Hamminkeln: Vocal Heroes im Ratssaal
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Hamminkeln (RPO). Prächtiger Pilot: Hamminkeln startet verheißungsvoll in die "Local Heroes"-Woche. Männergesangverein Bleib treu, der Chor Murisono und die Lehrerband der Musikschule boten ein bodenständiges Programm, das begeisterte.
Ganz auf Swing und Schlager setzte bei der Pilotveranstaltung zu "Local Heroes – Ruhr 2010" die Stadt Hamminkeln, bevor sie in dieser Woche ihre Dörfer ins Rennen schickt. Zwei Stunden mit Musik vom Feinsten, vorgetragen von den "Vocal Heroes" Männergesangvereins (MGV) Bleibtreu, dem Chor Murisono und der Lehrerband der Musikschule Ringenberg, flogen im Nu vorüber. Die Hamminkelner wissen, was sie an ihren Lokalmatadoren haben.
Die Resonanz war umwerfend. Der Ratssaal platzte aus allen Nähten. Schließlich ging's darum, als Bannerträger unter 53 Städten der Kulturhauptstadt Ruhr Solidarität zu zeigen. Das Motto "Wir lassen die Kirche im Dorf" bestätigte der eigens aus Essen entsandte Programmkoordinator Jürgen Fischer: "Es geht nicht um Kultur, die wie ein Ufo über den Köpfen der Menschen schwebt!"
Staffelübergabe
Neukirchen-Vluyns Bürgermeister Harald Lenßen überbrachte den Local-Heroes-Staffelstab: eine Neukirchener Kinderbibel gepaart mit einem Paar Klompen aus Vluyn.
Im Rathaus Hamminkeln kann man sich in einer "Singsäule" verewigen. Die Ergebnisse werden zum Film geschnitten.
"Herzhafte Vielfalt"
Das war ganz im Sinn von Bürgermeister Holger Schlierf: "Wir hier haben kein Weltkulturerbe, aber eine herzhafte Vielfalt." Dynamik und Flexibilität ist den Vocal Heroes sämtlich auf den Leib geschrieben. Der Dynamischste überhaupt war Bleibtreu-Chorleiter Marcel Bönninger. Der Mann mit den elastischen Beinen, dem biegsamen Kreuz und dem pfeffrigem Temperament hat als weitere Markenzeichen zündendes Entertainment, pfiffige Arrangements.
Seine 30 Männer treibt er unter dem Leitspruch: "Weg mit dem muffigen Männerchor-Image!" zu Bestleistungen. Der hat das Talent, Schlager von vorgestern in Ohrwürmer von morgen umzuwandeln. Die Freddy-Quinn-Kopie "So schön war die Zeit" übertraf fraglos das Original von 1956 an Schwung und endete sogar auf ein echtes Fade-Out. Der Liederkatalog aus Wirtschaftswunderzeiten war gespickt mit witzigen Ideen – ein Muss in der Karnevalswoche. Schon der "Kriminal-Tango" kam einer Performance gleich; da schaukelten sich, natürlich mit Schalk im Nacken, bedrohlich die Bässe auf, und ein herbei schleichender Schütze feuerte schließlich den finalen Pistolenschuss auf Bönninger ab.
Der überstand das ganz gesund und glänzte mit Parodien auf Peter Kraus (Sugar Baby) oder Louis Prima (Buona Sera Signorina). Das Quartett "Bleibtreumer", "aufgepimpelt" mit Sonnenbrillen, servierte lockeren Doo Wop bei "Rama lama ding dong". Ein gekonntes Solo sang Arne Wolf.
Ein heißer Musik-Mix
Dann wechselte die Musik ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit der authentisch spielenden Lehrerband gab der Chor Murisono ein tolles Gespann ab. Angeführt von Chorleiter Jürgen Otto wogten über 40 Sänger in den Saal. Im Reigen purer Singfreude zündete der vielstimmige "Chattanooga Choo Choo". Mit dabei das legendäre "California Dreaming" – kaum jemand im Saal, der da nicht Lust gehabt hätte, einzustimmen. Mit der Spencer Davis Group, Frank Sinatra und den Beatles gelang Murisono ein heißer Mix aus "Swing'n Sing". Gespickt war das Ganze mit einigen viel beklatschten Saxophon-Soli von Musikschullehrer Volker Lütfring.
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