Fußball: NRW-Liga: SVS gibt nicht auf
VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 22.02.2008Informationsveranstaltung zum „NRW-Liga-Statut“: Verband rückt trotz der Kritik der Vereine nicht von seinen hohen Anforderungen an die Stadien ab. Der Frust beim SV Schermbeck ist groß. Doch er will weiter kämpfen.
Der SV Schermbeck am Tag nach der Informationsveranstaltung des Westdeutschen Fußball-Verbandes zum „NRW-Liga-Statut“. Ein Verein, der große Sorgen hat, dass von Funktionären zerstört wird, was er über Jahre mit, so Trainer Martin Stroetzel, „viel Herzblut aufgebaut hat“. Ein Club, der fürchtet, nicht die Zulassung für die Oberliga NRW zu erhalten und dann wieder in den Niederungen des Amateur-Fußballs zu verschwinden. „Der Frust ist groß. Doch wir geben nicht auf“, sagte Trainer Martin Stroetzel. Bei ihm lebt der Traum NRW-Liga weiter. Vorsitzender Johannes Brilo klang schon mutloser. „Ich weiß derzeit nicht, wie wir das schaffen sollen.“
„Unausgegoren“
Vorsitzender Johannes Brilo bezeichnete das Konzept des Verbandes für die Oberliga als „unausgegoren“. Sein Vorwurf: „Der DFB schneidet die Nabelschnur zur Basis immer mehr ab.“
Heinz-Leopold Schneider, Spielausschuss-Vorsitzender des Westdeutschen Verbandes, konterte die Kritik der Clubs bei dem Treffen. „Es wird niemand gezwungen, in der NRW-Liga zu spielen.“
Fakt ist: Der Verband hat am Mittwoch bei dem Treffen in Duisburg keinen Zweifel daran gelassen, dass er umsetzen will, was er im 72-seitigen Horrorkatalog mit dem Titel „NRW-Liga-Statut“ festgelegt hat (RP berichtete). Das fängt bei VIP-Parkplätzen und Telefonanschlüssen für Journalisten an und hört bei einem Gästeblock für 300 Fans, der mit einem 2,20 Meter hohen Zaun abgetrennt werden muss, auf.
„Die wissen nicht, was abgeht“
Den Clubs wurde zwar in Aussicht gestellt, dass sie gewisse Übergangsfristen erhalten könnten, um die Auflagen zu erfüllen. Doch Harald Mayer, DFB-Experte für Sicherheitsfragen, ließ keinen Zweifel daran, dass dies der Standard sein wird, der verlangt wird. Und dies, obwohl die Emotionen bei den rund 80 Vereinsvertretern hohe Wellen schlugen. „Die wissen nicht, was im Amateur-Fußball abgeht“, meinte Stroetzel mit Blick auf die Forderungen der Funktionäre.
Doch Stroetzel wäre nicht Stroetzel, wenn er die Flinte jetzt ins Korn werfen würde. „So schnell lässt sich der SV Schermbeck nicht nehmen, was er erreicht hat. Wir müssen jetzt kühlen Kopf bewahren, aber auch Vollgas geben“, meinte er. Die Zeit drängt. Bis zum 15. März muss das Zulassungsverfahren für die Stadien in Duisburg vorliegen. Der SVS will nun versuchen, die Sicherheitsexperten vom Verband so schnell wie möglich zu einem Ortstermin am Waldsportplatz einzuladen. „Daran sollten auch der Bürgermeister und die Politik teilnehmen“, sagte der Coach. Anschließend würde der Verein dann wissen, ob er in Schermbeck überhaupt in der NRW-Liga auflaufen könnte. Wobei Vorsitzender Brilo erklärte: „Wir werden kein wirtschaftliches Harakiri betreiben. Die Investitionen müssten in einem angemessenen Rahmen bleiben.“ Zumal es auch nicht viel Sinn macht, große Summen einzusetzen. Schließlich steht der Bau einer neuen Anlage im Raum.
Alternativen: Wesel, Kirchhellen
Sollte der SVS die Auflagen für die NRW-Liga in Schermbeck nicht erfüllen können, könnte er noch versuchen, seine Spiele woanders auszutragen (Wesel, Kirchhellen). Scheitert auch dies, wäre die NRW-Liga, für die er derzeit sportlich qualifiziert wäre, für ihn gestorben. Dann würde es wohl gleich einige Klassen nach unten gehen. „Denn ich kann schlecht mit einer Mannschaft in der Verbandsliga antreten und den Spielern sagen, dass wir nicht aufsteigen dürfen“, meinte Stroetzel. Doch mit einem Rückzug will er sich vorerst nicht beschäftigen. „Darüber können wir uns vielleicht in einigen Wochen unterhalten. Jetzt aber nicht.“ Der SV Schermbeck gibt noch nicht auf.
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