Hamminkeln: Zwakkelmanns "Kulturbeutel"
VON ISABELL HÜLSER - zuletzt aktualisiert: 16.04.2010Hamminkeln (RPO). "Provinzieller Deppen-Charme" statt Rockstar-Allüren: "Schlaffke" Wolff stellt heute die neue CD "Kulturbeutel" vor. Darin findet sich ein bunter Mix aus einprägsamen, humorvollen aber auch provozierend kritischen Stücken.
"Wat'n Akt, Kulturbeutel 2010 is´ gepackt", schreibt der Hamminkelner Musiker Reinhard Wolff auf der Internetseite über sein neuestes Werk. Wolff läuft in der Szene eher unter "Schlaffke", ein Spitzname, den er seinem Vater zu verdanken hat. Seit 27 Jahren macht der 44-Jährige (psst, schnell wieder vergessen) nun schon Musik. Angefangen hat alles mit der Punk-Band "Schließmuskel".
Die vierköpfige Truppe hat sich in der Musikszene deutschlandweit einen Namen gemacht. Unter anderem haben die Muskeln als Vorband der Toten Hosen gespielt. "Wir waren sogar ein paar mal in der Bravo", sagt Schlaffke stolz. 2001 löste sich die Band auf. "Das war bei uns so ein bisschen wie bei den Beatles", so Schlaffke in aller Bescheidenheit, "irgendwann sind uns die Ideen ausgegangen." Aber nach dem Musikprojekt ist vor dem Musikprojekt.
In der Kulturhauptstadt
Offiziell wird Zwackkelmanns "Kulturbeutel 2010" heute im Panic Room in Essen vorgestellt.
Samstag, 22. Mai, eröffnet "Zwakkelmann" das Festival "Ruhrpott-rodeo" in Hünxe, zu dem knapp 10 000 Besucher erwartet werden.
Anreisen werden er und seine Fans mit einem Trecker, von dessen Hänger er die ersten Songs spielen wird.
So startete Schlaffke, im richtigen Leben studierter Sozialwissenschaftler und Jugendleiter im Jugendhaus Anholt, vor sieben Jahren eine Solo-Premiere als "Zwakkelmann", benannt nach dem Zauberer in "Räuber Hotzenplotz".
Solo plus zwei
Musikalisch lässt sich der Stil mit dem der "Ärzte" vergleichen. In diesem Jahr ist aus dem Solo wieder ein Band-Projekt geworden. Sänger und Gitarrist Schlaffke wird von Schlagzeuger Techt Tetmeyer und Bassmann Marius Seidel unterstützt. Texte und Melodien aber stammen alle aus der Feder des Frontmanns. "Songs zu schreiben, ist einfach. Die Fleißarbeit beginnt bei den Texten", sagt Schlaffke, der sich Gitarrespielen selbst beigebracht hat und zwar im fortgeschrittenen Alter von 25 Jahren.
Der "Kulturbeutel 2010" ist nach "Spritztour" (2004), "Stubenhocker" (2006) und "Vollhorst" (2008) der vierte Tonträger. "Ich habe da den Reinhard-Mey-Rhythmus. Der macht auch alle zwei Jahre 'ne neue Platte." Auf der neuen CD verarbeitet Schlaffke wieder persönliche Erlebnisse und Eindrücke, wie zum Beispiel bei "Kontrolliertes Trinken". "Das beherrsche ich nicht, dabei vertrage ich eigentlich gar keinen Alkohol", sagt der Hamminkelner, der sich gern selbst auf die Schippe nimmt, wie beim Song "Orientierungskrüppel" und von Navi-Abhängigkeit handelt.
Auch die Menschen der Region werden auf kritische, aber humorvolle Weise beleuchtet. Genauso wie die "Kulturhauptstadt 2010". "Die Idee ist gar nicht so schlecht. Kultur führt ja sonst eher ein Schattendasein, während der Sport überbewertet wird", sagt der gereifte Punker. Er findet aber die Veranstaltungen für das jüngere Publikum eher langweilig.
Am Rande der Kulturhauptstadt stellt er nun sein neues Album, das passender Weise in einem Kulturbeutel verkauft wird, im Essener "Panic Room" vor. "Leider gibt es hier in der Nähe nicht sie richtige Location", sagt Schlaffke.
Punker haben's nicht leicht
Doch er bleibt der Heimatregion treu, auch wenn sie sich bisweilen schwer tut mit ihm. Seine Bewerbung für das Eselrock-Festival wurde abgelehnt. "Wenn die Leute Punk lesen, haben sie Angst, man benimmt sich daneben", vermutet er. Dabei sei er ganz harmlos. "Ich setze eher auf provinziellen Deppen-Charme statt einen auf dicken Rockstar zu machen." Typisch Schlaffke.
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