Hamminkeln: Wertherbrucher Handwerk
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007Hamminkeln (RPO). Der Verein Alte Herrlichkeit zeigt heute und morgen, welche Berufe einst zum Dorfalltag gehörten. Werkzeuge und Gegenstände geben lebendige Eindrücke in die alte Zeit. Zur Ausstellung gehören auch Vorführungen.
Von der Industrialisierung bis zur Globalisierung sind es genau zwei Meter. So lang ist der Zollstock, der von 1800 bis 2000 reicht. Am einen Ende stehen Dampfkraft, Code Civil und Kants „Kritik der Urteilskraft“, am anderen Ende sind Nano- und Biotechnik, Global Players sowie Neue Medien vermerkt. Dieser ungewöhnliche Zollstock illustriert anschaulich den Zeitsprung, den eine Ausstellung in der Bürgerhalle Wertherbruch vollzieht. Heute und morgen gibt der Verein Alte Herrlichkeit Einblicke in altes Handwerk, das einst zum Alltag im Dorf gehörte.
Etliche Leihgeber haben Gegenstände und Unterlagen zur Verfügung gestellt. Neben einer Anstreicherkluft hängt der Meisterbrief für Wilhelm Niewendick von 1931. Auf dem Foto mit Absolventen der Maler-Fachschule 1925 ist der Chef an schwarzer Jacke, Uhrkette und strengem Blick zu erkennen. Tischler und Restaurator Willi Schmidt steuerte Nuthobel, hölzerne Schraubzwinge und eine Säge, die von zwei Personen bedient werden musste, zur Ausstellung bei.
Kriegstote aus dem Ort
Eine Arbeitsgruppe des Heimatvereins dokumentiert die Lebensläufe der in beiden Weltkriegen gefallenen und vermissten Soldaten und Zivilisten aus dem Ort.
Das Projekt wird während der Ausstellung heute und morgen vorgestellt. Weitere Unterlagen und Informationen zu einzelnen Biographien sind erwünscht.
Mühle mit Fernruf Nr. 62
In der Abteilung „Bäcker und Müller“ finden sich eine Brötchenpresse, Spekulatius-Model, Nudelholz und ein Schreiben der vor 50 Jahren geschlossenen Mühle von Heinrich Maarschalkerweerd mit dem Vermerk: Fernruf Nr. 62. Bäcker Holsteg stellte Bernhard Böcker 1927 ein prima Zeugnis aus, lobte dessen Tüchtigkeit und Ehrlichkeit. Einer „Raumtafel“ ist zu entnehmen, dass die Bürokratie schon 1959 seltene Blüten trieb: Neben Länge, Höhe und Breite der Backstube ist auch deren Luftinhalt vermerkt: 82,5 Kubikmeter.
Stellmacher Willi Moschüring aus Wertherbruch hat Werkzeug, Naben und einen Holzklotz, aus dem diese gefertigt wurden, zur Verfügung gestellt; außerdem ein großes Wagenrad. Welche Gerätschaften der Gärtner zum Eintopfen verwendete, ist ebenfalls zu sehen. Nicht fehlen darf eine Werkbank des Holzschuhmachers. „Sieben gab es davon um 1900 in Wertherbruch“, weiß Heinz Weyer, Vorsitzender des Heimatvereins.
Die Aussstellung zeigt die sprichwörtlichen Leisten des Schusters und den Harmbock aus Metall, Holz und Leder, in den einst das Arbeitspferd gespannt wurde. Weitere Berufe, die vertreten sind: Bestatter, Maurer, Hufschmied, Friseur, Zimmermann, Schlachter, Seiler, Schlosser und Glaser. Einige Handwerker zeigen Vorführungen.
Alle zwei Jahre zeigt der Heimatverein eine Ausstellung. Mehr als zwei Tage seien leider nicht drin, bedauert Weyer, weil man die Halle mieten müsse und andernfalls die Aufsicht zum Problem würde.
Geöffnet heute von 15 bis 18 Uhr und morgen von 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei. Es gibt Kaffee und Kuchen.
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