Zur Kasse, bitte!?
VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 26.09.2006Die Stadt Wesel will die Sportvereine an den Energiekosten für die Sportanlagen beteiligen. Dezernent Jung spricht heute mit den Fraktionsvorsitzenden über das Thema. Bislang stoppte die Politik die Pläne immer. Und jetzt?
Nutzungsgebühren
Laut einer Statistik des Deutschen Sportbundes (DSB) nutzen derzeit 61 000 der 90 000 Sportvereine kommunale Sportanlagen.
Gut die Hälfte der Vereine muss Nutzungsgebühren berappen. Sie zahlen mittlerweile für 5,9 Millionen Stunden Anlagennutzung Gebühren in Höhe von 153 Millionen Euro.
Das Thema kommt in schöner Regelmäßigkeit auf den Tisch. Es wurde bislang in ebenso schöner Regelmäßigkeit von der Politik abgebügelt. Jetzt gibt’s den nächsten Versuch der Stadt Wesel, die Sportvereine an den Kosten für die Unterhaltung der städtischen Sportanlagen zu beteiligen. Die Clubs sollen einen Teil der Energiekosten übernehmen. Wesels Sportdezernent Wolfgang Jung hat mit dem Stadtsportverband schon erste Gespräche geführt. Heute will er die Politik in der Fraktionsvorsitzenden-Besprechung darüber informieren, was die Stadt plant.
„Insel der Glückseligkeit“
„Eine Beteiligung der Vereine an den Energiekosten ist ein Thema, das wir angesichts des Zustands unseres Haushaltes einfach behandeln müssen“, sagte Jung gestern. Nach RP-Informationen gibt es mehrere Rechenmodelle, wie viel Geld die Clubs in die klamme Kasse der Stadt zahlen sollen – angefangen von 50 000 Euro bis hin zu 120 000 Euro. Da können im schlechtesten Fall für einen Großverein schnell ein paar tausend Euro zusammenkommen. Das ist in einigen Kommunen schon der Fall, wo das Ding in der Regel einen anderen Namen hat: Nutzungsgebühren. Das Ergebnis ist das gleiche. Die Vereine müssen zahlen, damit sie in oder auf die städtischen Anlagen dürfen. Gut ein Drittel der Städte und Gemeinden in Deutschland erhebt mittlerweile Gebühren.
„Wir sind in diesem Punkt noch eine Insel der Glückseligkeit. Hoffentlich bleibt es dabei“, sagte Heinz-Albert Weber, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Wesel, gestern. Er wundert sich darüber, dass das Thema plötzlich wieder akut geworden ist. „Wir hatten eigentlich gedacht, die Sache hätte sich erledigt, nachdem die Politik sich vor gut einem Jahr noch dagegen ausgesprochen hat“, meinte Weber.
„Nicht über Gebühr belasten“
Die großen Fraktionen sind offenbar nach wie vor nicht bereit, den Vereinen allzu tief in die Tasche zu greifen. Das ließen gestern auf RP-Anfrage die Fraktionsvorsitzenden Rudi Spelmanns (CDU) und Ludger Hovest (SPD) durchblicken, die selbst noch nicht genau wussten, was auf die Clubs zukommen soll. „Die Verwaltung kann einen Vorschlag machen. Ob wir dem zustimmen, ist eine andere Sache. Das werden wir erst in aller Ruhe in der Fraktion beraten. Die CDU bleibt aber dabei, dass die Vereine nicht über Gebühr belastet werden sollen“, sagte Rudi Spelmanns. Ludger Hovest erklärte, dass „die SPD nur einer Regelung zustimmen wird, die in Absprache mit den Sportvereinen getroffen wird und mit der die Clubs auch leben können“.
Die Politik will die Vereine aber auch in die Pflicht nehmen. Es könne, so CDU-Chef Spelmanns, nicht sein, dass auf Sportplätzen das Flutlicht brenne, wenn nicht trainiert wird. „Die Vereine müssen sich disziplinieren, damit wir die permanent steigenden Energiekosten in den Griff bekommen“, meinte Hovest.
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