Reiten: „Zickenfreie Zone“
VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 13.03.2008Seit eineinhalb Jahren findet beim RV Lippe-Bruch Gahlen eine reine Jungen-Reitstunde statt. Weniger „Drumherum“, dafür mehr „Action“ wird in dem Unterricht geboten. Der männliche Nachwuchs schätzt das Angebot.
Mädchen lieben Pferde, verbringen ihre Freizeit sehr gerne im Stall, schmücken ihr Zimmer mit Pferdepostern und lesen Pferdebücher. Die meisten Jungs dagegen halten Reiten für „Mädchenkram“ und spielen lieber Fußball oder gehen Schwimmen. Soweit das Klischee. Wahr ist, dass deutlich mehr Mädchen reiten als Jungen. Beim RV Lippe-Bruch Gahlen sind etwa 90 Prozent der jugendlichen Reiter weiblich. Bei anderen Vereinen dürfte das Geschlechterverhältnis ähnlich aussehen.
Im Turniersport bietet sich ein anderes Bild. Hier geben meist männliche Reiter den Ton an, vor allem in den höheren Leistungsklassen. Woran liegt das? „Jungen steigen oft später in den Reitsport ein, legen dann aber ganz anders los“, meint Christiane Rittmann, stellvertretende Vorsitzende beim RV Gahlen.
Wann und Wo ?
Die Jungenreitstunde beim RV Lippe-Bruch Gahlen findet in der Regel mittwochs ab 16 Uhr in der kleinen Reithalle statt.
Mitmachen können Jungen ab sieben Jahren, die schon über etwas Reiterfahrung verfügen. Ansprechpartner ist Markus Hoffrogge, Ruf 02362 3221.
Reiten mit „Spaßfaktor“
Seit eineinhalb Jahren bietet der Reitverein neben dem regulären Reitunterricht jeden Mittwochnachmittag eine reine Jungenreitstunde an. Bis zu sechs Reiter im Alter von acht bis zwölf Jahren nehmen derzeit daran teil. „Wir haben festgestellt, dass die Jungen sich untereinander einfach wohler fühlen“, sagt Rittmann. Vielen Mädchen sei beim Reiten auch das „Drumherum“ sehr wichtig, der emotionale Bezug zum Pferd beim Putzen und Pflegen. Jungen bräuchten dagegen mehr „Action“. Davon wird in der Jungenreitstunde einiges geboten.
Zu Beginn jeder Stunde findet ein normaler Reitunterricht statt. Danach bleibt immer noch Zeit für kleine Spiele mit Bällen oder Kegeln. Manchmal werden Wettrennen veranstaltet oder Wasserspiele im Sommer. „Die Jungen sollen natürlich etwas im Unterricht lernen, aber der Spaßfaktor steht im Vordergrund“, sagt Reitlehrer Markus Hoffrogge.
Jan-Lucas will Reitprofi werden
Jan-Lucas Schult ist einer der jungen Reiter in der Gruppe. Der Neunjährige schätzt den mädchenfreien Unterricht. „Zickenfreie Zone“ nennt es scherzhaft der Reitlehrer. „Mit den Mädchen kann man sich nicht so gut unterhalten“, meint Jan-Lucas. Mit seinem Pony-Wallach „Flash“ war er schon bei vielen Turnieren dabei und hat sogar erste Plätze belegt. Am liebsten würde er Reitprofi werden.
Entwickeln Mädchen beim Reiten weniger Ehrgeiz und schaffen es deshalb seltener an die Spitze ? Rittmann glaubt nicht daran. Oftmals seien Frauen einfach stärker familiär eingebunden. „Das ist eine Frage der Generationen. Heute spielen ja auch viel mehr Mädchen Fußball“, so Rittmann. Auch im Reitsport werde sich künftig einiges ändern. „Die Frauen sind im Kommen“, meint Hoffrogge.
An der „Basis“ bemüht sich der Verein weiter verstärkt um den raren männlichen Reiternachwuchs. Die vor einem Jahr gegründete Reitsport-AG der benachbarten Grundschule bringt viele Kinder ans Pferd, die sonst keine Möglichkeit dazu hätten. „50 Prozent der Jungen sind voll dabei. Da sagt keiner: Das ist aber Mädchenkram“, berichtet Rittmann.
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