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Wesel: Weselerin hilft philippinischen Straßenkindern

zuletzt aktualisiert: 31.12.2009

Wesel (RPO). Seit September hilft Samantha Neu, Tochter des Weseler Theologen Dr. Rainer Neu, auf den Philippinen beim Straßenkinderprojekt "Gugma sa Kabataan". Ihre Kindheit hat die heute 19-Jährige in der Nähe von Cagayan de Oro verlebt, denn ihre Eltern arbeiteten von 1988 bis 1996 als Dozenten und Entwicklungshelfer in dem tropischen Land.

Foto: RPO

Bei uns berichtet Samantha Neu von ihren Erlebnissen:

"Ich bin wieder zu Hause. Ich habe es von Anfang an gemerkt, als ich in Manila gelandet bin. Mein Leben hier ist fantastisch. Ich blicke mich um und sehe überall kleine Dinge, die mein Leben nun ausmachen. Zum Beispiel das Hennatattoo auf meinem Arm.

Neben mir eine Tüte mit bunten Plätzchen, die wir mit unseren Kindern gebacken haben. Das war eine Freude ! Für die Kinder war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Plätzchen gebacken haben. Für uns – Conny, Bianca und mich – das erste Mal, seit wir hier sind, um ein bisschen an Deutschland zu denken. Ich habe die Zutaten aus Spendenmitteln gekauft, die ich aus Deutschland erhalten habe. Vielen Dank !

Samantha Neu (l.) aus Wesel mit ihren Schützlingen, die sie seit September in einem Tagescenter in Cagayan de Oro betreut. Ein bis zwei Stunden täglich sowie jeden Samstag können die rund 30 Straßenkinder dort spielen, lesen oder basteln. Foto: RPO

Starke Persönlichkeiten

Die Menschen sind so arm, leben von der Hand in den Mund. Und sind trotzdem so fröhlich und herzlich. Überall stehen die Türen und Herzen offen. Vor allem die Herzen unserer Kinder scheinen riesig zu sein. Aus ihnen schöpfe ich immer so viel Kraft, die ich auch brauche.

Denn trotz schöner Erfahrungen kann das Leben hier auch enttäuschend und erschreckend sein. Neulich stand ich beim Zahnarzt zwischen etlichen Patienten in einer Praxis mit Zangen und anderen Instrumenten und blutigen Wattebäuschen im Mülleimer. Der Gedanke daran, dass den beiden Mädchen, die unter meiner Obhut standen, gleich Zähne gezogen werden sollten, bereitete mir Übelkeit.

Aber dann das Lachen der beiden, ihre leuchtenden Augen. Alle diese Kinder haben eine starke Pesönlichkeit, einen so individuellen Charakter, der vermutlich durch ihr schweres Schicksal entstanden ist. Ich könnte hier über jedes unserer dreißig Straßenkinder Dutzende von Seiten schreiben. Aber als wir ihre Akten gelesen haben, ist Conny, Bianca und mir das gleiche aufgefallen: Die Lebensläufe sind sich erschreckend ähnlich.

Die Mutter traf einen Mann, wurde schwanger, der Mann verließ sie, sie fand einen neuen, wurde wieder schwanger, er verließ sie und so weiter. Die Mutter hatte mit den vielen kleinen Kinder keine Chance auf einen Arbeitsplatz, sie hungern, die Kinder müssen Geld anschaffen, indem sie Plastikflaschen aus dem Müll sammeln, betteln oder im schlimmsten Fall sich sogar prostituieren.

Bis ihnen dann eines Tages Minda über den Weg läuft. Minda, unsere gute Direktorin. Jeden Tag opfert sie ihr Leben für die Kinder. "Gugma sa Kabataan" bedeutet Liebe für Kinder. Es ist eine geringe Chance für sie, aber es ist eine. Hier finden sie Halt und Zuflucht. Mittagessen und Schulsachen. Liebe und Zuneigung. Es ist schade, das es nur ein Tagescenter für die Kinder ist. Dass sie also nur während ihrer Mittagspause zum Essen und nach der Schule am Nachmittag für ein oder zwei Stunden vorbeischauen. Nur an den Samstagen sind die Kinder den ganzen Tag im Center. Dann haben wir drei deutschen Freiwilligen die Chance mit den Kindern zu spielen, zu basteln oder eben auch zu backen.

Dies ist unsere letzte Arbeitswoche und dann sind Weihnachtsferien, die wir am Strand verbringen werden. Nach vier Monaten Arbeit mit dreißig Straßenkindern haben wir uns das auch verdient. Ich hoffe, Ihr kommt gut und gesund ins neue Jahr. Ende April sehen wir uns in Deutschland wieder."

Quelle: RP

 
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