Wesel: Weiter Klagewelle am Arbeitsgericht
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 11.06.2009Wesel (RPO). Schon Albrecht Kleinschmidt hatte stets auf Unterbesetzung am Arbeitsgericht Wesel hingewiesen. Seinem Nachfolger, der seit dem 2. Juni als Direktor im Amt ist (RP berichtete), geht es nicht anders. "Die Situation ist angespannt. 4,5 Richterstellen sind zu wenig", sagte Carsten Höwelmeyer (49) gestern im RP-Gespräch. Vor einem Jahr war es noch eine Stelle mehr. Bei gleichzeitig deutlich weniger Fällen, denn die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte da noch gar keine Wirkung gezeigt. Jetzt hält die schon zu Jahresbeginn von der RP beleuchtete Klagewelle weiter an.
2158 neue Fälle seit Januar
Carsten Höwelmeyer hat die aktuellen Daten schnell parat. 2158 Klagen wurden vom 1. Januar bis Dienstag eingereicht. 490 und damit 29,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres 2008. Wie nicht anders zu erwarten, stehen Kündigungsschutzklagen im Mittelpunkt. Es folgen Zahlungsklagen, weil Arbeitgeber Löhne schuldig geblieben sind. Die Zunahme der zu bearbeitenden Fälle hängt laut Direktor Höwelmeyer in aller Regel mit der Struktur der Betriebe zusammen. Im aktuellen Konjunkturtief leide besonders das produzierende Gewerbe.
Von Moers bis Kleve
Mit seinen 4,5 Richterstellen – zwei werden von Herren, drei von Damen besetzt – sowie 15 weiteren Mitarbeitern ist das Arbeitsgericht Wesel für den flächenmäßig mit Abstand größten Bereich im Bezirk des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf zuständig. Er umfasst die Kreise Wesel und Kleve. Zwei Richter sind an je zwei Tagen pro Woche auswärts tätig. Diese so genannten Gerichtstage finden in Moers und in Kleve statt. Fahrerei, aber eben auch Kundennähe.
Neuland hat Carsten Höwelmeyer an der Ritterstraße übrigens nicht betreten. Von Dezember 1994 bis März 1996 war der gebürtige Osnabrücker bereits in Wesel tätig. Zuletzt wirkte Höwelmeyer in Essen, wo er mit seiner Frau auchweiterhin wohnen wird. Die Frage nach Hobbys beantwortet er flott: "Sport. Radfahren und Jogging – das ist es eigentlich."
Beides steht für Ausdauer. Die hatte auch Vorgänger Albrecht Kleinschmidt schon bewiesen. Der nun mit 65 Jahren in den Ruhestand getretene Jurist war einer der dienstältesten Direktoren im Bezirk des Landesarbeitsgerichtes Düsseldorf. Fast 21 Jahre hatte er dem Weseler Arbeitsgericht vorgestanden: vom 1. September 1988 bis zum 31. Mai 2009. Höwelmeyer und Kleinschmidt sind freundschaftlich mit einander verbunden.
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