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Fußball: SVS: „Die wollen uns nicht“

VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 12.02.2008

Sportlich ist der SV Schermbeck auf dem Weg in die NRW-Liga. Die Frage ist, ob er die Zulassung erhält. Denn der Verband fordert in den Stadien getrennte Zuschauersektoren, VIP-Räume und 40 Quadratmeter große Kabinen.

Schermbecker Stadion-Tristesse: Die Anlage des SVS erfüllt nicht annähernd den Standard, den der Westdeutsche Fußball-Verband für einen Start in der Oberliga NRW verlangt.  Foto: RPO
Schermbecker Stadion-Tristesse: Die Anlage des SVS erfüllt nicht annähernd den Standard, den der Westdeutsche Fußball-Verband für einen Start in der Oberliga NRW verlangt. Foto: RPO

Martin Stroetzel nimmt wie immer kein Blatt vor den Mund. „Die wollen kleine Vereine wie uns nicht. Der Amateur-Fußball wird platt gemacht“, schimpft der Trainer des SV Schermbeck. Der Grund für seinen Ärger ist die Post, die alle Clubs der Oberligen Westfalen und Nordrhein vom Westdeutschen Fußball-Verband erhalten haben. In dem unscheinbaren Umschlag steckte eine CD, die es in sich hat. Darauf ist ein 72 Seiten umfassender Forderungskatalog mit dem unscheinbaren Titel „NRW-Liga-Statut“ enthalten. Ein Horrorkatalog.

Brilo: „Völlig ratlos“

Vor allem für den SV Schermbeck, der sportlich auf einem guten Weg ist, sich für die in der kommenden Saison neu eingeführte Oberliga NRW zu qualifizieren. Die große Frage ist jetzt aber, ob er überhaupt die Zulassung für die Klasse erhält. „Wir sind schon etwas blass um die Nase geworden, als wir den Katalog gelesen haben“, meint Stroetzel. Johannes Brilo, Vorsitzender des SV Schermbeck, hat sich von dem Schock immer noch nicht ganz erholt. „Ich bin im Moment völlig ratlos“, gesteht er. Fakt ist: Das, was der Westdeutsche Fußball-Verband unter dem sperrigen Wortungetüm „Richtlinien für das Zulassungsverfahren technisch-organisatorische und sicherheitstechnische Leistungsfähigkeit NRW-Liga“ verlangt, kann der SVS auf dem Waldsportplatz nicht annähernd erfüllen.

Info

Noch mehr Papierkram

Die Vereine müssen auch ihre „wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ für die NRW-Liga beweisen. Dafür müssen die Clubs bis zum 15. April unter anderem eine Bilanzaufstellung, Gewinn- und Verlustrechnung sowie einen Forderungs- und Verbindlichkeitenspiegel vorlegen.

„Das werden wir aber schaffen. Die wirtschaftliche Seite bereitet mir kein Kopfzerbrechen“, sagt Vorsitzender Johannes Brilo.

Beispiele gefällig: Gefordert werden Zuschauerbereiche mit vier getrennten Sektoren mit jeweils eigenen Toiletten und Kiosk, ein VIP-Raum, VIP-Parkplätze, eine Presse- und Ehrentribüne, zehn Arbeitsplätze für Journalisten mit Pult und Telefonanschlüssen und, und, und. Die Spieler sollen sich auch wohl fühlen und in 40 Quadratmeter großen Umkleidekabinen umziehen. „Was wir beim SVS haben, ist dagegen ein Mauseloch. Ich habe große Bedenken, dass wir die Auflagen erfüllen können“, sagt Stroetzel. Und für einen aufwändigen Umbau der Anlage, der nötig wäre, fehlt das Geld.

Ganz zu schweigen davon, dass die Clubs auch ordentlich zur Kasse gebeten werden. Sie sollen pro Heimspiel fünf Prozent der Zuschauereinnahmen – mindestens aber 250 Euro – auf das Konto des Verbandes überweisen. Brilo: „Was da abläuft, ist eine große Sauerei. Denn der Verband hat die Gebühren für die Oberliga gerade erst um 100 Prozent auf 2600 Euro angehoben. Und in der NRW-Liga gibt’s keine Fernsehgelder mehr“

Der Verband hat die Vereine für Mittwoch, 20. Februar, zu einem Informationsabend nach Duisburg eingeladen. „Dort sollen die Clubs ihre Bedenken vortragen“, sagt Wilfried Masuch, stellvertretender Vorsitzender des Spielausschusses im Westdeutschen Fußball-Verband. Für ihn ist klar: „Es wird nicht jeder Verein auf Anhieb schaffen, die Kriterien zu erfüllen. Deshalb wird es bestimmt Übergangsfristen geben.“

Umzug ins Weseler Auestadion?

Ob’s dem SV Schermbeck weiterhelfen wird, ist die Frage angesichts der Infrastruktur auf seiner Anlage. Deshalb denkt der Verein darüber nach, seine Heimpartien eventuell woanders auszutragen. Zum Beispiel im Weseler Auestadion, wo am Freitag, 29. Februar, schon die Begegnung gegen Preußen Münster steigt. „Aber das sind erst einmal lediglich Gedankenspiele“, sagt Johannes Brilo.

Nur: Die Zeit drängt. Bis zum 15. März, 15.30 Uhr, muss das „Zulassungsverfahren technisch-organisatorische und sicherheitstechnische Leistungsfähigkeit NRW-Liga“ beim Verband vorliegen. Bis dahin gibt’s viel zu tun. „Wie wir das schaffen sollen, weiß ich nicht“, meint Brilo. „Wir wollen gerne in die Oberliga NRW. Aber so wie es im Moment aussieht, wird es verdammt schwer, das zu schaffen, auch wenn wir sportlich voll im Soll liegen.“

Anstoss

Quelle: RP

 
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