Fußball: Nur die Hoffnung ist geblieben
VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 01.05.2007RP-Analyse PSV Wesel glaubt weiter an seine Titelchance. Doch kann er sich zum letzten Kraftakt aufraffen? Denn er ist nicht mehr mit dem Team zu vergleichen, das in der Hinrunde nach Belieben durch die Liga spazierte.
Der Kapitän spielte den Muntermacher. Kadir Güzel ging nach dem Abpfiff des Gipfeltreffens die Reihen der Seinen ab und sprach ihnen Mut zu. „Weiter! Es ist noch alles offen“, sagte der Kicker mit der Nummer zehn auf dem Rücken zu seinen Mitspielern im Team des PSV Wesel, die nach dem 1:1 gegen Spitzenreiter SuS Dinslaken 09 auf dem Rasen hockten. Die Enttäuschung war wie eine Woche zuvor nach dem 2:2 im Derby bei BW Wesel groß beim Titelanwärter, der seit Sonntag nicht mehr aus eigener Kraft Meister in der Fußball-Bezirksliga werden kann. Für Güzel ist das kein Grund, den Traum vom Landesliga-Aufstieg zu begraben, nachdem der PSV eine Woche nach dem Lokalduell die nächste große Chance vergeben hatte, sich im Titelrennen bestens zu positionieren.
Die Hürden für den SuS
Für Jens Grote, Trainer des SuS Dinslaken, ist die Partie beim SV Friedrichsfeld die höchste Hürde auf dem Weg zum Titel. Der Spitzenreiter tritt am letzten Spieltag beim Nachbarn an.
PSV-Coach Werner Lehwald hofft, dass der SuS schon am Sonntag gegen den VfL Rhede II Federn lässt. „Das ist eine sehr schwere Aufgabe, weil Rhede die zweite Mannschaft zuletzt mit Akteuren aus dem Verbandsliga-Team verstärkt hat“, sagte er.
Jetzt sind drei Siege Pflicht
„Wir schaffen das. Dinslaken wird auf jeden Fall noch Punkte lassen. Davon bin ich überzeugt“, meinte Güzel, der am Sonntag 25 Jahre alt geworden ist. Ein Geschenk im Form eines Sieges gab’s für ihn im Spiel der Spiele nicht. Der PSV schaffte es nur bis zur 80. Minute, in Unterzahl das 1:0 zu verteidigen, das David Meyer schon nach 240 Sekunden gelungen war.
Bei nur einem Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter ist es wahrlich erlaubt, weiter daran zu glauben, im August auf der neuen Anlage am Molkereiweg in höherer Klasse auflaufen zu können. Zumal der SuS Dinslaken nicht vor Souveränität strotzte, als er vor 800 Zuschauern im Stadion Ost nach der Gelb-Roten Karte für PSV-Kicker Dennis Derr ab der 58. Minute in Überzahl versuchte, den Ausgleich zu markieren. Doch nicht erst seit Sonntag sind leise Zweifel angebracht, ob der PSV Wesel sich zum letzten Kraftakt aufraffen kann, Siege in den restlichen drei Partien zu schaffen. Die sind Pflicht, um bei einem eventuellen Dinslakener Ausrutscher noch den Titel zu holen.
Denn der Tabellenzweite ist nicht mehr mit der Mannschaft zu vergleichen, die in der Hinrunde fast nach Belieben durch die Bezirksliga spazierte. Damals hatte er die Gelegenheit, das Titelrennen, das jetzt ein Krimi ist, zum Langeweiler werden zu lassen. Doch der PSV vergab die Chance, den jetzigen Tabellenführer auf neun Punkte zu distanzieren. Er setzte in der Hinrunde beim 3:5 in Dinslaken eine 3:2-Führung in der Schlussphase fast schon fahrlässig aufs Spiel, weil er munter weiter stürmte, statt den Vorsprung clever zu verwalten. „Von einer Niederlage in dieser Partie hätten wir uns nie mehr erholt“, gibt Jens Grote, Coach des SuS 09, zu.
Jetzt hat er mit seinem Team die Trümpfe in der Hand. Und dem Verfolger bleibt nur das Prinzip Hoffnung. Mit einer Mannschaft, die fast am Ende ihrer Kräfte ist, was am Sonntag deutlich wurde. Der PSV der Hinrunde hätte sich nicht so in die Defensive drängen lassen, wie es am Sonntag über weite Strecken geschah. Er hätte auch nach dem Platzverweis gegen Derr weiter seine Chance gesucht, die Führung auszubauen, besser gekontert. Und sich nicht nur darauf verlassen müssen, den Dinslakener Ansturm irgendwie zu überstehen.
Personelle Probleme
Das blieb als einziges Mittel für eine Mannschaft übrig, die nicht nur personell arg geschwächt ist, da sie wichtige Kräfte wie den Mittelfeld-Strategen Carsten Bossow (Kreuzbandriss) ersetzen muss. Der PSV leidet auch darunter, dass Akteure, die am Sonntag in der Startelf standen, weit von ihrer Normalform entfernt sind. Sebastian Schöneberg etwa kann wegen einer Wadenverletzung seit Monaten nicht vernünftig trainieren. Er ist nicht annähernd in der körperlichen Verfassung, dem Spiel der Mannschaft so den Stempel aufzudrücken, wie er es in der Hinrunde eindrucksvoll tat. Auch Andre Vieira ist wegen einer Knieverletzung in seinen Möglichkeiten eingeschränkt.
Deshalb lastet auch zu viel Verantwortung auf den Schultern von Kadir Güzel. Der mühte sich am Sonntag nach Kräften, den PSV auf Titelkurs zu halten. Auch nach dem Abpfiff. Ob die Mannschaft wirklich noch an sich glaubt, wird sich jetzt schnell zeigen.
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