Tischtennis: Raue Sitten an der Platte
VON MICHAEL ELSING - zuletzt aktualisiert: 21.02.2008Der Tischtennis-Kreis Niederrhein beklagt zunehmende Aggressivität und Alkoholkonsum beim Spiel mit dem Zelluloid-Ball. Auch Dieter Kiehle von GW Flüren hat den Wandel in Sachen Fairness bereits festgestellt.
„Fair ist vorn“
Der Tischtennis-Kreis Niederrhein hat eine Image-Aktion unter dem Motto „Fair ist vorn“ gestartet.
Die Vereine des Verbandes haben hierzu Werbematerial in Form von Postern, Flyern und Stickern erhalten, die im Umfeld des jeweiligen Clubs angebracht werden sollen.
Für den Tischtennis-Laien klingt es schon ein wenig unwirklich, wenn von rauen, harten, zum Teil sogar unfairen Sitten in diesem Sport die Rede ist. Schließlich kommt es während eines Spiels ja zu keinem Körperkontakt – wie sollen da Aggressionen entstehen ? Doch der Tischtennis-Kreis Niederrhein hat jetzt Alarm geschlagen und Vereinsvertreter, Trainer, Betreuer und Aktive in einem Rundschreiben zu mehr Fairness aufgerufen.
Die Beispiele, die dort genannt werden und die sich in der jüngsten Vergangenheit gehäuft haben, sind haarsträubend. Von üblen Beleidigungen, Denunziantentum und Alkoholmissbrauch ist da die Rede. Dieter Kiehle, Tischtennis-Abteilungsleiter bei GW Flüren, bestätigt die Beobachtungen des Kreises. „Da ist schon was dran. Die Spieler werden immer aggressiver. Das hat sich in den letzten Jahren so entwickelt“, sagt Kiehle, den vor allem ein Aspekt gewaltig stört. „Der Alkoholkonsum während einer Partie muss wirklich nicht sein“, so Kiehle, der es sogar schon erlebt hat, dass Akteure im Verlauf einer Begegnung eine Flasche Bier unter dem Tisch positioniert hatten. Dass sich Spieler wunderten, wenn Kiehle ihnen in der Flürener Turnhalle das Trinken von Alkohol verbot, zeigt, wie selbstverständlich ein solches Verhalten im Tischtennis mittlerweile ist.
Rundschreiben hängt in Halle
Und deshalb kann sich der Funktionär auch mit der Aktion des Verbandes absolut identifizieren. Das besagte Rundschreiben hängt in der Flürener Turnhalle aus. Den Kindern und Jugendlichen im Verein hat Kiehle die entscheidenden Passagen sogar vorgelesen.
Mathias Frensch, der beim Weseler TV an der Spitze der Tischtennis- Abteilung steht, schätzt die Situation nicht ganz so dramatisch ein. „In meinen Spielen habe ich noch keine zunehmende Aggressivität oder Unfairness feststellen können“, sagt der momentan wegen eines Wadenbeinbruchs zum Zuschauen verurteilte Akteur des Verbandsligisten.
Vorbild Timo Boll
„Wir sind immer noch ein extrem fairer Sport“, meint Frensch und führt Deutschlands Aushängeschild Timo Boll an, der für sein faires Auftreten bekannt ist und der im Jahr 2002 mit der Fair-Play-Trophäe ausgezeichnet wurde, weil er bei einem hochkarätigen Turnier einen Regelverstoß seines Gegners im Interesse des Sports akzeptierte und anschließend sowohl das Match als auch noch jede Menge Preisgeld verlor.
„Trotzdem unterstütze ich das Vorgehen des Verbandes. Wir versuchen schon im Schüler- und Jugendbereich den Spielern ein vernünftiges Verhalten an der Platte beizubringen“, erklärt Frensch.
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