Parks für kleine Tarzans und Janes. Und eine circa 100-jährige Eiche, die gefällt worden ist, damit die Kinder des Dorfes fortan gedeihlich aufwachsen, lustvoll und bewegt ins Leben klettern. Klara Oertmann (93) hat das Hamminkelner Urgewächs gestiftet. Es hat im kleinen Busch an der Autobahn gestanden, wo im Krieg einst ein heftiges Feuergefecht stattgefunden hat, wie die 93-Jährige erzählt hat. Einschüsse sind in der Rinde als Narbe noch sichtbar. „Als wir den Baum gefällt haben“, erzählt Kornelia Behrends, Vize-Vorsitzende der Schulpflegschaft, „haben noch Granatsplitter entdeckt.“ Nach ihrem Tod soll die alte Eiche nun ein bewegender, aber friedlicher Kletterbaum sein. „Als Ersatz für die Fällung pflanzen wir auf dem Schulhof noch was Neues“, sagt Kornelia Behrends mit einem Schmunzeln. Eltern, Kinder und Lehrerinnen – Rektorin Elisabeth Theurer nahm fürs Foto gar die Kettensäge in die Hand – ließen sich bei der unermüdlichen Gartenarbeit auch durch regelmäßige Schauer nicht bremsen.
Hochmotiviert
Mutter Iris Stumpen fragte beflissen: „So, was können für jetzt tun.“ Für die gelernte Motopädin im Verein „Leben in Bewegung“ war’s Ehrensache, im Klettergarten die Schüppe in die Hand zu nehmen.
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