Wesel: Wie der alte Fritz auf den Esel kam
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 23.02.2009Wesel (RPO). Fritz Pleitgen machte Essen statt Wesel zur Kulturmetropole. Für dieses unverzeihliche Vergehen gab's vom närrischen Parlament den Eselorden. Dr. "Jupp" Stratmann begleitete den ehemaligen WDR-Intendanten und brachte das Grautier mit Narrenmedizin ordentlich auf Trab.
"Im Karneval der großen Eselstadt gibt's 'nen Eselorden, den nicht jeder hat!" hieß es gestern am Tulpensonntag, als in Wesel zum 33. Mal die ebenso heiß begehrte wie gefürchtete Ehrung verliehen wurde. Die Niederrheinhalle war fest in der Hand der Narrenzunft, die zuhauf in bunten Kostümen herbeigeeilt war. Mit großem Bahnhof von Prinzenmariechen, Bürgerschützen, Tollitäten (Michael und Heike) und Tollitätchen (Niklas und Lena) sowie dem Närrischen Parlament in frisch gestärkten Ratsherr/innenkragen startete die Sitzung ins närrische Treiben.
Wesels erblondetes Stadtoberhaupt Ulrike hatte sich, standesgemäß edel, als Hofdame des Alten Fritz getarnt, galt ihre Laudatio diesmal doch dem bekannten Journalisten und Vorsitzenden der Geschäftsführung der "Ruhr 2010", Fritz Pleitgen. In der Stadt Wesel kam er zu Berühmtheit, weil er statt ihrer Essen zur Kulturhauptstadt NRW kürte und bei der Gründung des WDR-Lokalstudios völlig übersah, dass hier meist Themen aus Wesel gesendet würden.
Presseclub
Ein wahrer Presse-Frühschoppen tummelte sich diesmal auf der Narrenbühne in der Niederrheinhalle.
Drei Journalisten aus unterschiedlichen Generationen waren weit gereist an den Niederrhein: Ordenträger Fritz Pleitgen, einst WDR-Intendant, Tagesschau-Sprecher Jan Hofer (Eselorden'96), dessen Mutter in Büderich lebt, und Dr. Joachim Sobotta (Eselorden'84), langjähriger Chef-Redakteur der Rheinischen Post.
Alle bekamen den Stadtorden, auch Kapitänleutnant (KaLeu) Frank Domineak vom Patenschiff Tender Rhein.
Die Bewerbung des Doktors
Doch schlussfolgerte Ulrike hoffnungsfroh: "Fritz Pleitgen hat Wesels kulturelle Potentiale erkannt. Darum wird er zum neuen Eselsordenträger ernannt." Elegant, in weißem Sakko, doch noch schüchtern, erklomm der neue alte Fritz das störrische Tier. Das bunte Narrenvolk eroberte er im Sturm mit einem donnernden "Helau".
Zur Verstärkung kam gleich Doktor Ludger Stratmann mit. Der Kabarettist gäbe einen Top-Kandidaten für den nächsten Eselsorden ab, hatte er doch im Vorfeld verlauten lassen: "NRW besteht ja nicht nur aus dem Pott, sondern leider auch aus dem Niederrhein." Wenn das keine Bewerbung ist.
Adalbert Freddy Quinn
Zu Beginn hatte sich "Eisbrecher" und KVC-"Kapitän auf hoher See" Adalbert Gose im Playback-Eilverfahren Freddy Quinns Stimme geliehen. Fabelhafter Sängernachwuchs! Büttenredner Werner Völlings vom "Après-Ski-Männerclub" schoss mit humoristischen Eiszapfen auf die Welt der Frauen. Toll kostümierte Tanzgruppen machten sportlich Furore. Die Mädels der Kolpingtanzgarde warfen munter die Füße gen Himmel.
Die KVC-Wappen-Wiesel kamen schmissig als Seemannsbräute daher, ihre Wieselchen-Geschwister verpackten in farbenprächtigem Goldrausch die alten Römer in eine tolle Tanzgeschichte. "Nadine und Jan" bekamen für ihr filmreifes Duett "Piraten der Karibik" eine Rakete. Die Feldmarker Bauern bewiesen Klasse als amtierende Kreismeister im Männerballett. Kein Auge blieb trocken, als da ein stämmiges DJ-Ötzi-Duplikat zwei Mannsbilder durch die Lüfte schwenkte. Für flotte Tön' sorgten "Disharmoniker" und Nowak Band. "Jöhren and Friends" läuteten mit "Wir haben Ziegen im Stall" das Finale ein. Für einen aus der Prinzengarde, Page Volker Dederich, war's nach einem Jahrzehnt der letzte Akt. Doch nimmermüde sausten seine Hüften beim letzten feurigen Tanz. www.rp-online.de/wesel
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