Fußball: „Die Türkei ist Außenseiter“
VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 24.06.2008Türkische Fußballer in Wesel sind stolz auf das Abschneiden der Mannschaft von Trainer Fatih Terim bei der EM. An einen Erfolg morgen im Halbfinale gegen Deutschland glauben sie wegen der Personalsorgen aber nicht.
Kadir Güzel, Ismet Balci, Polat Aydin und Aycin Özbek leben schon lange in Deutschland und spielen seit vielen Jahren in Weseler Clubs. Doch morgen schlägt ihr Herz für die Türkei, wenn die Mannschaft von Trainer Fatih Terim im Halbfinale der Europameisterschaft auf Deutschland trifft. Die vier Kicker sind stolz auf das, was ihr Team bislang erreicht hat. Sie träumen vom Titel. Aber: Sie sehen die Türkei gegen Ballack und Co nur als Außenseiter.
„Deutsche Tugenden“
„Ich würde es der Türkei gönnen, wenn sie Europameister wird. Denn sie hat noch keinen großen Titel gewonnen. Doch ich gehe davon aus, dass Deutschland ins Endspiel kommt, da die Türkei zu viele wichtige Akteure ersetzen muss“, sagt Kadir Güzel vom PSV Wesel. Er hat sich die bisherigen Partien immer mit Teamkollegen und Freunden angeguckt und ist vom Abschneiden der Türkei überrascht. „Ich hatte nicht gedacht, dass wir so weit kommen würde“
Großleinwände
Das Halbfinal-Spiel Deutschland gegen die Türkei wird Wesel nach dem Springer-Meeting des Weseler TV (Beginn 18 Uhr) und in der Niederrheinhalle (Einlass ab 19 Uhr) auf einer Großleinwand gezeigt.
„Wir haben das Halbfinale mit deutschen Tugenden erreicht. Der Kampfgeist des Teams ist bewundernswert“, sagt Ismet Balci, der für den Weseler SV, BW Wesel und PSV Wesel kickte. Er war immer dabei, wenn bei der Europameisterschaft nach türkischen Siegen ein Autokorso durch Wesel startete. „Nach dem Erfolg im Viertelfinale waren es bestimmt 150 Auto, die durch die Stadt gefahren sind. Die Stimmung war toll“, meint Balci. Er glaubt aber nicht so recht daran, dass es morgen erneut Anlass zur ausgelassenen Feier gibt. „Wenn wir nicht so viele Ausfälle hätten, würden die Chancen fünfzig zu fünfzig stehen. So ist die Türkei nur Außenseiter.“
Aycin Özbek, Trainer von Wesel Anadolu Spor, ist „unheimlich stolz auf das, was die Jungs geschafft haben“. Er wundert sich über das Stehvermögen des türkischen Teams. „Sonst waren die Spieler immer nach 75 Minuten platt. Jetzt kämpfen sie gegen Kroatien 120 Minuten bis zum Umfallen und geben nie auf“, sagt Özbek, der wegen der angespannten Personalsituation im türkischen Team glaubt, „dass Deutschland gewinnt“.
„Wir können nur gewinnen“
„Ich würde mich freuen, wenn Deutschland Europameister wird. Schließlich lebe ich seit vielen Jahren in diesem Land. Doch noch mehr würde ich mich freuen, wenn die Türkei den Titel holt“, meint Polat Aydin, langjähriger Spieler des Weseler SV. Er hat die bisherigen Partien immer im Restaurant seines Bruders am Kornmarkt gesehen. „Da war eine Super-Atmosphäre. Ich hoffe, dass es auch am Mittwoch der Fall sein wird, wenn Türken und Deutsche sich das Spiel gemeinsam ansehen“, sagt Aydin. Er sieht die Türkei auch nur in der Rolle des Außenseiters. „Doch ein verwundeter Tiger ist gefährlich. Und wir können ja nur gewinnen.“
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