Wesel: Wesel trauert um Siegfried Landers (85)
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 17.08.2010Wesel (RPO). Dr. h.c. Siegfried Landers ist tot. Der Unternehmer und Politiker starb nach langer Krankheit am Sonntagabend im Alter von 85 Jahren im Marien-Hospital. Landers war eine der großen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit und seiner Heimatstadt stets eng verbunden. Unter anderem geht die Errichtung der Historischen Rathausfassade auf seine Initiative zurück.
Siegfried Landers wurde am 14. September 1924 im Krankenhaus in Bocholt geboren. Damals wohnte die Familie noch in Friedrichsfeld, doch zog sie noch vor dem Zweiten Weltkrieg nach Wesel in die Augustastraße. Mit Autoverwertung und Schrotthandel auf dem ehemaligen Pionierplatz Römerwardt begann Vater Wilhelm mit den Söhnen Siegfried und Günter nach dem Krieg. Die Geschichte der Enttrümmerung Wesels ist wesentlich von Landers mitgeschrieben worden. Nach dem Tod von Wilhelm und Günter formte Siegfried Landers eine Firmengruppe, die in der Spitze 340 Mitarbeiter hatte. Aufgeteilt in die Sparten Abbruch, Heizung-Sanitär, Maschinenfabrik und Entsorgung. Im Jahr 2000 wirkte Landers noch an der Konzentration des Betriebs auf Entsorgung und Produktionslogistik mit und übergab die Geschäfte 2005 offiziell an seinen Sohn Burkhard (56), dessen Bruder Norbert (57) Dozent in Groningen ist. Siegfried Landers war noch bis Ende 2008 Mitglied der IHK-Vollversammlung.
In Wesel kennt man Landers auch als Politiker. 55 Jahre gehörte er der FDP an, saß von 1961 bis 1975 im Stadtrat – die meiste Zeit als Fraktionsvorsitzender. Nachfolger Friedrich Eifert würdigte gestern seine "gesellschaftliche Verantwortung", weil er "immer bereit war, auch gestrauchelten Jugendlichen eine Chance in seinen Unternehmen zu geben". Stets habe er seine Kontakte zur Lands- und Bundesregierung für liberale Politik genutzt.
"Ich bin Niederrheiner und weiß auch warum", ist ein Satz des Verstorbenen, den Sohn Burkhard als charakterisierend nennt. Identitätsstiftend war beispielsweise die Reihe der "Landers-Teller", die er zu Ereignissen und Persönlichkeiten herausgegeben hat. Für das Mutter-und-Kind-Heim hat er sich ebenso engagiert wie für das Kurt-Kräcker-Heim. Aktiv gesungen hat Landers nie, aber er war die gute Seele der Fusternberger Sänger. Dazu war er seit 1963 Mitglied der Bürger-Schützen. Seinen Kontakten verdankten es die Schützen, dass Reichsapfelschützen zu den Bundespräsidenten Carstens und von Weizsäcker fahren durften.
Fast 60 Jahre war Landers mit seiner Frau Hannelore (84) verheiratet, hat neben den beiden Söhnen vier Enkelkinder. Der Abschied beginnt Freitag, 10 Uhr, in der Himmelfahrtkirche. Beisetzung ist ab 11 Uhr, Friedhof Caspar-Baur-Straße.
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