Körper und Geist
VON MICHAEL ELSING - zuletzt aktualisiert: 07.02.2008Die strengen Regeln, die beim Shotokan Karate Wesel vorherrschen, hindern die Mitglieder nicht daran, eine Menge Spaß bei der Ausübung ihres Sports zu haben. Vor allem Jugendliche kommen regelmäßig zum Training.
Es herrscht eine beinahe andächtige Stille in der Halle der Hansaring-Schule an der Rheintorstraße. Sämtliche Teilnehmer am Training knien auf dem Hallenboden, schließen die Augen und konzentrieren sich auf das, was sie in den nächsten 90 Minuten erwarten wird. Das Zusammenwirken von Körper und Geist, charakteristisch für den Karate-Sport, ist in diesem Moment greifbar.
Für die Mitglieder des Shotokan Karate Wesel sind diese Rituale selbstverständlich. Disziplin und Respekt – das haben sie von Beginn an gelernt. Der Trainer muss nicht in der Halle sein, damit sich seine Schützlinge vor dem „Dojo“, dem Ort, an dem Karate betrieben wird, verbeugen, bevor sie ihn betreten. „Dieser Ort ist heilig. Es ist der Ort, an dem wir uns verändern und wo wir bereit sind, alles zu geben“, sagt Michael Jarchau, Vorsitzender und Trainer des Shotokan Karate Wesel.
Trainingszeiten
Jeden Montag (16.30 bis 22 Uhr), Mittwoch und Freitag (jeweils von 18.30 bis 22 Uhr) wird in der Halle der Hansaring-Schule trainiert.
Anfänger-Lehrgänge bietet der Verein regelmäßig an. Altersbeschränkungen gibt es nicht. Das jüngste Mitglied ist sechs Jahre, das älteste Mitglied 60 Jahre alt.
Excellente Ausbildung
Der 50-Jährige lebt vor, was anschließend von der Gruppe umgesetzt wird. „Wir könnten womöglich mehr Mitglieder haben. Aber wir wollen die traditionelle Schiene weiter verfolgen“, erklärt Jarchau die Strenge, die auch im Training herrscht.
Dass er den Nachwuchs mit dieser Linie durchaus erreicht, zeigt ein Blick auf die Mitgliederstatistik. 80 der 120 Vereinszugehörigen sind Jugendliche. Und auch die Erfolge geben dem Coach Recht. Regelmäßige Teilnahmen an Landestitelkämpfen sind für den Club nichts Ungewöhnliches. Im letzten Jahr waren fünf Shotokan-Kämpfer bei der Deutschen Jugendmeisterschaft dabei.
Ein Grund für diese Spitzenresultate ist ohne Frage auch die excellente Ausbildung. Sämtliche Trainer besitzen einen Übungsleiter-Schein. Alles sind mindestens im Besitz des 1. Dan (Karate, Stilrichtung Shotokan). Der Name dieser Stilrichtung geht übrigens auf den Gründer Funakoshi zurück, dessen Künstlername „Shoto“ lautete (Shotokan = Haus des Shoto).
Der Besuch der Rheinischen Post unterbricht das Training zu keinem Zeitpunkt. Jarchau leitet das Aufwärm-Programm. Anschließend beginnen die ersten Partner-Übungen. Auch hier ist die Verbeugung obligatorisch. „Das ist gleich zu setzen mit dem Schütteln der Hände. Wir demonstrieren den Respekt und die Dankbarkeit, dass der Partner uns die Möglichkeit gibt, mit ihm zu trainieren“, erläutert Jarchau.
„Weg der leeren Hand“
Ganz bewusst wird dabei auf die Wirkung von Treffern verzichtet. Auch hierzu liefert Michael Jarchau eine Erklärung, die im Wort Karate steckt. „Übersetzt bedeutet Karate nichts anderes als der Weg der leeren Hand.“ Die Hand ist also nicht bewaffnet, wenn sich die Partner gegenüber stehen. Der Trainer streicht damit gleichzeitig heraus, dass beim Shotokan Karate Wesel ein kontaktloser Sport betrieben wird. „Wer bereit ist, sich zu schlagen, wird bei uns nicht klar kommen“, ist seine Überzeugung. Der Rest kommt prima klar. Und hat auch noch eine Menge Spaß dabei.
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