Wesel: Warmlaufen an der Betuwe
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010Wesel (RPO). Am Tag nach der eindrucksvollen Bürgerinformation über rechtliche Chancen im Kampf mit der Bahn AG, hat die Aufarbeitung begonnen. "Auf jeden einzelnen selbst kommt es an" – aber auch auf Unterstützung der Rathäuser.
WESEL/HAMMINKELN Gut 400 Besucher haben die Rechtsberatung für Anwohner der Betuwe in der Niederrheinhalle zur Demonstration der Entschlossenheit gemacht. Am Tag danach hat die Aufarbeitung der Botschaft begonnen, die Verwaltungsjurist Matthias Möller-Meinecke kompetent, anschaulich, vielleicht etwas zu sehr durch die Brille des vom Erfolg überzeugten Advokaten vermittelt hat.
"Es ist deutlich geworden, dass die Leute selbst handeln müssen", so Gert Bork, Sprecher der Bürgerinitiative "Betuwe – So nicht". Die Arbeit, im Planfeststellungsverfahren seine Einwendungen vorzutragen, könne man niemandem abnehmen, betonte Bork erneut. Sicher werde seine Initiative dabei ihre Unterstützung anbieten.
Krankmacher
Nach Angaben von Möller-Meinecke belegen Studien, dass Bluthochdruck schon bei 50 Dezibel in der Nacht droht. Die Risikoschwelle für Herzerkrankung liege bei 60 Dezibel. In Wesel seien 67 Dezibel gemessen worden.
"Die Räte sind gefordert"
Bork setzt auch auf die Kommunen. Um deren klamme Kassen wisse er. Dennoch seien sie in der Pflicht, ihre Bürger im Kampf gegen die Pläne der Bahn AG zu unterstützen. "Die Vorschläge der Experten müssen in die Räte. Die sollen sagen, was ihnen Hilfe für die Betroffenen wert ist." Handfeste Zahlen in die Hand zu bekommen, um im juristischen Clinch mit dem mächtigen Gegner bestehen zu können, werde Geld kosten. Was "konkret zu tun und machbar" sei, zum Beispiel eine dauerhafte Lärm-Messstation oder ein "Referenzgebäude" zur Erfassung von Erschütterungen, darüber müssten die Betuwe-Anrainer intensiv sprechen. Das werden sie tun, sagte Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp zu. Schon nächte Woche. "Wichtig ist, dass Dinge abgesprochen und abgestimmt werden", so Westkamp, "Alleingänge bringen nichts."
Eindeutig sei, so Bork, dass sich der Blick nun zunächst darauf konzentrieren müsse, vorzeitige Blockverdichtung, also die Takterhöhung der Züge bis zum Anschlag zu verhindern. Das sieht auch Hans-Georg Haupt, Technischer Dezernent im Hamminkelner Rathaus so: "Die Bahn will die Vorherbelastung durch Lärm hochfahren, um beim endgültigen Lärmschutz weniger tun zu müssen." Hier sei ein zentraler Ansatz für das Gespräch am Freitag beim Bundesverkehrsminister. Bork sieht keine Alternative, als die Bahn per Klage vorher zu Lärmschutz zu "zwingen".
Haupt denkt, dass in den Rathäuser "durchleuchtet" werde, welche weiteren Grundlagen die Erfolgsaussichten im unausweichlichen Konflikt erhöhen. "Warum soll man nicht gesundheitliche Folgen von Lärm untersuchen, wenn Bahn und Gesetzgeber nur finanzielle Machbarkeit gelten lassen?", so Haupt zum Vorschlag Möller-Meineckes. Messstationen – in Wesel sowie je eine auf dem Süd- und auf dem Nordabschnitt – seien hilfreich. Jetzt sei Zeit für Taten, um sich nicht später Vorwürfe zu machen.
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