Sportlerball: Kecke Sportler, mäßige Show
VON MICHAEL ELSING - zuletzt aktualisiert: 14.01.2008Das große Fest des Weseler Sports bot in diesem Jahr Licht und Schatten. Während die geehrten Sportler in der Niederrheinhalle vor 500 Zuschauern lockere Auftritte hinlegten, war das Showprogramm allenfalls solide.
Als Heinz-Albert Weber sich kurz nach 23 Uhr den Fragen der Rheinischen Post stellte, da wirkte er ein wenig geschafft, aber zufrieden. Der Vorsitzende des Stadtsportverbandes war sichtlich froh, dass die sechsmonatige Vorbereitung für den Weseler Sportlerball am Samstag mit der von etwa 500 Zuschauern besuchten Veranstaltung in der Niederrheinhalle ihr Ende fand. Und die Arbeit hatte sich aus seiner Sicht durchaus gelohnt. „Wir haben die Besucherzahl aus dem Vorjahr wieder erreicht. Und ich hatte das Gefühl, dass die Stimmung in der Halle besser als im Vorjahr war. Außerdem ist es uns gelungen die Vielfalt des Weseler Sports zu zeigen“, sagte Weber.
Was letzteren Punkt betraf, konnte man ihm nur beipflichten. Selten zuvor wurden den Zuschauern des Balls so viele unterschiedliche Sportarten präsentiert. Entweder demonstrierten jene Sportler ihr Können direkt vor Ort oder besaßen die Gelegenheit, im Rahmen der Ehrungen über ihren Sport zu erzählen. Die Auszeichnung der Sportler des Jahres zählte dann auch, ganz im Sinne der Veranstaltung, zu den Höhepunkten des Abends.
Auftakt mit Dudelsack
Den Auftakt beim Sportlerball 2008 bildete die Dudelsack-Gruppe „Mc Bricht Greenland Pipes & Drums“, die, in traditioneller Kleidung gewandet, in die Niederrheinhalle einmarschierte. Die Musik-Gruppe aus Bricht, die erst seit zweieinhalb Jahren besteht, war bereits erstaunlich versiert an den Instrumenten.
Nach der Begrüßung durch den erneut fehlerlosen Moderator Peter Roelvinck wurden die Organisatoren des Hanse-Citylaufs, an dem im vergangenen Jahr 1900 Läufer teilnahmen, für die Abwicklung dieses Events geehrt.
Wienhausen will warten
Das lag vor allem an den zum Teil kecken Aussagen der Geehrten. Der neue Sportler des Jahres, Hanno Wienhausen, ließ die Zuschauer beispielsweise wissen, dass er seine Ruder-Laufbahn erst wieder fortsetzen wird, wenn der aktuelle Bundestrainer in Pension geht. Wolfgang Ritte, hinter Wienhausen auf dem zweiten Rang, legte einen sympathischen Auftritt hin und gab das Preisgeld, das er für seine Platzierung erhielt, an seinen Verein Weseler TV weiter, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Gleichzeitig gab Moderator Peter Roelvinck noch bekannt, dass Ritte Stunden zuvor in Wesel in der Altersklasse M 55 einen neuen Weltrekord im Stabhochsprung (4,20 Meter) aufgestellt hatte.
Sehr souverän berichtete auch die 16-jährige Fußball-Jugendnationalspielerin Inka Wesely, Nummer drei hinter Ute Ritte und Verena van der Linde, über den bisherigen Verlauf ihre Karriere.
Die Lacher auf seiner Seite hatte schließlich Christian Schumann vom Weseler Schachverein. Auf Roelvincks Frage, ob das Vorurteil stimme, dass es sich bei jugendlichen Schachspielern um etwas blässliche Stubenhocker handeln würde, antwortete er: „Nein, wie sie sehen, haben wir auch schöne Mitglieder. Und wir tragen auch nicht alle eine Hornbrille.“ Die Jugendmannschaft des SV Wesel landete hinter den Frauen der HSG Wesel und vor dem Quadrillen-Team des RV Obrighoven auf dem zweiten Platz.
„Andächtige Stille“
Vor, während und nach den Ehrungen war der Sportlerball jedoch streckenweise eine recht zähe Angelegenheit. Begeisterungsstürme auf den Rängen löste das Show-Programm jedenfalls nicht aus. Zum Auftakt warteten die Besucher vergeblich darauf, dass Heinz-Albert Weber oder Bürgermeisterin Ulrike Westkamp in ihren Begrüßungsreden ein wenig auf das vergangene Sportjahr in Wesel eingingen. Die Band „City-Sound“ gab sich nur wenig Mühe, die Ehrungen oder die Showteile musikalisch zu untermalen. Auch die versteckten Hinweise von Roelvinck, der hin und wieder von „andächtiger Stille“ sprach, halfen da nichts. Fußball-Artist Nejad Brajic spulte seine Tricks artig herunter und selbst die Publikumslieblinge von 2006, die Breakdance-Gruppe „High Energy“, kam trotz ihrer immer noch sehenswerten Show nicht an die damalige Klasse heran. Dafür deuteten aber sowohl der Shotokan Karate Wesel als auch die Voltigierreitgemeinschaft „In den Auen“ an, dass es in Weseler Vereinen Sportler gibt, die im Stande sind, erstaunliche Leistungen zu vollbringen.
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