Wesel: Vom Kreishaus ins Rathaus
VON THOMAS HESSE - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010Wesel (RPO). SPD-Mann Dirk Haarmann (43) soll Erster Beigeordneter, Jung-Nachfolger und Bürgermeister-Vertreter werden. Die Ampel ist sich einig. Ins Jugend-, Schul-, Kultur- und Sportdezernat zieht nun ein Finanzfachmann ein.
"Die Gespräche waren sehr konstruktiv, sehr intensiv und haben mich gefordert. Über das Ergebnis freue ich mich." So beschrieb gestern Dirk Haarmann die Vorstellungsrunde, die er am Abend zuvor vor den Fraktionen von SPD (plus UWW), Grünen und FDP hinter sich gebracht hatte. Der 43-Jährige aus Voerde, der aus 29 Bewerbern – darunter ein sachkundiger Bürger der Weseler CDU – als Favorit für die Nachfolge des Ersten Beigeordneten Wolfgang Jung von der SPD ausgeguckt worden war, hat damit die Unterstützung des Ampel-Bündnisses. Haarmann ist gelernter Diplom-Verwaltungswirt sowie Diplom-Kaufmann und derzeit Leiter des Fachbereichs Finanzen im Kreishaus Wesel. Hier hat er auch gelernt, zuvor war er in Herten. Der Rat soll ihn am 21. September wählen. Die Ampel nutzt die Gelegenheit für Umstrukturierung in einigen Fachbereichen (siehe Info).
Ein Chef weniger
Fachbereichsleiter-Wechsel im Rathaus: Den Posten von Helmut Roehl (Stadtkultur) will die Ampel nicht wieder besetzen, das Team 46 wechselt ohnehin zum Stadtmarketing. Einen Teil des gesparten Geldes (15 Prozent) soll an Teamleiter gehen – als Motivation.
Sozial-Fachbereichsleiter Michael Rüssel geht ebenfalls.
Die Stelle wird wiederbesetzt, der Zuschnitt des Bereichs neu gefasst. Ebenfalls scheiden 2011 die Fachbereichsleiter Frank-Peter Lellek und Anne Gerlach aus.
CDU will Jungs Wiederwahl
Bei der oppositionellen CDU war der Kandidat noch nicht, bei den bei den Linken will er sich am 6. September vorstellen. Gestern präsentierte das Ampel-Bündnis den gemeinsamen Vorschlag, das SPD-Mitglied Haarmann. Die drei Fraktionen haben vereinbart, dass die SPD den Posten des Ersten Beigeordneten besetzt, die Grünen Zugriff auf den Kämmerer-Posten haben, falls Amtsinhaberin Klug nach Köln wechselt, und die FDP den vierten Dezernenten stellt, was bekanntlich geplatzt ist. Die CDU will im Rat Amtsinhaber Jung zur Wiederwahl vorschlagen. Sie hält die Kosten für den Vorruhestand (über 200 000 Euro) in finanzschwachen Zeiten für nicht vermittelbar. Die Ampel setzte gestern 300 000 Euro Ersparnis (auf vier Jahre gerechnet) durch Verzicht auf einen Fachbereichsleiter dagegen.
Darüber hinaus glaubt die CDU, dass es ein Fehler ist, auf Jungs Fachwissen zu verzichten, weil demnächst vier Fachbereichsleiter in den Ruhestand gehen. Ähnlich hatten sich bisher die Linken geäußert.
Mit dem Personalvorschlag Haarmann wird ein weiterer Strategiewechsel im Rathaus eingeleitet – weg von den Fachkennern mit intensiver Detailkenntnis ihres Arbeitsbereichs, hin zu den strategisch ausgerichteten Führungskräften. So war es schon bei der Einstellung von Kämmerin Gabriele C. Klug gewesen, die sich ungern in fachlichen Details verliert, sondern die steuernde Positionierung und den großen Wurf mag.
Steuerung statt Details
Jung mit seiner engen Anbindung an die sozialen Träger, Sportvereine und Kulturschaffende ist Insider alter Art, der auf nahe Kontakte und Netzwerk setzt. Das hatten zum Beispiel die Grünen kritisiert, die Jungs Beharrungsvermögen in bestehenden sozialpolitischen Strukturen in finanzpolitisch schweren Zeiten nicht angemessen finden. Mit Haarmann kommt nun ein ausgewiesener Finanzfachmann an die Spitze des Rathaus-Ressorts für Jugend, Schule, Sport und Stadtkultur. "Ich habe nicht nur Finanzcontrolling betrieben, sondern war vor allem in die strategische Fach- und Ressourcenplanung eingebunden, habe auch den Produkthaushalt im Kreishaus mit entwickelt. Dies bezog sich auch auf einzelne Fachebenen und die Aufgaben in den Bereichen Jugend, Schule und Soziales", sagt Haarmann. Er sei keineswegs "rein finanzorientiert".
Auf sein Amt in Wesel freut sich der Vater von zwei Mädchen im Grundschulalter, der gerne liest und Freizeitsport betreibt. Dazu wird er auch in der Kreisstadt Gelegenheit haben, wenn er erst mal eingearbeitet ist. Denn nach Wesel will Haarmann ziehen. So steht es auch in der Ausschreibung.
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