Fußball: Amateure im Fernseh-Abseits
VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 22.05.2008Die Basis ist empört über die Pläne der Deutschen Fußball-Liga, künftig zwei Bundesliga-Spiele sonntags um 14.45 Uhr anpfeifen zu lassen. Die Clubs der Region rechnen damit, dass die Zuschauerzahlen weiter sinken werden.
Das will die DFL
Künftig sollen drei statt nur zwei Bundesliga-Spiele sonntags stattfinden und im Pay-TV übertragen werden. Zwei Partien sollen um 14.45 Uhr angepfiffen werden, die dritte nicht vor 17 Uhr.
Außerdem sollen in der Zweiten Bundesliga sonntags vier Begegnungen ab 12.30 Uhr ausgetragen werden.
Wesel/Hamminkeln/Schermbeck Gut 150 000 Euro will der SV Schermbeck nach dieser Saison investieren, um den Waldsportplatz tauglich für die NRW-Liga zu machen. Denn der Westdeutsche Fußball-Verband stellt hohe Anforderung an die Ausstattung der Stadien für die neue Klasse. Schließlich erwarten die Funktionäre, dass die Massen strömen werden, wenn der Ball künftig in der dann nur noch fünfthöchsten Klasse rollt. Eine These, für die es von den Machern in den Clubs nur ein müdes Lächeln gibt. Wie Hohn in den Ohren müssen dem SVS da erst recht die Pläne der Deutschen Fußball-Liga klingen. Künftig sollen zwei Bundesliga-Partien sonntags um 14.45 Uhr angepfiffen werden – genau dann, wenn es auch in den Amateur-Klassen um Punkte und Tore geht.
„Verbänden sind die Kleinen egal“
Nicht nur für Johannes Brilo ist klar, was das bedeuten wird. „Da wird dem Amateur-Fußball der nächste Knüppel zwischen die Beine geworfen. Die Zuschauerzahlen sind seit Jahren rückläufig. Sie werden noch weiter zurückgehen, wenn es die Gelegenheit gibt, sonntags um 15 Uhr Bundesliga-Fußball bei Premiere im Fernsehen anzuschauen“, meint der Vorsitzende des SV Schermbeck. Auch SVS-Coach Martin Stroetzel befürchtet gravierende Auswirkungen für die kleinen Vereine. „Jetzt werden wir bei schlechtem Wetter keinen Fan mehr vom Sofa holen. Doch es geht um viel, viel Geld. Da sind den Verbänden die Kleinen ganz egal.“
Ganz klar: Die Basis ist empört, weil die Pläne jetzt umgesetzt werden, die schon seit langem diskutiert wurden. Die Macher vor Ort fühlen sich mehr und mehr in ihrem Eindruck bestätigt, dass die großen Verbände nicht zu wissen scheinen oder nicht interessiert, wie schwer die Arbeit in den kleinen Clubs geworden ist. „Das ist der nächste Schlag für den Amateur-Fußball. Viele Clubs leben ohnehin schon von der Hand in den Mund und sind auf jeden Zuschauer angewiesen“, schimpft Hans-Achim Peters, Vorsitzender des Fußball-Kreises Rees-Bocholt. „Das ist ein Hammer. So sind die Großen. Sie nehmen auf die Kleinen keine Rücksicht“, stellt Holger Spychalski, Fußball-Abteilungsleiter des PSV Wesel, fest. Und Jörg Gonschior, noch Trainer des Bezirksligisten Hamminkelner SV, ärgert sich: „Das Geld bestimmt den Fußball. Der Rest interessiert nicht mehr.“
Mehr Freitags-Spiele?
Die Aufregung ist groß. Nur ändern kann die Basis nichts. „Wir werden ja nicht gefragt, obwohl wir die Betroffenen sind. Meine Zustimmung dafür hätte es garantiert nicht gegeben“, sagt Kreis-Vorsitzender Peters. Doch den Clubs bleibt jetzt nur übrig, das Beste aus der Sache zu machen. Für Brilo ist es ein Thema, mehr Spiele auf den Freitagabend zu verlegen. Und er weiß, dass die Vereine jetzt noch mehr um jeden Fan werben müssen. „Wir müssen den Schermbeckern klar machen, dass es kommunikativer ist, bei Bratwurst und Bier bei uns ein Spiel zu gucken, als alleine vor dem Fernseher zu sitzen.“
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