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Sport: "Bündnis gegen den Sport"

VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009

Die Ampel-Koalition drückt Nutzungsgebühren für die Vereine ab 2011 durch. Einzig Thomas Lemken (Grüne) schert aus dem Bündnis aus, "weil der Prozess viel kaputtgemacht hat". Stadtsportverband prüft Bürgerbegehren.

Enttäuschung beim Sport über das Abstimmungsergebnis (von links): Heinz Albert Weber, Dieter Kloß, Walter Großmann (alle Stadtsportverband), Karl-Heinz Messerschmidt (HSG Wesel) und Frank Rothkopf (Stadtsportverband).  Foto: RPO
Enttäuschung beim Sport über das Abstimmungsergebnis (von links): Heinz Albert Weber, Dieter Kloß, Walter Großmann (alle Stadtsportverband), Karl-Heinz Messerschmidt (HSG Wesel) und Frank Rothkopf (Stadtsportverband). Foto: RPO

Die Proteste des Sports waren vergeblich. Die Vereine werden zur Kasse gebeten. Die Ampel-Koalition beschloss gestern im Rat, dass die Clubs ab 2011 zahlen müssen, wenn sie die städtischen Anlagen fürs Training nutzen. "Das ist ein schlechter Tag für den Sport", sagten Heinz-Albert Weber, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, und sein Stellvertreter Frank Rothkopf, die wie viele Vertreter des Sports enttäuscht vom Ergebnis der geheimen Abstimmung (27:23) waren.

"Intransparente Modelle"

Es war aber auch kein guter Tag für die neue Mehrheit im Rat. Denn der Eindruck blieb in einer langen, emotionalen Diskussion haften, dass die Ampel-Koalition (SPD, Grüne, FDP, UWW) mit Macht ein Ergebnis durchdrücken wollte, um politisch nicht weiter an Gesicht zu verlieren, nachdem es schon schwere Pannen für sie gegeben hatte. Die Pläne waren im Vorfeld in den Fraktionen des Bündnisses von einigen Politikern hart kritisiert wurden. Doch einzig Thomas Lemken (Grüne) traute sich gestern, aus dem Bündnis auszuscheren und mit CDU und Linke gegen die Gebühren zu stimmen.

Info

Der Beschluss

Die Vereine müssen ab 2011 entweder eine Nutzungsgebühr (2,50 Euro je Halleneinheit und Sportplatz pro Stunde) oder eine "Kopfpauschale" von monatlich einem Euro pro erwachsenes aktives Mitglied zahlen.

Die Stadt rechnet mit 35 000 Euro Einnahmen – ursprünglich wollte sie 75 000 Euro kassieren.

"Mit diesem Prozess ist in Wesel viel kaputtgemacht worden. Vertrauen ist in der ganzen Diskussion ein Fremdwort geblieben, weil es intransparente Modelle und keinen akkuraten Dialog mit den Vereinen gab", kritisierte Lemken. Er sehe generell die Notwendigkeit zum Einstieg in das Thema. "Doch nicht jetzt und nicht so", meinte der Grüne, der wie die FDP die Gründung einer Sport- und Freizeitstätten GmbH vorschlug. Doch der von Thomas Lemken und Ulrich Kuklinski (Linke) geäußerte Vorschlag, die Abstimmung zu verschieben und neu in die Gespräche mit dem Stadtsportverband und den Vereinen einzusteigen, fand kein Gehör.

Spelmanns: "Ein Trauerspiel"

Ansonsten wurden die hinlänglich bekannten Argumente ausgetauscht, wobei Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sich nur in der Rolle der Moderatorin sah, aber selbst nicht Stellung bezog. Immerhin hatte auch sie einen Einstieg in die Diskussion gewünscht, bei der die Fronten bis zum Schluss unverändert verhärtet blieben, weil schon zu Beginn mit einem untauglichen Gebührenmodell aus dem Dezernat von Kämmerin Gabriele Klug viel Porzellan zerschlagen worden war. CDU-Fraktionschef Rudi Spelmanns bezeichnete die Gebühren gestern als "ein Trauerspiel". Sein Gegenüber Ludger Hovest (SPD) als notwendig, um für Gerechtigkeit zu sorgen, weil Vereine teilweise schon zahlen müssen.

Der Stadtsportverband will jetzt prüfen, ob er ein Bürgerbegehren starten kann. "Das ist kein Bündnis für Wesel, sondern ein Bündnis gegen den Sport", wetterte Rothkopf. Er kritisierte heftig, "dass ein Verband mit 18 000 Mitglieder vor Beginn der Diskussion nicht gefragt, sondern direkt vor vollendete Tatsachen gestellt wurde."

Quelle: RP

 
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