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Wesel: Zeitreise ins Erdaltertum

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 12.03.2010

Wesel (RPO). "500 Millionen Jahre Niederrhein": Sonderausstellung im Heimatmuseum Bislich zeigt mit Fossilien aus Kiesgruben die spannende Geschichte der Veränderungen – von Flora, Fauna und Klima.

Zeugen aus der Zeit, als der Niederrhein ein Meer war, sind zum Beispiel diese versteinerten Turmschnecken.  Foto: RPO
Zeugen aus der Zeit, als der Niederrhein ein Meer war, sind zum Beispiel diese versteinerten Turmschnecken. Foto: RPO

Wer "keine Zeit" hat oder sich darüber beklagt, dass alles viel zu schnell geht, der sollte sich ab Sonntag (siehe Info) im Bislicher Heimatmuseum die Sondeausstellung "500 Millionen Jahre Niederrhein" ansehen. Dann bekommt er einen ganz andren Begriff von der Zeit und vielleicht auch vom Klimawandel. Den gab's hier nämlich immer schon. Wenngleich auch das "hier" relativ ist. So furchtbar lange ist der Niederrhein gar nicht da, wo er jetzt ist. Er lag auch schon mal am Äquator.

Versteinerte Lebenszeichen

Mit anschaulichen Karten über die Wanderungen und Veränderungen der Kontinentalplatten, Infofolien und Plakaten zu Flora, Fauna und Klima sowie Darstellungen der Erdschichten, die Museumspädagoge Peter Bruns organisiert hat, wird die Zeitreise ins Altertum des Planeten transparent. Die erläuternden Mittel begleiten die Schau von Ralf Schapfeld. Der Hobby-Paläontologe hat in 30 Jahren rund 3000 Fossilien aus den Kiesgruben in den Kreisen Wesel und Kleve zusammengetragen. Schon 1986 zeigte der gebürtige Anholter, der heute in Kalkar lebt, Fossilien in Bislich.

Info

Sonntag ist Eröffnung

Die Ausstellung "500 Millionen Jahre Niederrhein" wird am Sonntag, 14. März, um 11 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 15. September im Heimatmuseum Bislich zu sehen.

Im Sommer wird es ein Ferienprogramm für Kinder geben.

Öffnungszeiten: sonntags 14 bis 16 Uhr. Ab April: mittwochs 14 bis 16, sonn- und feiertags 10 bis 16 Uhr.

www.bislich.de

Die jetzige Schau beginnt mit versteinerten Lebenszeichen aus einer Zeit vor 542 Millionen Jahren. Da war die Erde schon gut vier Milliarden Jahre alt, hatte bis dahin jedoch lediglich einzelliges Leben vorzuweisen gehabt. Was sich dann entwickelte, hat teils bizarre Spuren hinterlassen. Manches schob sich Rhein und Maas hinab. Etwa die Versteinerung eines Salamanders aus dem Perm. Vor 299 bis 251 Millionen Jahren kam er aus der Pfalz hierher, erkennbar am typisch rötlichen Quarzit. Andere Funde stammen aus skandinavischen Gefilden, wurden in der Eiszeit von Norden bis an den heutigen Niederrhein gedrückt. Experten unterscheiden da zwischen Geschiebe- (Eis) und Geröll-Fossilien (Flüsse).

Anschauliche Karten, Infofolien und Plakate hat Museumspädagoge Peter Bruns (rechts) für die Bislicher Fossilienschau von Ralf Schapfeld angefertigt, der hier einen eindrucksvollen Mammut-Backenzahn präsentiert. Foto: RPO

Muscheln und Palmen

Originär niederrheinische Funde gibt es auch. Aus Zeiten etwa, als das Meer bis an die heutigen Mittelgebirge reichte oder auf seinem Rückzug sich hier eine Küstenlinie entwickelt hatte. Muscheln, Schnecken, Korallen, ein Walrückenwirbel und andere Funde sind die Zeugen.

Von überaus warmen Phasen des Tertiär kündet versteinertes Holz einer Palme. In der Saale-Eiszeit vor 200 000 Jahren indes lag eine 100 Meter dicke Eisschicht auf der Region. Allein in der letzten Million Jahre, so Ralf Schapfeld, hat es 20 gravierende Klimawandel gegeben. Der Sammler hat einen Draht zu den Kiesunternehmen. Bei ihnen darf er die so genannten Überkorn-Halden durchsuchen. Auf denen landen die unbrauchbaren Nebenprodukte der Auskiesung, die das Entstehen des Lebens erklären.

Quelle: RP

 
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