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Wesel: Waffenhandel und Erbstreit

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 24.10.2007

Wesel (RPO). Mit Weseler Harnischen ließ sich in Hansezeiten viel Geld machen. Eine illustrierte Ahnentafel der Kaufmannsfamilie Elverick gen. Haes erzählt eine filmreife Geschichte und gibt bis heute Rätsel auf.

Info

Budenzauber

Das Fest zur 600. Wiederkehr des Eintritts in die Hanse rückt näher. In der Fußgängerzone stehen bereits die Buden für die Hansemeile und den Handwerkermarkt.

Los geht es Freitag unter anderem mit einem Festakt im Dom (18.30 Uhr). Sonntag ist Grundsteinlegung fürs Rathaus (11.30 Uhr).

Die Hansestadt Wesel war in den aufstrebenden Rheinlanden etwas besonderes. Und wer in ihr Fuß fassen konnte, dem standen Tür und Tor offen. Heiratspolitik wie in den Fürstenhäusern gehörte zum ganz normalen Geschäft. Bewusst geknüpfte Bande zu einflussreichen Familien in anderen wichtigen Städten wie Köln oder Amsterdam waren üblich, berichtet Dr. Martin Wilhelm Roelen. Eine filmreife Geschichte über Macht und Gewinstreben, die bis heute Rätsel aufgibt, erläutert der Stadtarchivar am Beispiel jener würdigen Herrschaften, die in diesen Tagen vom Plakat zum Hansefest auf ihre Stadt herunterschauen. Die Poster und Flyer zeigen die Hälfte einer illustrierten Ahnentafel der Kaufmannsfamilie Elverick gen. Haes.

Los geht es eigentlich ganz links (nicht auf dem Plakat) mit dem 1506 gestorbenen Hermann Saelen und seiner Frau Margaretha. Laut Roelen war Hermann „der Aufsteiger“, der mit einem überaus lukrativen Stahlhandel den Grundstein für ein immenses Vermögen legte. Märkischer Stahl wurde in Wesel oft zu Harnischen verarbeitet und dann exportiert. Zielorte waren die großen Märkte in Brügge, Antwerpen oder London. Hermann Saelen und seine dargestellten männlichen Nachfahren waren alle im Rat, oft Schöffen und Bürgermeister.

Saelen machte Geld und wollte, dass auf ewig für ihn gebetet wird. Deshalb setzte er ein für heutige Verhältnisse irrwitzig teures Projekt in Gang: die so genannte Kalvarienberg-Stiftung. Nach Jerusalemer Vorbild – Experten streiten, ob er es auf einer Pilgerfahrt selbst gesehen hat – wurde ein Kreuzweg angelegt, der später auch der Kreuzstraße den Namen gab.

Kreuzweg zur Kapelle

Vom Viehtor aus führten vier Station hinaus zu einer Kapelle, die nahe Luisen- / Oberndorfstraße gestanden haben muss. Das Gebäude ist auf dem Bild links zu sehen, beherbergte zwei Altäre, deren Kunstwerke heute in St. Martini stehen. Draußen wurde eine Kalvariengruppe mit dem Gekreuzigten aufgestellt, die heute in Dinslaken steht. Hatte der Abriss der von exzellente Künstlern ausgeschmückten Kapelle später zur Zeit der spanischen Belagerung militärische Gründe, so ist das Verschwinden mancher Figuren und Darstellungen der Reformation zu schulden. Die hat laut Roelen in Wesel nicht zu jenem Bildersturm geführt wie anderswo. Statt sakrale Kunst zu zerstören, wurde sie lieber verkauft.

Zurück zum Bild, das im folgenden Saelens Schwiegersohn Tilmann van Elverick mit seiner Frau Margaretha, deren Söhne Johann und Wilhelm sowie Enkel Everhard und rechts Elisabeth Bogel zeigt. Wer jetzt in Publikationen zu dem Bild nachschlägt und andere Namen findet, der darf sich nicht wundern. Denn erstens ist das Original, das einst in der Kapelle am Kalvarienberg gehangen haben muss, unbekannt. Zweitens existieren als Kopien heute zwei Aquarelle und ein Stich, die wiederum teils stark voneinander abweichen. Drittens ist im Fall Elisabeth Bogel ganz offensichtlich gemogelt worden. Besagter Dame ist das Wappen der Familie van Duinen beigefügt.

Hintergrund: Die Ahnentafel spielte als Beweismittel in einem Rechtsstreit eine Rolle. Dabei ging es um das Erbe eines Lambert van Duinen. In den Zeiten hanseatischer (Familien-)Großunternehmen wurde keine Chance ausgelassen, Vermögen zu mehren.

Quelle: RP

 
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