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Wesel: Wenn Schmerzen krank machen

VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010

Wesel (RPO). Porträt Das Schicksal von Rolf Fahnenbruck steht stellvertretend für acht Millionen Deutsche. So viele sind von chronischen Schmerzen betroffen. Als Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga will er Patienten Mut machen.

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Kontakt und Infos

Für Betroffene stellt Rolf Fahnenbruck Kontakt zur Selbsthilfegruppe Dinslaken her. Er ist erreichbar unter 0172 2146382. Infos gibt's bei der Deutschen Schmerzliga unter 0700 375375375.

Wesel/ Hamminkeln Rolf Fahnenbruck aus Mehrhoog hat einen quälenden Begleiter. "Ein Leben ganz ohne Schmerzen, das gibt es für mich nicht", weiß der 55-Jährige, der seit Jahrzehnten unter der chronischen Erkrankung leidet. Bis zu acht Millionen Deutschen ergeht es ähnlich; bei ihnen hat der Schmerz seine Funktion als Warnssymptom verloren. Von chronischen Schmerzen ist die Rede, wenn diese fast ständig oder über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten bestehen. Oder: Der Schmerz ist spürbar, obwohl die ursächliche Verletzung bereits geheilt ist.

Jede Bewegung drückte auf Nerv

"Die schlimmste Phase begann nach meiner Bandscheiben-Operation Anfang der 80er Jahre. Danach hat sich mein Zustand dramatisch verschlechtert", erzählt Rolf Fahnenbruck. Aufgrund von Osteoporose konnten mehrere seiner Wirbelkörper nicht mehr mit Schrauben verstärkt werden. "Jede Bewegung drückte damals auf den Spinalnerv. Die Schmerzen waren unerträglich", erinnert sich der frühere Sozialberater und Psychotherapeut. Fahnenbruck sprach bundesweit in Spezialkliniken vor: "Doch von Seiten der Schulmedizin gab es keine Chance mehr."

Anfang der 90er Jahre schied der Mehrhooger aus dem Berufsleben aus, kämpfte um eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Monatelang konnte Rolf Fahnenbruck nur liegen, ein Stahlkorsett stützte seine Wirbelsäule, ein Rollstuhl wurde zu seinem Fortbewegungsmittel. "Damals bekam auch meine Psyche einen Knacks. Meine erste Ehe ging in die Brüche. Ich habe alle Tabletten geschluckt, die ich gefunden habe."

Auf Therapie einlassen

Nachbarn und Freunde halfen dem heute 55-Jährigen wieder ins Leben zurück. Und: Fahnenbruck bekam über die Deutsche Schmerzliga Kontakt zum St. Josef-Hospital in Oberhausen. "Das war die Wende. In der dortigen Schmerzambulanz wurde erstmalig geschaut, was mit starken Schmerzmitteln bei mir möglich ist. Voraussetzung war allerdings, dass ich mich auf diese Therapie einlasse."

Über ein Jahr lang erhielt Fahnenbruck unter anderem hochdosiertes Morphium. Das Ziel der Ärzte: "Ich sollte eine Zeit lang weniger Schmerzen haben. Diese Zeit habe ich dann genutzt, um unter anderem Krankengymnastik zu machen. Seitdem kann ich wieder laufen."

Zudem lernte der Schmerzpatient Entspannungstechniken kennen. "Nach und nach rückte mein Rückenschmerz nicht mehr so in den Vordergrund. Seitdem habe ich eine bessere Lebensqualität, auch wenn ich nie wieder gesund werde", weiß der Mehrhooger.

Als Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga will Rolf Fahnenbruck Menschen, denen es ähnlich ergeht, Mut machen. "Viele Patienten hoffen auf den einen Wunderarzt oder die heilbringende Therapie. Doch diese gibt es bei chronischen Schmerzen nicht." Aus Angst vor den Nebenwirkungen der hochdosierten Medikamente und "weil die Erkrankten nicht durchhalten" würden Schmerztherapien oft abgebrochen. "Unser Anliegen ist es, zu vermitteln, dass der Arzt alleine nicht helfen kann. In Selbsthilfegruppen werden die Patienten mit ihren Therapie-Fragen und ihren psychosozialen Nöten aufgefangen", erklärt der 55-Jährige.

Zurzeit existiert in Dinslaken eine Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten. "Aber sollte es genügend Interessenten in Wesel geben, installieren wir dort einen Treff", so Fahnenbruck. Die Schmerztherapie sei vor allem eine sprechende Medizin. Bundesweit gebe es über 100 Selbsthilfegruppen und rund 600 Schmerzzentren. Benötigt werde jedoch das Vier- bis Fünffache.

Quelle: RP

 
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